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Gebeamte Bienen – oder: der Tod einer Tierart?

Ich weiß noch gar nicht, ob Sie’s wussten, aber: Die Biene stirbt. Im Moment sogar im Plural. Okay: Das ist für Bauchladenverkäufer mit eigener Kuchenauslage erst mal eine sehr positive Meldung. Und auch Spaziergänger und Stubenhocker werden sich jetzt fragen: „MUSS mich das interessieren? Und wenn ja, wer soll das kontrollieren?“ – Darauf gibt es nur zwei Antworten: JA und ICH.

Sie werden immer zahlreicher… verschwunden sein: In den USA sind bis 80% aller Bienenvölker einfach abhanden gekommen, ähnliche Ansätze gibt es bereits in Kanada, Polen und Spanien. Niemand weiß, wo sie hin sind, welcher Zigarettenautomat denn so verdammt weit weg sein könnte und was zum Henker sie hier früher überhaupt wollten…

Das Seltsame ist jedoch die Art des Verschwindens: Die Bienenstöcke sind plötzlich leer, in einer sehr greifbaren Horrorversion des alten Sprichwortes „alle ausgeflogen“. Keine Leichen, kein Nichts. Und wenn doch, dann nicht besonders viel davon. – Normalerweise haben Bienen die Angewohnheit, irgendwo im weiteren Umfeld der Nähe ihres Stocks herumzuliegen, wenn sie sich kränklich fühlen oder zu spät zur Drogentherapie gekommen sind.

Zwar wird ein Bienenstaat durch ein quasi-evolutionäres Alzheimer vor Infektionen geschützt, da kranke Brummer einfach nicht mehr nach Hause finden (vielleicht auch beim Menschen beheimatet? Wenn Oma nicht heimfindet, spart die Pflegekasse?), jedoch gibt es immer wieder mal Ausnahmen. Gerade, wenn Bienen nicht im Wald wohnen, und der Imker ein ganzes Wohnförderungs-Battalion an Holzschränken bereitstellt, müsste immer wieder mal ein Teil der sterbenden Bäckereiplage beim Pförtner aufschlagen. Das gebietet allein die cineastische Höflichkeit „Ich… Röchel… Es waren… W-We… – Sie waren es! Es waren W-W-Wespen… (*sterb*)“

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„Mamaaaa! Ich will auch so einen süßen Huuuund!“ – Bienen nehmen in der Nahrungskette einen wichtigen Platz ein: So sorgen sie beispielsweise dafür, dass sie doof dastehen, während wir ihnen den Honig wegfressen. – Aber auch als Reinigungskräfte der Natur haben sie sich einen Namen gemacht (er lautet: „Bienen“). Hier zum Beispiel trinken sie undefinierbares weißes Zeugs, das der Swingerclubbesitzer sowieso gerade wegwerfen wollte.

Aber da sind keine. Nirgendwo. Alle weg, Futschikato. In den Bienenstöcken stapelt sich währenddessen der Honig. Ein paar letzte blöde Arbeiterinnen verstehen die zwangsweise Aufhebung ihrer Sklaverei als unzulässigen Eingriff in ihre hauswirtschaftlichen Grundrechte, wischen noch mal feucht durch und dann: Stille.

Das ist ein echtes Problem. Vor allem für Menschen, die gerne Essen. Denn Bienen bestäuben quasi alles und überall. Ein ganzjähriger Befruchtungsporno tut sich da vor unseren Augen auf: Wehrlose Wildpflanzen bekommen Beine, Köpfe und Hinterleibe in die Geschlechtsöffnungen gerammt, dass die Wiese nur so bebt. Apfelbäume, Kirschbäume, Pflaumenbäume, Kartoffelbäume, Melonenbäume: Sie alle könnten nicht existieren (zwei dieser Beispiele scheinen sogar bereits ausgestorben zu sein!), würden Insekten nicht die lästige Sache mit dem Se… , äh, dem Fortpflan… Dings… Stotter… – Verdammt, wie erkläre ich das jetzt nur mit den Blümchen und Bienchen, ohne den Menschen als Beispiel heranzuziehen?

Egal, ihr habt es schon begriffen: Ohne Biene keinen Apfel! Keine Aprikosen! Keine Blaubeeren! Keine Mandeln (gerade Lübecker Marzipan ist aus meiner Nahrungskette nur schwer herauszudenken)! – Was sicherlich das Problem noch verschärft, denn gefühlte 160% aller Bienen scheinen erheblich auf meine Kuchenvorräte angewiesen zu sein. Ein Teufelskreis, der da ohne die kleinen Teufel in Gang kommt! Und dabei habe ich die kleinen Stecher doch so lieb gewonnen. Erst vor einigen Jahren habe ich damit aufgehört, wild um mich zu schlagen und meine Stimme zu einer heiseren Feuerwehrsirene zu erheben, wenn Maja und Willi sich ohne böse Absicht in meinen Nasenlöchern niedergelassen haben…

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Sag mir, wo die Bienen sind… Wo sind sie geblieben? – Wenn die Biene stirbt, stirbt auch der Mensch: Die Frauen mit 81,2 Jahren und Männer mit um die 75,3. – Diese Landschaft wurde einmal VOR und einmal NACH dem großen Bienensterben fotografiert. Die Unterschiede sind so alarmierend, dass Polizei, Feuerwehr und Notarzt inzwischen sogar bitten, sie NICHT mehr zu alarmieren, da man auch nichts machen könne.

Bisher ist diese ganze Sache von der Öffentlichkeit nicht besonders wahrgenommen worden. – Wie auch, so ganz ohne Bienen? Doch wie kommt es, dass sie nicht mehr kommen? – Nun, da gibt es Theorien:

Die BILD fragte schon vor Wochen, ob wir die Bienen nicht „tot telefoniert“ haben könnten. Kann sein. Aber der Bevölkerungsanteil war ja auch früher schon zu 50% weiblich, ohne, dass es die Summsen gejuckt hätte. Und seitdem ich nachts immer häufiger im Rächerkostüm durch die Straßen streife, haben auch die gefährlichen Telefonverkäufer erheblich abgenommen. – Wie? Nein, gemeint war im ursprünglichen BILD-Bericht natürlich die Handystrahlung, aber das ist als Grundlage für erzwungene Frauen- und Callcenter-Witze natürlich etwas zu mager…

Oder haben wir die Bienen einfach zu sehr gepäppelt? Die Imker-Praxis, stets mit Hustensaft und Wadenwickel hinter kranken Tierchen herzurennen, hat den natürlichen Selektionsdruck nämlich verringert. So kommt es, dass die Biene von heute einfach dööfer, wehleidiger und anfälliger ist. So ähnlich also wie bei der heutigen Jugend, nur dass die Zahl der Berufsschulabschlüsse bei den Insekten noch mal besorgniserregend niedriger liegt. – Auch die Aggressivität fehlt den Viecher völlig: Während Wildbienen bis zum Tode für ihren Honig kämpfen, legen sich Hausbienen beim Besuch des Imkers höchstens auf den Rücken, um mal wieder ordentlich durchgekrault zu werden.

Auch die Zuckermasse, die dem Getier im Austausch für den Honig gereicht wird, scheint nicht so gesund zu sein: Abgesehen von schlechten – oder gar keinen – Zähnen fehlen den Bienen wahrscheinlich wichtige Mineralstoffe und sonstiger Krempel. Da sollte man den Euro nicht scheuen und wenigstens eine hochpreisige Schokolade (nur bitte nicht Zartbitter!) zwischen die Waben platzieren.

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„Alle meine Bienen sind weg, buhuu! Ich habe schon überall nach ihnen gesucht!“ – „Und was ist das hier auf der Rückseite, hä?“ (*umdreh*) – „Öh… Hihi. Ja. Ähm. Das sind gar nicht meine!“ – Weitere Erklärungsmöglichkeit: Das zunehmende Alter der Imker und die damit einhergehende Schusseligkeit. Und so eine Biene ist ja nun nicht sehr groß! Vor allem die imaginären Bestände übersieht man immer gerne mal wieder…

Man könnte noch weiter spekulieren: Eine Art Bienen-AIDS (wahrscheinlich auch wieder vom FBI entwickelt), die gefürchtete Varroa-Milbe… Doch vieles würde nicht erklären, warum die Viecher gerade jetzt fallen wie die Flieg… Bienen.

ABER: Man las bereits vor längerer Zeit im SPIEGEL, dass die Sterbe-Häufung in Ländern besonders groß ist, die genmanipulierte Pflanzen züchten. – Welche besonders resistent gegen Schädlinge sind. Und ICH glaube das auch! Ich habe es sogar schon immer geahnt: Wer Gott ins Handwerk pfuscht, wird bestraft! – Daher sollten wir dankbar für diese Lektion sein und froh, dass Getreidesorten zu den Selbstbestäubern gehören.

Die Wichser, die.

Daher: Glauben Sie es mir, ich werde es auch nicht widerrufen: Genfood IST gefährlich!


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von Klapowski am 29.06.07 in All-Gemeines

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Kommentare (4)

  1. klaus sagt:

    Also, ich muss ja sagen – die Beiträge auf dieser Seite werden immer besser und unterhaltsamer :-)

    Weiter so!

  2. Bergh sagt:

    tach auch !
    Letztens war eine Doko zu dem Thema im TV:
    Ein amerikanischer ! Imker, der Bienenstöcke ganzjährig zu hunderten durch die Gegend karrt.
    Ahornernte in Kanada, irgendwas in Florida, Äpfel in Wisconsin und und und.

    Da tut sich der Verdacht auftuen, daß die Binen die Schnauze voll haben vom herumvagabundieren.
    Varioba Milbeund alles andere wurde untersucht, konnte aber als Verursacher ausgeschlossen werden.
    Entweder ist es ein Mix aus allem, oder man hat es bis dato noch nicht entdeckt.
    Das dumme ist, daß genmanipuliertes Getreide sich auch nicht selber bestäubt. Das sind oft Hybriden, die eigentlich steril sind.
    Also muß mnan jedes Jahr neues Saatgut kaufen (zwinker zwinker) und kann nicht die Reste vom letzten Jahr aussäen.

    Das könnte eine Ökologische Katastophe allererster Ordnung werden.

    Gruss BergH

  3. Heinz Kauder sagt:

    gerade vom Berg zurück wo meine Lieblinge hängen – mitten drinn ihre lieblings Königing und satt bis oben hin mit kaum eigenen Mittessern ( die habe ich alle gekillt) behafftet. Die Traube ist reif zum explodieren. Ungeduldet erwarte ich den geilen wärmenden Strahl, um mit meinen Lieblingen am Nektar mich zu laben.
    Die letzten Gläser sind vergeben und die leeren müssen mit dem süßen Stoff bald wieder gefüllt ewerden. Ich drücke auch allen meine grünen Daumen.Tschüß !

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