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„Brrrrr, ist mir warm!“

Kennt ihr ihn auch? Diesen Personenschlag, der nicht nur vom Namen her nach Schlägen schreit, weil er einem schon morgens regelmäßig im Büro vorheult, dass das Wetter zu kalt, zu raureifig, zu bewölkt oder zu anwesend ist? Diese Leute, die jede kleinste Änderung am meterologischen Gesamtzustand aufspüren, aber die genervt verdrehten Augen ihrer Kollegen nicht zu sehen vermögen?

Meistens ist es ihnen nicht warm genug. Was wohl daran liegt, dass sie es selber schon sind: Die schwulen Wetterkritiker mit dem Mimosen-Gen. Definitiv nicht verwandt oder verschwägert mit Väterchen Frost. – Selbst bei 56 Grad in einem Schatten, der aufgrund allgemeiner Objektschmelze in den Straßen bereits künstlich ausgelegt werden muss (schwarze Farbe, dünn aufgebracht wirkt hier Wunder), mosern sie noch über die recht frostigen Stunden, die sie hatten, als sie mit beiden Beinen im verflüssigten Teer feststeckten.

Können für mich Temperaturen über 25 Grad ersatzlos gestrichen werden, fängt für diesen Personenschlag da erst das Vergnügen an: Dann wird gebrutzelt, bis der Knochen pellt. Und danach noch in’s Solarium. Man hat ja eine Monatskarte. Auch die vom Dermatologen.

Doch schlimm ist für den allgemeinen Wetterfetischisten ja eigentlich alles, was draußen so abgeht. Hier die häufigsten Selbstmordgründe:

– Bewölkung

Unabhängig von Jahreszeit und/oder Restsehkraft. Ein Wetterfetischist MUSS immer die Sonne sehen, sonst kommt es zu einem Mangel an Endorphinen im Blutkreislauf. Dies kann dann die Ausschüttung von äußerst nervigen Laberhormonen zur Folge haben, was sich in Sätzen äußert, wie: „Ich glaube, ich brauche einfach mal wieder ein bisschen Licht.“ – Siehe zu diesem Thema auch den problematischen Unterkomplex: „Unbezahlte Stromrechnung“. Jedenfalls sorgt nur ein freier Blick auf unsere Chefbestrahlerin dafür, dass Wetterfetischisten nicht zu heulen beginnen. Auch wenn bei sonnigen Tagen nicht ausgeschlossen werden kann, dass durch das ständige, verliebte Hochschauen ebenfalls ein gewisser Trän- oder Wegfauleffekt ausgelöst wird.

– Regen

Selbst wenn Wochen lang unser Zentralhimmelskörper seinem heiteren Gemütszustand nachhing, was im Allgemeinen mit dem Satz „Die Sonne lacht“ umschrieben wird, können 3 Tage harmlose Erdbefeuchtung zu tiefsten Depressionen führen: „Immer regnet das!“ – Mit „immer“ ist dabei allerdings nur Fassungsbereich des Langzeitgedächtnisses gemeint, das durch die täglichen Wetterdaten aus 126 Ländern bereits nach 48 Stunden überquillt. Daher kommt es den „Weathers“ so vor, als sei schon ihr ganzes Leben zwischen waagerechten Wassereinflugschneisen verlaufen.

– Wind

Sobald die Luft mal müde zwirbelt, spricht man von Wind. Man unterscheidet – gerade bei älteren Wetterfetis – zwischen „kalten Wind, der auf den Kopf geht“, „schnellen Wind, der die Frisur ruiniert“ und „angenehmen Wind“. Dieser tritt meist auf, wenn es selbst einem Fetischisten mal zu warm wird. Also exakt eine Woche, nachdem diese gefordert hatten, dass es jetzt ruhig „für 2 Monate warm“ bleiben solle.

– Kälte

Wetterfetis fordern im Winter auch gerne mal Schnee (zu Weihnachten, bitteschön), Glatteis (stumpfes Eis sieht schließlich blöd aus) und Minustemperaturen von bis zu 20 Grad (die Natur braucht das. Sie hat sogar eben noch mal angerufen deswegen!)… Jedoch kommt man meist schon nach wenigen Stunden auf den Trichter, dass Kratzen am Auto doch nicht so viel Spaß macht, als sich selber im Schritt zu pulen. Auch versehentlich abgebrochene Ohren nach einem romantischen Spaziergang im Schneesturm sorgen kaum für lachende Gesichter. Es sei denn, es wurde beim Losgehen in genau diesem Zustand schockgefroren.

Ergo: Wetterfetischisten scheinen der selben Kategorie wie Weinkenner anzugehören, die schon mal stundelang an einem Waschmittelmessbecher mit „Burgunder Fliederberger“ herumschlecken. Diese befinden dann ja auch nach einer Viertelstunde regelmäßig, dass „ein gewisses Eichenharzaroma sich hier ungünstig mit neuseeländischen Teppichreiniger“ vermischt. Man stelle sich zur Erweiterung dieses Bildes einen Wetterfeti vor, der seine gefüllte Regentonne mit ein wenig Raureif abschmeckt und danach immer noch nicht zufrieden ist.

Daher: Redet nicht dauernd über’s Wetter, sondern hebt lieber MEINE Stimmung lieber durch eine Phase der Windstille. Ein geschlossener Mund wirkt da oft schon Wunder…


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Artikel

von Klapowski am 27.01.07 in All-Gemeines

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