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Menschen ändern sich…

Diese tiefgreifende Weisheit von Seiten Oma Klapowskis gilt auch für ST-Charaktere. Gerade bei der TNG-Crew besitzen einzelne Figuren sogar mehrere pro Körper! – Kein Wunder, dass Stewart seine „Nemesis“-Gage verdoppelt sehen wollte: Der böse Patrock Stawert hätte ihn nachts schier um den Verstand geplaudert…

Preisfrage: Wie erklärt man die Wiederkehr einstmals ausrangierter Charaktere? – Antwort: gar nicht…

Dabei ließ ST 8 durchaus noch guten Willen erkennen: DS9, die Raumstation am Rande des erforschten Weltraums, erhielt einen Notruf: „Ein Borgkubus bedroht die Erde! Er verlangt die Freilassung mehrerer politischer Gefangener (*Hält Schachtel mit Würfelzucker hoch*). Mehrere Schiffe sind bereits vernichtet!“ – Hätte man die Voyager anfunken können, so hätte diese einfach einen temporalen Impuls entlang des Kommunikationssignals gesandt, der das Borgschiff in seinen prä-recycelten Zustand versetzt hätte… Konservendosen und Alufolien stellen bekanntermaßen keine Gefahr für die Erde dar… – Auch wenn Grünen-Aktivisten bei dieser Behauptung nervös mit den Birkenstocksandalen knirschen werden…

So aber setzte sich Worf also in die Defiant, fädelte sich an der Autobahnauffahrt „Arsch des Quadranten“ ordnungsgemäß ein und dümpelte 45 Minuten und 150 Kilometer weiter bereits vor dem kubistischen Obermacker. Der Rest ist bekannt… Riker: „Tapferes kleines Schiff!“ – Worf wirft verwundert einen Blick auf einen verbeulten und angeschmolzenen Metallklumpen vor dem Kinderzimmerfenster: „Schiff??“

Der 9. Film hielt sich gar nicht lange mit Erklärungen auf: Worf-Darsteller Michael Dorn betrat einfach Studio 24 durch die Hintertür, hielt sich rechts und platzte mitten in die Dreharbeiten des 9. Kinofilmes. Riker und Picard reagierten schnell und improvisierten, um die Szene noch zu retten: Was machen sie denn hier, Worf?“
Michael Dorn: „Ich wollte eigentlich gerade…“ (Kamera Wegschwenk) … „fragen, warum ich erst heute von `Der Aufstand` erfahren habe!“
Warum er dann trotzdem noch mitspielen durfte, ist ebenso rätselhaft wie die Frage, warum der Schauspieler auch privat mit Perforations-Stirn herumläuft…

Und bei Film 10? Kein Zweifel: Die Riker-Troi-Hochzeit macht es den Autoren leicht. Interessant wird`s nur, wie man auf den Notruf reagiert, der die Enterprise zu ihrem Einsatz jagen wird. – „Alle Partygäste an die Joysticks und Lichtschalter! Wir haben einen Einsatz! Achtung, dies ist KEIN Partygag! Ich wiederhole: Das ist KEIN Partygag!“

Und da steht er also abermals, mit leicht zusammengesunkenem schwarzen Zylinder und weißen Knitterhemd an der Salatbar neben der Steuerkonsole. Schon wieder ist er dabei. Und dabei wollte er doch nur kaltes Buffet zum Mitnehmen!

Doch was ist mit dem dienstältesten 1.80-m-Tamagotchi? Wie bringt man Datas Menschwerdung NOCH weiter voran, nachdem er in ST9 bereits mordlüstern mit der Knarre wedelte: „Laden, entsichern, schießen.“? – Hätte Data nicht einen Realschulabschluss, könnte man ihn glatt mit einem grenzdebilen Shooterclan verwechseln.

Die Filme im Überblick:

7. Film: Data reicht`s! Jahrelang hatte er seinen Emotionschip unter seinem wackelnden Bücherregal verstaut, doch irgend etwas sagte ihm nun, dass es an der Zeit war, diesen wieder vorzukramen. Waren es die fremden Besucher mit ihren Kameras und Mikrophonen, die da plötzlich in seinem Quartier aufgetaucht waren und ständig etwas von „Erster TNG-Film!“, „Neue Maßstäbe“, „Frische Ideen einbringen“ murmelten?

8. Film: Was tun? Die Fans liebten den Data, der nach jeder Anekdote seiner Freunde erst einmal einen tiefgekühlten Fischkopf imitierte… Andererseits war eine emotionaler Data aber auch interessant, neu, frisch und völlig überflüssig. Daher entschied man sich völlig richtig und behielt beide Möglichkeiten bei: Rumflennen und Totlachen (gerne auch gleichzeitig, siehe auch Film 7), wenn es dramaturgisch oder humortechnisch Sinn ergab, verständnislos und fischig, wenn Spiner sein ganzes schauspielerisches Talent aufbieten wollte: Unter Summ- und Brummgeräuschen aus dem Kehlkopf (vom Sound-Editor später `rausgeschnitten) ruckhafte Kopfbewegungen vollführen. Wie sagte die Wahlkampfwerbung für Ede Stoiber nicht so schön: Kantig. Echt. Erfolgreich. – Ja, so ist er. Unser Data…

9. Film: Ohne eine Data-Krise kein TNG-Kinofilm. Wenn der Geist der sympathischen Kalkleiste nicht in jedem Film knapp an die Grenze zur Entmündigung gezerrt wird, kann der Vorspann auch gleich ausspannen… Dann braucht man nämlich gar nicht erst beginnen!
Aus diesem Grund dreht Data erst mal am Rad (nein, nicht die Szene mit der erzwungenen Luftfeuchtigkeit am Stausee), bevor wir erfahren, dass er seinen Emotionschip wieder mit besagtem Bücherregal vermählt hat… Der Grund ist klar: Alte Data-Tugenden sollten wiederbelebt werden… Diesmal war es die fehlende Kindheit, die medialtherapeutisch verarbeitet werden musste. Abtauchen im Misthaufen und Verkehrserziehung an den Weggabelungen des Kitschdorfes… – Faszinierend!

10. Film: Nachdem die Frage „Logik oder nicht Logik, das ist hier die Frage“ mehr oder weniger geklärt ist, dürfte das Ein-Mann-Logi(k)stikunternehmen Data zu neuen Ufern aufbrechen. Der Trailer läßt es schon vermuten: Wie topt man einen Androiden, der schon so viele amüsante Klatschenschäden hatte, dass ihm bereits ein eigenes Forschungsschiff zugewiesen wurde? Genau: ZWEI Androiden mit Klatschenschäden! Endlich ein Spielkamerad für Data, dem nach dem 12.489. Gegenstand („Selbstdichtende Schaftbolzen“) bei „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“ nicht der Schädel wegplatzt.

Data vs. Data in „Nemesis“ rangiert in Sachen Wiederkaufaktor wohl auf der selben Stufe wie „Planet der Affen“ 1966 und 2001… Keine Fortsetzung, sondern Wiederauflage: „Hallo, Bruder, ich bin Lore!“ – Was bei deutscher Aussprache nur wie ein stinknormaler Papageienvorname klingt, wird Data in seinem 10. Film sicherlich ganz schön an den Schaltkreisen zwirbeln!

Und Geordie?

Bei ihm möchte man die Drehbuchautoren einmal ganz locker fragen: „Habt ihr denn keine Augen im Kopf?“ – „Ja, aber nur die anderer Leute!“ – Das aber nur im kreativ-geistigen Sinne. Jedenfalls wenn um Geordie geht. Denn dann haben die Schreiberlinge wirklich nur Gedanken wie: Fällt in der Vererbung auch der Augapfel nicht weit vom Stamm? Ist das Spiel „Blinde Kuh“ eigentlich behindertenfeindlich? Warum klingt „Pup(p)ille“ wie eine Tablette, die Blähungen verursacht? Können die Zuschauer blinde Chefingenieure eigentlich noch sehen? Wäre Geordie mit Kontaktblinsen geholfen? Müßte seine feste Freundin nicht eigentlich „Iris“ heißen?

Wieso wird der sympathische Sarotti-Mohr seit dem Beginn der Kinofilme immer nur über seine Behinderung definiert? Dieter Bohlen wird doch nebenbei auch nach seiner neuen Platte befragt!

ST 7:
15 Uhr, der Visor sitzt. Geordie singt: „I can`t live without music“
Alle freuen sich.

ST 8:
16 Uhr, die Kontaktlinse hält, summt, zoomt und verschickt heimlich E-Mails. Die ersten Zuschauer murren…

ST 9:
19 Uhr, die Sonne brennt nicht mehr, sondern geht unter. Geordie`s Augen gedeihen prächtig und das Implantat fällt in den Dorfteich. 20.000 Euro Eigenbeteiligung beim Teufel. – Zuschauer verlassen enttäuscht den Kinosaal.

ST 10: 8:30 Uhr. Das Sprichwort: „Ich habe hinten keine Augen“ wird von Geordie Lügen gestraft. Die Dinger wachsen wie bekloppt.

Selber Tag, 10:45:
Genmanipulierter Mais wird aus den Supermarktregalen genommen. Geordie wächst ein Teleskop aus der Stirn. Zuschauer randalieren auf den Straßen und in „Fielmann“-Filialen…

Picard brachte jedoch die größte Wandlungsfähigkeit auf den Plan:

In ST7 saß er noch keusch unter’m Weihnachtsbaum und sortierte Krawatten aufsteigend nach Graustufen. Als es an’s Eingemachte ging, hetzte er noch feige(!) seinen machthungrigen Vorgänger mit dem fadenscheinigen Ruf „Wir brauchen einen Captain auf der Brücke“ auf die metallische Absturzvorrichtung. – So weit, so französisch…

Im 8. Film brillierte das einstige Rednergenie plötzlich auf dem geistigen Niveau von amerikanischen Erweckungspredigern. Die einzige Hemmung war plötzlich die Ladehemmung im anklagend wummernden Maschinengewehr, das nun stellvertretend die Verhandlungen führte.

Im Nachfolger turnte Picard weniger blutrünstig, dafür ein bisschen wie Spiderman, durch die freundlich bereitgestellte Kulisse von der „Hessische Gerüstbau OHG“. Aufmerksame Beobachter werden längst festgestellt haben, dass unser Vorzeigediplomat am Ende seiner Filme stets auf irgendetwas hinaufklettert.
Eine psychologische Störung, die wohl darauf beruht, dass der Franzmann als Junge zu oft vom Pferd gefallen ist. – Oder aber schlicht das kalte Kalkül eines Autoren, der „Höhe“ immer noch mit „Spannung“ gleichsetzt, nur weil’s immer noch eine Urangst ist. Was das kellermäßige Abschneiden vieler Trek-Filme in den Kinocharts erklären dürfte…

Warum nicht mal ein paar Schlangen, Spinnen oder der gute alte Waldbrand, wenn es schon diese Schiene sein soll?

Wenn es so wird, wie ich vermute, rangelt sich der Captain am Schluss von „Nemesis“ auf dem Kölner Fernsehturm, während die Kamera von oben einen Picard zeigt, der vom derzeitig amtierenden Oberbösewicht fast über den Abgrund gedrängt wird… Jenseits aller physikalischen Gesetzmäßigkeiten bekommt der bereits zu 86% über den Abgrund hängende Körper noch mal das Übergewicht in die Gegenrichtung. Sproooing!
Das Stehaufmännchen steht wieder und der Bösewicht verschwindet nach dieser katapultähnliche Einlage als kleiner Punkt am Horizont…

Über Riker gibt es nun gar nicht viel zu sagen: Vom netten, hageren Kerl mit Bart hat er sich zum übergewichtigen Pausenclown ohne Bart hochgearbeitet. Völlig zu Recht beherrschten bei „der Aufstand“ vor allem seine Barthaare die Fanherzen. „Sind sie wirklich ab?“ – „Werden sie konserviert und an Bord eines Satelliten Gene-like in den Orbit zerstäubt?“ – „Kommen sie auf die nächste Con und werden dort genauso lustig und brüllend komisch wie all die anderen faxenmachenden Trek-Schauspieler sein?“

Zumindest die letzte Frage kann man wohl guten Gewissens mit „Ja“ beantworten…


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Artikel

von Klapowski am 09.10.02 in Star Trek

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Kommentare (13)

  1. Gast sagt:

    Irgendwie wart ihr auch schon mal witziger.

  2. Sparkiller sagt:

    Ach was, das ist ein rein psychologischer Effekt!

    Denn nach Jahren der anspruchsvollen Teletubbie-Unterhaltung hat sich ja mittlerweile der Grundsatz "Viel Text? Das kann ja nichts Gutes sein… tun!" in die Hirnhüften der meisten Menschen eingebrannt.

    Gut, dass wir hier bei st-e.de immun dagegen sind.

    *fernsehantenne auf den kopf stell und auf st-convention auftret*

  3. Klapowski sagt:

    Irgendwie ahnte ich, dass diese Kommentar-Funktion vielleicht doch nicht so durchdacht war, wie es anfangs schien…

  4. Brecht sagt:

    Warum? Kaum kommt die erste Kritik, wird gleich darüber nachgedacht die Meinungsfreiheit wieder abzuschalten! Bitte lasst die Kommentar-Funktion, die Lobpreisungen kommen doch schon im GB!

    Wenigstens von MIR!

  5. DJ Doena sagt:

    Ganz schön viele Dreckfuhler, repektive Wechselstabenverbuchsler, dass sollteste noch mal querlesen.

  6. Gast sagt:

    Einer der besten Artikel im vergangen Jahr! Fantastisch! Zum wegbrüllen! Weiter so!

  7. Brecht sagt:

    Jetzt muss Dany seine Lobhuldigungen schon selber schreiben… tztz

  8. Gast sagt:

    stus lebt!

  9. c42 sagt:

    In dieser merkwürdigen Mystery Serie(RTL2) sieht Riker noch dicker und älter aus als in den neuen Star Trek Filmen.
    Nur die ist doch so von 92-95, oder?
    Also ich finde alleine für diese Faltenstraffung und Bauchversteckerei hätte der letzte Star Trek Film schon einen Oscar für die Special Effekte verdient!

  10. Sparkiller sagt:

    Oh, nein!

    Ein besonders intelligenter Fan hat unser geheimes (durch extrem offensichtliche Links perfekt verstecktes) Tagebuch ( oder auch "altes Gästebuch" ) gefunden!

    Mensch, da waren wir wohl etwas unvorsichtig…

  11. frakesjoe sagt:

    Naja, so witzig wie manch anderer Artikel ist es nicht, aber es trifft des Pudels Kern.

    Was Berman und der andere Spinner dem guten Captain charakterlich angezwungen haben, ist kaum mehr spassig. Deswegen ist es auch verzeihlich, dass dieser Artikel nicht so komisch ist, wie sonst üblich…..

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