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Putin – Sein Kampf

Der Ton, in dem Gerhard Schröder noch immer über seinen lupenreinen Lieblingsgnom Putin spricht, ist nicht nur ärgerlich, sondern in seiner Einseitigkeit auch geistige Körperverletzung. Gelegentlich sogar körperliche. Denn nur mühsam konnte ich somit in den letzten Wochen etliche Beil- und Ritzobjekte von meinen Unterarmen fernhalten! Fast wie ferngesteuert verlangten sie danach, diese Worte in mein Fleisch zu ritzen: „Demokrat bis auf’s Blut. Muss ja nicht das eigene sein!“

Da Zeilenumbrüche auf Pulsschlagadern jedoch eine sensible Sache sind, entschied ich mich, meinem Ärger in einem kurzen Blog-Eintrag Luft zu machen. Also, was war geschehen? Gerhard Schröder, uneinsichtiger Geronto-Haarefärber und Wahlrusse, schrieb im SPIEGEL eine Seite über die russische Politik. Da die Contra-Seite nebenan bereits gefüllt war, musste nur noch ein wenig Pro(sa) her. Und wann immer es an Putin etwas zu loben gibt, ist Gerhard ja der erste am improvisierten Megafon, das nicht selten aus ein paar zusammengerollten Beraterverträgen für Russische Gasfirmen besteht. Zumindest das kann man dann wenigstens stilecht nennen…

Doch der Ton, mit der Schröder die eigentliche Kritik an Putin (Menschenrechte, Pressefreiheit, Gedöns) kommentierte, war diesmal besonders unerträglich. – Und zwar unerträglich leise, also auf fast brüllende Weise unhörbar. Man möge, laut Schröder, doch bitte mal sehen, dass es den Russen jetzt viel besser als Mitte der Neunziger gehe. Immerhin könne der Staat sogar wieder seine Rentner und Beschäftigten auszahlen, was für Stoffwechselsympathisanten besondere Vorteile bringt.

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„Was ist das denn bitte? Riecht ja wie Scheiße!“ – „Fast: Das ist der Rest der Pressefreiheit, Herr Putin. Wir haben aber noch ein paar Schamhaare drauf gepflanzt, damit sie es leichter mit dem Bannspruch ‚Verfickte Scheiße’ belegen können.“ – Pressefreiheit gut und schön, aber WENN schon, dann von jemanden, der’s auch kann: Bereits in seinem ersten Lebensjahr war Putin im Pressen nämlich gar nicht der Allerschlechteste.

Alles ni… richtig, Herr Schröder-Köpf! Doch darf ich an dieser Stelle mal wieder eine Vertrauensfrage stellen? – Was ist mit der Tatsache, dass praktisch keine Fernsehanstalten noch irgendwelche selbige unternehmen, die Opposition vorzustellen? Bei vornehmlich staatlich geführten Sendungs… Pardon, Sendeanstalten ja auch kein Wunder? Sind wir alle etwa nicht nur ein bisschen Bluna, sondern auch ungeheuer Berlusconi? Wieso wurden Radio- und TV-Programme systematisch plattgekloppt, die nicht mindestens jeden Tag ein Ständchen für den lieben Onkel anstimmten („Der Präsident begeht heute seinen 2. Jahrestag seines Umsteigens auf Vollkornbrot. Herzlichen Glückwunsch!“)? Und ist es wirklich rundum gelungen, wenn Herr Kasparov (Oppositionssympathisant) als Bauernopfer an der Grenze aufgehalten wird?

Sind die Journalistenmorde und –verschwindibustricks nicht mindestens verdächtig und die langsam beginnende Schikanierung von Presseleuten bei der Ein- und Ausreise vielleicht doch nicht ein untrügerisches Zeichen für eine watteweiche Glücksbärchiwunderwelt? Muss man friedlichen Demonstranten denn wirklich mit den Knüppel den Kopp massieren, wo es doch eine Haarwurzelbehandlung auch getan hätte? Müssen ehemalige Industriemagnaten in Showprozessen zu jahrelangem Steinekloppen verurteilt werden, während die ECHTE Korruption, die einem selber hilfreich ist, blühen und gedeihen darf?

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„Nun, äääh… liebe Polizisten. Wir wollten ja nicht wirklich kritisieren am Präsidenten. Vielleicht einigen wir uns nicht auf einen ‚lupenreinen‘ Demokraten, sondern einen ‚knüppelharten‘? Aua!? Okay, wie wäre es mit ‚wehrhafter Demokratie‘? – AU!! ‚Herabgesetzte Demokratierestbestände‘? – AU! AUA! AAAAH! RAAAAH!“ – Putin gibt einen aus: Für dieses Rundum-Arglos-Paket aus Kopfmassage und Akkupressur muss man normalerweise ein Vermögen bezahlen!

Muss man denn die beleidigte Schädelwurst spielen, weil die USA ein Raketen-ABWEHR-Schild vor der Haustür installieren möchte? Entweder ist der Mittelteil dieses Namens ein Indikator dafür, dass er bei der Wahl des „Unwortes des Jahres“ (= grob verfälschend) hervorragende Chancen hätte, oder aber Putin hat nicht mehr alle Flöhe auf der Denker-Fellmütze. Klar: Raketenabwehr funktioniert ebenfalls über gestartete Raketen und nicht über eine überdimensionale Kirchenanlage, in der die Gläubigen gegen die nahenden Geschosse anbeten. Aber glaubt Russland wirklich, die NATO, die EU oder hier halt Amerika sind so schwachmatisch, die Hauptproduktionsstätte durchsichtigen Kult-Alkohols anzugreifen?

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„Ha-Ha-Ha! Sie sind ja ein unglaublicher Scherzkeks! Wie sie das mit dem Finger gemacht haben, Ha-Ha! Nur dass ich ihn danach ablecken musste, gefiel mir nicht so wirklich. Gibt es in Russland denn WIRKLICH kein Klopapier?“ – Putin voll Putt? Die immer neuen Ideen des Russischen Präsidenten erhöhen bei seinen Kollegen nicht nur den Wunsch nach einem Raketenabwehrschild, sondern auch nach einer Tarnkappe, einem Stahlbunker und einer alternativen Version der Erde.

Muss man als Europäer nicht viel eher fragen, wieso man sich denn nicht verteidigen darf, während gleichzeitig ein perlweißer Antidemokrat was vom Pferd erzählt und sich anscheinend die hübschen Frostblumen des Kalten Krieges zurückwünscht?

Und glaubt denn irgendwer, dass Putin nach einer Amtszeit von 2 x 4 Jahren in den Ruhestand tritt? Da ist doch zumindest noch ein maßgeschneidertes Gesetz drin, dass die Amtszeit noch ein bisschen verlängern tut, oder? Tatsächlich ist, relativ aktuell, laut dem SPIEGEL bereits eine Erhöhung auf 7 Jahre im Gespräch. Eine kalendarische Gesetzesreform („Ein russisches Jahr entspricht ab heute exakt 5 Umdrehungen der Erde um die Sonne.“) wird dann vermutlich recht bald folgen…

Also, Put-In: Trage der englischen Bedeutung deines Namens Rechnung und tu Dir mal was rein. Zum Beispiel frisches Hirn. – Knorkiges Wirtschaftswachstum reicht nämlich in der Regel, um sich und sein Volk mächtig (kommt ja auch irgendwie von Macht, gelle?) glücklich zu machen. Blöde Sprüche und herbeigeredeter Militärkäse in absolut einwandfreien Friedenszeiten (wenn wir die bösen Rest-Terroristen in Tschetschenien mal außen vor lassen) sind überflüssig wie ein Kropf. Apropos überflüssige Kröpfe:

Gerhard S., die gekaufte Standleitung zu Gas und einer erheblichen Fördermenge Lobhudelei, sollte sich mal langsam den Hahn zudrehen. Ansonsten könnte er in seinem Heimatland bald jede politische Seriosität verloren haben. Oder vielmehr: Der Rechnung mit negativen Mengen zu neuen mathematischen Dimensionen verhelfen…


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Artikel

von Klapowski am 18.06.07 in All-Gemeines

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