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Schnell, die Laden runter!

So lautet nicht nur der Warnruf, dass eine bestimmte afghanische Grossfamilie besser in Deckung gehen sollte, sondern auch seit einiger Zeit der Online-Kampfschrei vieler Star Trek-Fans nach der Erstausstrahlung einer Enterprise-Folge. Ein guter Grund, sich einmal kritisch und ST-E-typisch mit diesem Thema auseinander zu setzen, und die Entstehung eines Daten-Kultes noch einmal Revue passieren zu lassen…

Ein normaler Tag in Deutschland beginnt, doch wie in der Politik wirft ein Ereignis in unser aller Lieblingsland Amerika bereits seine Schatten voraus… dabei haben wir von diesen dunklen und unnützen Anhängseln doch bereits selber mehr als genug!

Denn in den USA findet wieder ein, meistens wöchentliches, Ereignis statt, welches man schon allein von den Einschaltquoten locker mit einer neuen Folge „TV Total“ gleichsetzen kann… denn niemand schaut noch zu. Doch auch wenn die Quoten bereits dafür gesorgt haben dass sich so mancher Lizenznehmer bereits schaudernd abwendet, gibt es trotzdem noch eine treue, mit zweifelhaftem Geschmack gesegnete, Gruppe von Fans: die Online-Fraktion!

Ausgestattet mit allem was ein richtiger Nerd benötigt (also Breitband-Anschluss, Chipsvorräte und Jungfräulichkeit ohne Umtauschgarantie), ist diese Gruppe in der Lage, das zurückhaltende Lächeln von Phlox und die wortgewaltigen Dialoge von Mayweather auch in die entferntesten Länder zu tragen… was bei den richtigen Fans wohl auch den Briefkasten gegenüber mit einschliesst.

„Herrschaftszeiten, ich komm ja schon! In den Bergen hat’s geregnet, doa brauch der Muli schon moa etwas länger!“ – Bauer Hansen mit einer Wagenladung „The Expanse, Part II“ auf den Weg nach Sankt Internet…

Aber ist dies nicht schon zuviel des Guten? Denn wie Opa an seine Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg, kann auch ich mich noch an die Momente einer TNG-Erstausstrahlung erinnern, welche sogar das neue M.A.S.K.-Spielzeug in die hinterste Zimmerecke verbannte. Denn was war man da noch herrlich uninformiert, geradezu jungfräulich! (ok, da hat sich auch heute bei den Fans nicht viel getan…)
Keine Reviews von diversen Trek-Satirekäseseiten, die einem die gute Laune verdarben, und kein teuflisch-ausländisches Kauderwelsch mit Südstaaten-Akzent, durch welches man sich heute quälen muss. Denn eine Synchronisation ist heutzutage doof und stinkt nach Fisch!

„BEI DER MACHT VON… nanu, wo ist er denn hin?!“ – Anno 1988 war die Welt noch in Ordnung, wo man für eine neue Star Trek-Folge sogar noch He-Man auf Tele5 sausen ließ.

Schliesslich befinden wir uns jetzt im 21. Jahrhundert! Die Handys sind kleiner als Kirks Kommunikator und bereits mit einem Fingerdruck erreichen wir damit ferne Länder. Meistens, weil die Scheiss-Tastenfelder so klein sind und man mit dem Daumen aus Versehen alle Nummern gleichzeitig gedrückt hat!

Dieser Fortschritt betraff aber natürlich auch das Internet. War in den frühen Neunzigern ein runtergeladenes, und extrem pixeliges, Erotikbild schon das Höchste der Gefühle, hält man sich heutzutage nach dem Download des 43. Pornofilms beim Gähnen nur noch gelangweilt die (linke) Hand vor dem Mund. Und dieser Vergleich passt natürlich auch zu Enterprise, inklusive Porno. T’Pol sei Dank.

„Der Download von „Broken Bow“ dauert noch etwas, Daniel, aber denk dir die Reviews zu den anderen Folgen einfach schon mal aus!“ – Die Redaktion setzt auf bewährte Technologien. Den Beweis liefert unser treuer 300-Baud Akkustik-Koppler von der CeBit 85.

Es behaupten ja immer mehr… Star Trek ist ausgelutscht und braucht eine Pause. Nach über 15 Jahren Non-Stop Ausstrahlung unter der Fuchtel der bösen Zwillinge ja auch kein Wunder. Doch dazu kommt ja auch noch die endlose Zuschüttung der Fans durch das Internet, quasi die doppelte Dosis Valium. Eine hätte man vielleicht noch ertragen, doch jetzt droht das Fandom am goldenen Datenschuss zu verenden. Will sagen, man ist vielleicht süchtig und schaut sich immer noch jede Folge an… aber ob es gesund ist, steht auf einem anderen Blatt.

Und das hat der Hund gefressen… und die guten Drehbücher auch. Sagt Berman.


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Artikel

von Sparkiller am 06.07.03 in Star Trek

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Kommentare (10)

  1. Gast sagt:

    Das würde einen Schluss zulassen:
    Star Trek war schon immer langweilig.

    Nachdem ich also das Publikum durch den Schockeffekt angezogen habe nun Argumentation:
    Erinnern wir uns an gaaaanz weit zurück…
    TOS-TOS war doch das VIVA der 60er.
    Bunt, schrill, seltsam, komisch und unverständlich, sowie homosexuell angehaucht.
    Nun, hatte man also eine Folge TOS gesehen war man zuerst einmal verwirrt. Man hatte keine Ahnung was das genau war, ging ja viel zu schnell für das unterbelichtete Auge und es kam bei TOS eh immer nur auf eins an:Man musste die Botschaft verstanden haben. Freiheit Liebe, Ursprünge von Gewalt, Motivation.
    Das alles konnte man in TOS noch bewundern. Dann ging man zum Nachbarn und hat sich darüber unterhalten.
    TNG-Bei TNG wars in etwa genauso. Bloß hat man sich da schon mal vorsorglich Glatzenpolitur besorgt und einen Besen verschluckt.
    DS9-Bei DS9 fing es gerade so an, mit dem bösen Internet. Aber das wurde, wie fast alles andere bei DS9, durch die hübschen Kabumms verdeckt.
    Erst bei Voy und Ent hatte die Mehrheit einen Breitbandanschluss und die Grundnahrungsmittel, also Chips, Pommes, Butter, Öl, waren billig genug um sie in ausreichenden Mengen zu konsumieren.
    Folge:Der Chat-und Forenboom
    und das böse Eselchen führten dazu, das man endlich alles von der Folge mitbekommen hat und dann auch gleich sah:
    Scheiße ist das langweilig.
    Zumindest teilweise. Also wendet man sich ab und abber und Star Trek wurde nur noch von wahren und treuen Fans gesehen.

    3 Worte:
    So ein Schwachsinn.

    Wers glaubt wird selig.
    Denn der Gelegenheitszuschauer wendet sich schon vom Dreck ab, der ihm auf dem Bildschirm und lädt sich nicht noch zusetzlich ENT Folgen aus dem Internet runter, das wäre ja wie sich selber rückwärts durchs Knie schießen. Außerdem gab es schon zu TNG Zeiten Videorekorder.

    Wieder so ein wurmstichiges Argument "wahrer", 6-14 jähriger (Zielgruppe von ENT), Trekker. Aber Hauptsache die Schuld bei anderen suchen. Nein B&B sind nicht schuld, die Menschen sind für Scifi einfach nicht mehr begeisterbar, Enterprise ist witzig intelligent und klug, doch das ist nicht gefragt…

    Sicher, sicher muahahaha. Deshalb ist Star Wars und Spiderman so erfolgreich, und weil die Menschen keinen Sinn für Humor haben, läuft Harald Schmidt jetzt 5mal pro Woche.

    Akzeptiert es Fans:Niemand will mehr mittelmäßige Unterhaltung sehen.
    Und das ist ENT. Stellenweise zwar gut, aber auch stellenweise so schlecht wie mirfälltnichtsein.
    So kriegt man keine Zuseher.
    TOS war etwas neues.
    TNG war die Fortsetzung
    DS9 war Krieg
    VOY hats wie DS9 gemacht, aber inzwischen hatten die Menschen genug und
    ENT ist eine Mischung aus allem.

    Repetierter Einheitsbrei sozusagen.
    Und aus der Geschichte kann man lernen, dass alles was mit "Einheit" zu tun hat praktisch zu etwas schlechtem führt.

  2. nakedtruth sagt:

    Und wieder ist ein Jahr um. Sparkiller schreibt seinen Artikel.

    Und wenn ich den Text so lese hat er von den verdorbenen Resten aus meinem Kühlschrank genascht.

    So, nun an den Gast da oben:

    Wenn niemand mehr mittelmäßige Unterhaltung sehen will, was dann? Ich meine, egal ob Kino, TV, Internetseiten oder Printmedien, 95% sind entweder schlecht oder mittelmäßig.

    TOS war ein Flop den die erste Zuschauer-nerven-Sender-Aktion-damals-noch-mit-Briefen-Aktion 3 Jahre am Leben gehalten hat. Ich selbst war 13 oder 14 als ich die Serie zum ersten Mal sah, da war sie schon nicht mehr so neu.

    TNG war wirklich die Fortsetzung, da kann man nicht meckern. Und viele Folgen waren mittelmäßig.

    DS9 war erst später Krieg, am Anfang war einfach nur so Langeweile. Bis die Story von B5 geklaut wurde.

    VOY, oder wie wir Insider sagen, WÜRG, war nicht nur DS9, sondern bereits die Mischung aus ihren drei Vorgängern. ENT ist nur nochmal ein Aufguss desselben.

  3. Sparkiller sagt:

    Warum müssen fünf Viertel aller Kommentare eigentlich immer mit einem Vergleich aller Serien enden?

    Natürlich, die ganz alte Serie WAR bunt, kitschig und oft auch albern… aber darum liebe ich sie ja so! 60er Jahre Flair der besten Sorte!

    Aber sie hatte auch ihre anspruchsvolle Seite, wie Folgen wie "Balance of Terror", "Space Seed, "The City on the Edge of Forever" und "All Our Yesterdays" beweisen. Und das sind nicht einmal alle.

    Und der Pilot-Film von Deep Space Nine gefällt mir im Vergleich zu allen anderen immer noch am Besten, da man DORT noch wusste, wie man Charaktere vernünftig einführt… in die Serie, meine ich.

  4. Gast sagt:

    Weil Trek nun einmal ein Universum ist. Da liegt es nahe zu vergleichen. Und da ich mir anmaße den einzig wahren, objektiven Blick für das Gesamtbild zu haben, und ich auch penetrant genug bin ihn euch aufs Auge zu drücken *drück* muss das so sein.

    @Sparkiller:
    Der Anspruch und die Botschaft, sowie Hintergrundüberlegungen zu einigen TOS Folgen war dem von vielen Nachfolgern um ein weites voraus. Was nicht heißen soll, das TOS kein buntes Knallbonbon war, das nach Pfefferminze, alter Unterwäsche und Cola gleichzeitig roch. Also Ideen top Umsetzung flop, selbst für "damals". Wer erinnert sich nicht nostalgisch an "Raumpatroullie".

    @nakedtruth:
    Einige Jahre später war TOS aber auch wieder unglaublich gefragt und legte damit den Grundstein zu TNG.

  5. Gast sagt:

    Ich verstehe nicht so ganz die Aussage dieses Artikels.
    Sparkillers Lebensgeschichte? Kritik an der technisierten Gesellschaft? Zusammenhangslose Aneinanderreihung von Textbausteinen?

    Im übrigen: "afghanische Grossfamilie"? Wohl eher saudi-arabische Grossfamilie, wobei ich natürlich nicht weiß, ob Osama nicht im Al-Qaida-Camp mal richtig die Sau rausgelassen hat.

    cosmonusa

  6. Gast sagt:

    Früher war alles besser

  7. Sparkiller sagt:

    @cosmonusa:

    Fast richtig!

    Der "Stern" hätte wohl folgendes geschrieben:

    "Und wieder einmal hält uns der preisgekrönte Gesellschaftskritiker Sparkiller den Spiegel vor's Gesicht, und sinniert auf seine einzigartige Weise über Sinn und Unsinn des Internet-"Segens". Seine Reise durch Vergangenheit und Gegenwart einer megabyte-verwöhnten Fan-Gemeinschaft ist ein Leckerbissen für jeden Freund anspruchsvoller Satire."

    Sogar für meinen Geschmack ist das schon etwas dick aufgetragen. Aber was soll man machen, ich hab mir das schliesslich nur ausgedacht…

  8. Gast sagt:

    Dann liegt wohl mein Unverständnis darin begründet, dass ich nur "Spiegel" lese und kein DSL habe. (Aber immerhin damals TNG noch im ZDF gesehen habe)

    cosmonusa

  9. Gast sagt:

    Ja, TOS war ein Flop! Und zwar, weil TOS für seine Zeit ZU anspruchsvoll war. Siehe Original-Pilot. Es muste ein neuer gedreht werden, damit die Serie ÜBERHAUPT on air gehen durfte. Und nur den Forderungen des Studios haben wir es zu verdanken, dass Kirk immermal kurz-berockten Mädels an die Tüten langen durfte usw….

    TNG war ein würdiger Nachfolger (nach anfänglichen Schwierigkeiten….).

    DS9 nannte man "Projekt Langeweile". Ja, man lachte…. und das zu recht….

    Über Voy sprechne wir lieber nicht…. es gab gute Folgen… und viele viele schlechte.

    Ich wünschte, Berman und Braga hätten Roddenberry damals nicht vergiftet…..

  10. Gast sagt:

    Sicher mit dem Gift?

    Legenden zufolge hatte Gene aus Versehen ein frühes Script zu "Nemesis" im Handschuhfach von Rick Berman gefunden. Da war ein Herzinfarkt natürlich vorprogrammiert.

    Vor allem, wenn Mulgrew's Bewerbungsfotos gleich daneben lagen…

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