Das ernsthafte Medienmagazin

Unsere Fernsehlandschaft: Stumpf it up, Baby!

„Wer jetzt anruft, kann einen Hyundai Phistamis gewinnen!“ – Es gibt nichts in deutschen Vor- und Fernsehabendabbrech-Shows, was mehr nervt, als die ständigen Aufrufe zum Telefonstalking beim Abwimmel-Computer! Wer ruft bei dieser gequirlten Zuschauerhirnkacke eigentlich überhaupt noch regelmäßig an? Haben denn 6-Jährige neuerdings nicht nur einen eigenen Fernseher auf dem Zimmer, sondern auch einen Festnetzanschluss? Halte ich das Internet für so wenig interaktiv, dass ich mich den Hoffnungen hingeben muss, unter 500.000 sturmklingelnder Hartz-IV-Empfänger eine Chance auf ein neues Auto zu haben?

Noch nerviger sind da die penetranten Einblendungen für mental Weggeblendete, die bevorzugt kurz vor der Werbepause kommen: „Jetzt anrufen und einen Bauchweg-Stepper gewinnen! Beantworten Sie nur die Frage: Wer hatten maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung der Atombombe: A) Albert Einstein oder B) Marius-Müller Westerhagen?“

Bei Big Brother scheint das sogar NOCH schlimmer zu sein: Hier wird angerufen, um zu entscheiden, ob der Kandidat lieber Würmer oder Kekse essen soll, geköpft oder gesteinigt, rausgeschmissen oder totgebissen werden soll. Natürlich geht das Ganze auch über SMS: „Schicke Susi an die 118844, wenn Sie mit einem zufällig ausgewählten Studiogast schlafen soll, um nicht rausgewählt zu werden!“

In der Tat: Das gesamte Fernsehen ist so werbeverseucht, dass ich diese geballten Schund nicht mehr ertrage. Egal, wann man einschaltet, um zu sehen, was es gerade gibt: Auf mindestens der Hälfte der Privatsender läuft gerade Werbung, was für die Einhaltung der gesetzlichen Mindestwerbemengen nichts Gutes vermuten lässt. Die Alternativen Internet und DVD sind zwar nicht billig, doch spare ich dadurch wieder das Geld für die Zuzahlung starker neurologischer Medikamente.

Sogar Galileo, Welt der Wunder und die N24-Dokumentationen strotzen nur vor glattgebügelten Schleichwerbungsaktionen: Statt mal wieder Mistkäfer in Großaufnahme zu zeigen oder die kognitiven Fähigkeiten von Primaten zu beleuchten (würde sich bei der anvisierten Zielgruppe anbieten), muss man sich jeden Tag ansehen, warum der Mensch z.B. so gerne etwas Knuspriges isst. Natürlich mit nervigen Schauspiel-Einspielern von „Muschi und Klausi“, die die Theorie in die Praxis transportieren sollen: „Schaaa-hatz? Bringst – Du – uns – neue Chips aus dem Su-per-markt mi-hit?“ – (*wie zufällig halbleere Tüte von CHIPSFRISCH in die Kamera ramm*) Und will ich 20 Jahre nach der entsprechenden Ausgabe von „Sendung mit der Maus“ wirklich immer noch wissen, wie Zahnpasta gemacht wird? Bei den 2 letzten, bisher noch nicht verwursteten Herstellern, meine ich?

Selbst, wer nicht zappt, findet keine 10 Minuten, in denen er nicht mit Reklame bombardiert wird. Und wenn mitten in der Lieblingsserie links oben ein Handygame offeriert wird oder gar die Moderatoren der nachfolgenden Show schon mal klein durch’s Bild dackeln. Die Öffentlich-Verbrechenden sind mit „Ein schöner Abend mit Carmen Nebel“ und „Kopie-eines-privaten-Formats No. 268“ übrigens auch keine Alternative. Dafür aber umso mehr für Alte.

Daher: Sei schlau, schalt’ ab! Ich wäre der erste, der seinen GEZ-Mitgliedsausweis (= Personalausweis) zurückgeben würde, wenn’s irgendwie möglich wäre.


Weitersagen!

Artikel

von Klapowski am 19.05.07 in All-Gemeines

Ähnliche Artikel


Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Brandneues
Gemischtes
Newsletter
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.
Büchers
Jenseits der Goetter

Jenseits der Macht