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Star Trek Voyager – Staffel 2, Teil 3: Qualität, sonst Beule!

voy23-klein.jpg„Ich kann mich manchmal so schlecht ausdrücken!“ (*Quetsch*) Die 2. Staffel entwickelt sich langsam zum qualvollen Qualitätsnirwana: Nicht nur die Episoden sind nichtssagender als ein Helge-Schneider-Song auf lautlos, sondern auch der geknickte Kritiker droht hier oftmals völlig zu verstummen. Von den bereits paralysierten Luftmolekülen ganz zu… Schweigen! Und nachdem ich Chakotay nackt im Urwald ertragen habe („Tattoo“), kommen mir die gelöhnten 17 Euro pro Staffel plötzlich wieder verdammt überteuert vor!

“Tattoo“

Inhalt: Chakotay findet auf einem fernen Planeten ein uraltes Indianersymbol. Sofort erinnert er sich an uninteressante Jugenderlebnisse, die er sogleich nachzuspielen beginnt. Könnte es sein, dass sein Stamm schon vor Jahrmillionen Kontakt zu Aliens hatte? Und würde sich irgendein Drehbuchautor trauen, daraus eine Geschichte zu kleben?!

Review:

Immerhin: Im Nachhinein kann man der Indianer-Darstellung im Musikvideo zu YMCA eigentlich nur Komplimente aufgrund des überragenden Realismus machen! „Tattoo“ bietet hingegen nur einen Regentanz für unsere Tränendrüsen. Ein Machwerk, so blöd und tiefsinnbefreit, dass man fast seine Hemden in den Dschungel hängen möchte, um das ganze Setting wenigstens als peinliche Waschmittelreklame nutzen zu können!

Sicherlich gibt es auch andere Folgen, die einfach nur schlecht sind („Elogium“). Diese hinterlassen oft aber nicht mehr bleibenden Eindruck als ein temporärer Kissenabdruck auf unserem Gesicht. „Tattoo“ hingegen ist so schwach und bekloppt, dass man sich noch Stunden später fragt, warum die geistigen Eltern sie nicht sofort abgetrieben haben, als sie in der ersten Woche mit der Grundidee schwanger gingen. Der ganze „Akutschi-Moja“-Käse kumuliert hier zu einem Rundum-Ärgernis, das mit seinen wirren Alien-Theorien weder der indianischen Kultur, noch ÜBERHAUPT einer Kulturtechnik (z.B. der des gesunden Menschenverstandes) gerecht wird.

Die Rückblicke in Chakotays jugendliche Vergangenheit sind so nichtssagend und spirituell entkernt, dass man genauso gut eine christliche Kirche drumrum bauen könnte, um dann irgendeinen Mitt-60er in Doofenrobe stundenlang von Liebe und Barmherzigkeit seiern zu lassen. Chakos Vatter ist nämlich eine Mischung aus religiöser Heulboje, Missionierungmelasse und Indiana Jones für Autisten. Immerhin erklärt sich der junge Chakotay mit dem Zuschauer solidarisch, glotzt finster in den verregneten Urwald und fragt sich, was zum Geiergott er eigentlich verbrochen hat, um stundenlang in der botanischen Studiogroßhandlung von Onkel Paramount herumlaufen zu müssen.

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„So, ihr Aliens! Ich habe mir die Feder in den Hintern gesteckt und mir ein Stück Büffeldarm über den Schniepel gezogen. Werde ich jetzt für würdig befunden, Kontakt mit euch aufzunehmen?“ – „Sehen Sie, Neelix? Ich wusste genau, dass er auf den alten ‚Befehlende Stimme aus dem Busch’-Trick hereinfällt.“ – Ein Indianer kennt keinen Schmerz: Zumindest ist er völlig schmerzfrei, was peinliches Gebaren angeht… Oh, aber MEINE Migräne meldet sich bei diesem Anblick wieder!

Kein Wunder, dass hier tatsächlich kurz von „Kautschuk-Indianern“ gesprochen wurde: Denn auch bei der Handlung hat man 45 Minuten tapfer gekaut, aber der Geschmack war schon nach dem Auslutschen der Plastikverpackung (= dem hübschen Vorspann) fort…

Und warum schwebte auf dem fremden Planeten ein Falke und hackte Neelix spontan ein Auge aus? Damit auch die letzten Naivlinge wie unser Schiffskoch hier keine Lichtblicke mehr erspähen können? Oder weil man eine Werbepause schlecht mit den Worten einleiten kann: „Mann, das hier ist ja alles IMMER noch so komisch wie vor 20 Minuten. Donnerlüttchen.“?

Da half es auch nicht, dass Chakotay zwischendurch ein Baum aufs Tattoo plumpste, er danach nackt durch den Wald lief (um seine Ungefährlichkeit zu beweisen. Anscheinend hatte er eher einen „Kleinen“) und sich dann gänzlich hirnverbrannt in eine Höhle zwängte, vor dessen Eingang 5 Blitze/Sekunde in den Boden fuhren. Aber vielleicht kennen Indianer ja DOCH Schmerz und der Commander wollte dem peinigenden Irrsinn hinter seiner Stirn mit einem Stromschlag ein Ende setzen.

Doch es geht NOCH scheißiger. Irgendwelche Aliens tauchten an dieser Stelle auf. Diese haben vor 45.000 Jahren die irdische Indianer „erfunden“, praktisch eine Franchisekette des gehobenen Wahnsinns. – Erich von Däniken hätte es nicht schöner aus seiner Bluthochdruckbirne schütteln können: Die Aliens, die sich gerne Strichcodes auf die Stirn kleisterten, gaben den Höhlenmenschen einen besonderen genetischen Code und eine mentale Grundausstattung, mit der sie dann vermutlich Zelte bauen, Büffel jagen und an gute Geister glauben konnten. Nachdem die McDonalds der Mentalfäule ihren Franchisenehmern alles gezeigt hatten, gingen sie wohl wieder in den Deltaquadranten, buddelten sich zu zehnt in dieser Höhle ein und waren damit so froh und glücklich, wie es der Zuschauer nach dieser Episode wohl nie wieder sein wird.

Einziger Lichtblick der Folge: Der Doktor programmiert sich selbst mit einer Grippe, um zu wissen, wie es sich anfühlt, krank zu sein. – Dabei hätte er sich doch stattdessen auch einfach die Handlung auf dem Planeten berichten lassen können…?

Fazit: „Tattoo“ ist sinnfreier als „diosDdafj28*#“ und bringt Chakotays Figur kaum weiter. – Vielleicht maximal 100 Meter, denn das dürfte eine realistische Strecke zwischen der offenen und der geschlossenen Abteilung einer größeren Psychatrie sein.

Gegen DIESES erbärmliche Kasperletheater waren die durchschnittlichen Folgen der ersten Staffel direkt noch ein schützenswertes Kulturgut und hätten zusätzlich auf Latein synchronisiert werden müssen…


“Suspiria“

Inhalt: Die Crew findet die Gefährtin des Fürsorgers, eine neue Raumstation und eine Ocampa-Siedlung (bestehend aus einem Ocampa auf dem Hauptbildschirm). Der Chef der Ocampa zeigt Kes sofort einige zauberhafte Mentaltricks, mit denen Kes machen kann, was sie will. – Sogar uns fürcherlich langweilen…

Review:

„Konzentriere Dich auf das Ziel, nicht auf den Weg!“ – Mit diesem gewieften Fahrschul-Kniff wird jeder Mentalisten-Azubi zum Materiedompteur. Kes hat es also geschafft dank Gastdarsteller©! Ja, denn nur Gastdarsteller© hat die reinigende Kraft von Zitronensäure im Großhirn! Nur mit Gastdarsteller© erleben sie einmal wöchentlich den süßen Duft von Ferne, Abenteuer und Aufbruchstimmung im Enddarmbereich! – Haben sie nicht immer schon davon geträumt, alles hinter sich zu lassen und an einem anderen Ort ein neues… ERSTES Leben zu beginnen? Mit neuen Leuten aus alten Drehbuchbeständen und einem Volk, das genau so ist, wie man selber (Igitt!)?

Unser preisgekröntes Passiv-Produkt Gastdarsteller© zeigt ihnen zuverlässig diese Möglichkeit auf, verschwindet aber – bevor es Ernst zu werden droht – wieder in der Versenkung und nimmt ihnen die folgenreiche Entscheidung für einen Umzug nach Gelsenkirchen, Neuseeland oder eine Raumstation im Deltaquadranten rechtzeitig wieder ab! Denn Träume mögen zwar „nur“ Schäume sein, dafür sind aber die kleinen Blasen in der Regel so hübsch bunt!

Gastdarsteller© zeigt ihnen Fähigkeiten, von denen sie vorher gar nicht wussten, dass sie sie mal für 42 Minuten haben werden! Denn ohne Gastdarsteller© ist plötzlich alles wieder wie zuvor, aber dafür noch mindestens genau so doof und nichtssagend wie in dieser Geschichte.

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„Ja, Kes, weiter so! Und Morgen zeige ich Dir dann, wie Du diese Technik anwenden kannst, ohne Dich selber unweigerlich zu Asche zu verbrennen. Öh… Moooment maaal!?“ – Spontane menschliche Selbstverblödung: Endlich kann Kes auf Grillpartys ihre Bambussprossen und Brennesselwurzeln so zubereiten, wie sie ihr am besten schmecken. Nur blöd, dass bei dieser Technik sieben Produktionshelfer im Off den ungegarten Pflanzenmist schnell gegen gebrutzelte Ware austauschen müssen, sobald das CGI-Gekräusel die anderen Partygäste ablenkt…

Gastdarsteller© gibt es in den 3 Geschmacksrichtungen „Späterer Bösewicht“, „Doch nicht so toll wie gedacht“ oder „Vom Schicksal entrissen“. In diesem Fall wählte Kes „Späterer Bösewicht“ und musste fast mit ansehen, wie das Schiff von der schrappigen Ehefrau(?) des Fürsorgers übernommen wurde. Diese betrat in bewährter Standardalien®-Form die Bühne des bedürftigen Buhmanns und nagelte im Maschinenraum erst mal alle Statisten sowie B’elanna an die Decke.

Keine Sorge, der Decke ist nichts passiert! Standardalien® wollte das Schiff zwar übernehmen und die Besatzung womöglich töten, aber der Produktvorteil bei Standardalien® ist, dass sich dieses mit „Besänftigendem Blabla“© kompatibel und somit leicht zu beruhigen ist. Janeway musste ihm nur glaubhaft versichern, dass sie den Fürsorger gar nicht ermordet, sondern dem altersschwachen Pilotfilmbesetzer nur den Urinkatheter gehalten hat.

Da lässt sich auch ein schlechtes CGI-Gewabbel schnell erweichen (zumal von Natur aus nicht ganz unglibbrig) und verzischt sich mit einem höflichen „Na, dann ist ja alles in Butter!“ durch die Deckenlampe und ab ins Subraum-Bettchen. Natürlich OHNE der Crew nach Hause oder wenigstens über die Milchstraße zu helfen, versteht sich.

Immerhin nett war die Szene, in der Kes ihre neuen Fähigkeiten ausprobieren wollte, statt dem Kaffee aber nur Tuvoks Gesicht erhitzte. Die Farbe passte ja auch schon vorher zu dem flüssigen Heißgetränk. Kein Wunder, dass Tuvok förmlich nach Milch und Zucker gerufen hat. Oder nach seiner Mami. Das war bei dem wimmernden Beulenkopp mit dem grasgrünen Nasenbluten nicht mehr so ganz zuzuordnen…

Prinzipiell war es ja auch Okay, Kes mal in der Rolle der potenziellen Machtmutti zu zeigen, die – genug Training und einen gelangweilten Drehbuchautor vorausgesetzt – schnell zur blondierten Hartz-4-Göttin umgestrickt werden könnte. Das Thema „Aus großer Macht resultiert große Verantwortung“ hat schließlich schon 3 Spiderman-Filme in den erträglichen Sehbereich gehieft. Warum sollte es bei kuhäugigen, zwei Jahre alten Gute-Laune-Ischen und ihren pädophilen Talaxianer-Köchen so grundlegend anders sein?

Fazit: Mittelmäßiger Charakterkäse, der nicht weit genug geht, um Liebhaber moderner Pseudotiefgründigkeit („LOST“, „Torchwood“) mehr als ein freundliches Gähnen abzuringen. Wenn Kes im Aboretum alle Pflanzen verkokelt, mag das für Ökologen zwar nicht schön sein, jemand, der schon mal ein abgestochenes Schwein im Fernsehen gesehen hat, wird aber nicht gerade „Ach, wie schrecklich!“ rufen…


“Das Signal“

Inhalt: Die Kazon stehlen bei einem Überraschungsangriff eine Transportereinheit von der Voyager (Wiegt vermutlich nur 200 Gramm und ist nur mit Schnappverschlüssen angebracht). Janeway will das Ding wiederhaben, während Chakotay nach seiner Ehre sucht, die er durch Seska entmannt sieht. Er setzt sich mit einem Shuttle ab…

Review:

Äh… Kann ich nicht vielleicht doch noch mal den nackten Chakotay im Urwald sehen?

Nein, ganz so schlimm ist diese Folge wirklich nicht. Aber sie ist verdammt nah dran an dem, was man in der Astrophysik „Ereignishorizont“ nennt: Ein Punkt, ab dessen Überschreitung es kein Zurück gibt und ab dem die Langeweile ewig währt! Nicht mal Licht – oder das beste TNG-Drehbuch – könnte sich diesem Horizont widersetzen und ihm wieder entfliehen!

Könnte man alle bisherigen Voyager-Folgen mathematisch zu einer Durchschnittsgeschichte zusammenrechnen, käme wohl exakt diese Zurschaustellung von uninspirierten Uniformträgern heraus: Die langweiligen Kazon klauen in einem öden Manöver (das Tuvok ihnen in einem Anfall von Desinteresse durchgehen lässt) die uralte Transportertechnologie der Sternenflotte. Eine Technik, die man im Alphaquadranten seit Jonathan Archer an jeder Straßenlaterne findet, scheint im Deltaquadranten also weitestgehend unbekannt zu sein. Dass die Vidiianer und andere Völker den lustigen Materiesprudler seit geraumer Zeit nutzen, ist an den Kazon anscheinend ebenso vorbeigegangen wie die neueste Dienstanweisung zur Vermeidung von klischeehaften Alienrassen.

Die Problemchen, die bei den Kazon aufkommen, wenn sie die neue Technik sinnstiftend einzusetzen versuchen, haben mich auch nicht mehr interessiert als der unvermeidliche Handzettelverteiler in deutschen Fußgängerzonen. Dass die Kazon-Nistrim gegen die Kazon-Fistelstimm wettern, weil der Buchhalter der Kazon-OhneBenimm zu Weihnachten keinen rituellen Mordanschlag auf die Kazon-OhneGrimm verübt hat, wollte man jetzt auch nicht unbedingt mitschreiben. Blöd, dass ich es hiermit Wort für Wort DOCH noch getan habe…

Und Chakotays Rachefeldzug gegen Seska („So, ich fliege jetzt alleine mit einem Shuttle los und sage Janeway nichts!“) war die blödeste Befehlsverweigerung, seitdem Kirk in Star Trek 3 unbedingt ein Schiff stehlen musste. Man könnte ja mal als Soldat der US-Marine probieren, ob es nachträglich Okay ist, sich mal eben mit dem Kriegsschiff vom Persischen Golf abzusetzen, um die ehemalige Geliebte auf Rügen wegzubomben. Ist Chakotay beim Tätowieren zu viel Tinte ins Hirn gelaufen, oder warum ließ er sich selbstlos gefangen nehmen, um der alten Gähn-Schabracke Seska in der Hände und UNS auf die Nerven zu fallen? Oder machte er sich einfach so große quälende Sorgen um den Transporterbaustein? – „Oh, mein geliebter Materieumwandler, was in Heisenbergs Namen haben sie Dir nur angetan?“

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„Meine Hochachtung, Sir! Dieses Blut steht ihnen ausgezeichnet, Sir! Möchten sie das selbe Shuttle stehlen, wie sie es bei ihrem letzten Aufenthalt beliebten, Sir?“ – Fürs Protokoll verknastet: Insgesamt werden in dieser Staffel drei Mal Crewmitglieder von den Kazon gefangen genommen, wobei diese 2 x durch gemopste Shuttles und 1x durch ein Beammanöver gerettet werden. Bei dieser Statistik muss… nein: WIRD sich Tuvok in den nächsten Staffeln ranhalten müssen, um diesen Inkompetenzvorsprung im Strafvollzugsbereich einzuholen…

Wer hat diese fürchterlichen Dialoge durchgewunken („Ich bin kein Monster, Chakotay.“ – „Ich werde Dir die Codes niemals geben!“) und wurde er dafür nachträglich im Paramount-Tower ausgiebig bestraft?

Vielleicht sind die wirklich guten Star-Trek-Folgen dieser Art einfach nur schon zu lange her, aber irgendwie interessierte es mich auch nicht die Bohne, ob die Kazon nun die Transportertechnologie besaßen, oder dem Holodoc eine Schachtel Ohrstäbchen aus der Krankenstation gemopst haben. Haben WIR den Chinesen etwa Angela Merkel („Die Erste Direktive steht im Parteibuch ganz oben!“) und Frank Steinmeier („Ich lasse mich von Guido Seskawelle doch nicht zum Affen machen!“) auf einem Kriegsschiff entgegengeschickt, weil die Kazon-Asia uns damals den Transrapid geklaut haben?

Und wieso ist es auf einmal immer so einfach, mit ein paar Leuten die Voyager zu entern, sobald das Drehbuch genau das vorsieht? Sind Tuvok bei dem Angriff gerade die Kraftfelder für die Korridore ausgegangen („Ich habe ihnen extra gesagt, dass sie um 22 Uhr zurück sein sollen, die Kraftfelder!“)? Hätte man im Transporterraum nicht die Lichter ausknipsen können, nachdem man den Feind dort schon vermutete? Besteht der Sicherheitstrupp des Vulkaniers nur aus 3 Blödianen, die sich auf einer besseren Klappleiter „verschanzen“ und das Treppengeländer als luftige Deckungsmöglichkeit missbrauchen, statt sich einfach gleich dran aufzuhängen?

Fazit: Typisches 90er-Jahre-Trek für Leute, die noch nie zuvor eine Fernsehserie gesehen haben. Eine Szene (= Technikklau) doofer und klischeehafter als die andere (= Rettendes Rausbeamen)! Wer das heute noch aushält, hat vermutlich einen Magen aus Blei und einen Unterhaltungsanspruch aus Mottenkugeln.


„Die Resistance“

Inhalt: Auf einem außerirdischen 5-qm-Marktplatz werden Tuvok und B’elanna von den „Bösen“ eingefangen. Janeway hingegen wacht bei einem durchgeknallten Typen auf, der sie für ihre Tochter hält. – Eigentlich könnte ich schon an dieser Stelle die Gummiohrenbewertung bringen, oder?

Review:

Das kann einfach kein phonetischer Zufall sein: Die Voyagercrew war hier in Wirklichkeit nicht auf der Suche nach dem Metall (Gas? Klunker? Dudeneintrag?) namens „Delerium“, sondern nach dem berühmten Delirium! Laut Wikipedia eine „Bewusstseins-Trübung und Störung der Kognition“. Also die exakte Zusammenfassung dieser gesamten Inhalts… -abwesenheit, die uns hier wie fauliger Odem umfängt!

Während Janeway mit einem komplett Durchgeknallten darüber diskutiert, ob man sich Haare mit einem Klavier kämmen sollte, sitzen Tuvok und B’elanna in einem unspannenden Räuberknast, welcher aus den nikotinverkustetsten Kulissenaltbeständen zusammengeschoben wurde. Nur einmal wird Tuvok abgeholt, damit er im Off ein wenig gefoltert werden konnte („Uuuh! Oooh! Huuuii!“), bevor er leicht angegrünt wieder in den verkackten Zellentrakt gesetzt wurde. „Öh… Ja. Das ist so, B’elanna: Vulkanier können Schmerzen nur bis zu einem bestimmten Punkt ertragen!“ – Tja, schade, dass dieser seltene Aua-Augenblick schon bei dem schmierigen Alienvolk-der-Woche erreicht wurde.

Ich will ja jetzt nicht verlangen, dass man uns die Folterszene à la Hostel hätte zeigen müssen („Hey, ich habe ‚All Inclusive‘ gebucht, nicht ‚All Intravenös‘!“), aber in einer eh schon langweiligen und doof aussehenden Episode war es nicht von Vorteil, unseren „Kruppstahl-Vulkanier“ schon nach 5 Sekunden hinter der nächsten Biegung die selben Töne herausstöhnen zu lassen, die der Zuschauer schon seit geraumer Zeit aus seinem geschüttelten Haupt fallen ließ…

Derweil wollten der Irre und Janeway auf einem Marktplatz von der Größe und dem Aussehen eines sterbenskranken Katzenklos den Überfall auf die Gefängniskulisse besprechen. Doch statt einfach hinter der 3. Pappwand in Studio 2 zu wechseln, musste man erst mal bösen „Soldaten“ (Statisten mit umgekehrt aufgesetzten Motorradhelmen) aus dem Weg gehen. Dies gelingt, indem der Wahnsinnige die Truppen mit einem Schwachsinnsausbruch ablenkt, der in der Skala der „Top 10 der am schlechtesten gespielten Irrsinnsszenen der Filmgeschichte“ garantiert den Spitzenplatz inklusive eigenem Meisenheim einnehmen könnte.

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„Also ich weiß gar nicht, was alle immer haben! Ich habe mir die 10 schlechtesten Voyager-Folgen angesehen und verspüre nicht die geringsten Nebenwirkungen!“ – Als man Karl Lagerfeld für die Kostümgestaltung dieser Episode beauftragte, erhielt diese wenigstens mal den besonderen „chic“! Und um wenigstens einmal EINEN Fernsehpreis abzusahnen, konnte Paramount bei der Emmy-Jury immerhin die neue Kategorie „Beste Meloneneinbindung in einer SciFi-Serie“ durchzusetzen. Leider gewannen dann aber doch diese beiden Herren

Für solche Albernheiten hätte man ihm in einem ECHTEN Unrechtsregime mal gerade eine neue Furche übers Großhirn gezogen, statt dass die Schergen blöde lachend einen eben festgenommenen Verdächtigen wieder „vergessen“ hätten. – Nett gemeint war der Matschmentalist vermutlich aber schon, denn immerhin hat er sich nur deswegen im eigenen Oberstübchen verlaufen, weil seine Tochter verschwunden und seine Frau verhaftet worden ist. Vielleicht sind beide aber auch im Frauenhaus, wer weiß?

Wahrscheinlich wollte man uns mit dieser herzerwärmenden (kennt ihr diese sommerliche Wärme, von der man Kopfschmerzen und Übelkeit bekommt?) Geschichte für zu recht verkannte Theaterschauspieler aber auch nur eine totaaal menschliche Geschichte erzählen. Doch mein Mitleid mit traumatisierten Dorftrotteln ohne eigenes Dorf (erwähnte ich schon die scheißigen Kulissen?) hält sich arg in Grenzen, wenn die Inszenierung an ein verschlamptes Schultheaterstück erinnert.

Am Ende rettet Janeway den Tag, indem sie sich mit Omas altem Bettvorleger als Prostituierte verkleidet (der fehlende Nasengnubbel störte da eher wenig) und den nun verströmten Sexappeal in Form gedünsteter Mottelkugeln dazu nutzt, um alle zwei(!) Gefängnisbewacher auszuschalten.

Apropos ausschalten (wollen): Unnötig zu erwähnen, dass die Kulissen in dieser Szene wieder so billig und winzig wirken, als würden wir eine Dokumentation über den Tunnelbau der Vietcong verfolgen. Jedes deutsche Pimpfrathaus hat einen ordentlich großen Haupteingang mit Tür(!), einsehbarem Eingangsbereich und Pförtner/Infoschalter. Nur außerirdische Knäste sehen regelmäßig so aus, als hätte man ein paar Pappkartons in eine Schrottpresse geworfen und in das Endergebnis dann einen 2 Meter breiten Gang gebuddelt.

Fazit: Der In- und Outbegriff des gnubbelnasigen Alienvolkes, gewürzt mit Gastdarstellern, die sich für eine anhaltenden Zuschaueramnesie empfehlen, abgeschmackt… äh, abgeschmeckt mit TNG-Kulissen auf dem Stand von 1987.

Tatsächlich konnte ich mich nicht daran erinnern, diese Episode jemals zuvor gesehen zu haben. Und wenn ich mich recht entsinne, habe ich sie sogar jetzt schon wieder vergessen. – Äh, wieso sitze ich eigentlich an meiner Tastatur? Habe ich hier etwa meinen Melonenhut vergessen, mein Herr?


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Artikel

von Klapowski am 25.07.09 in Star Trek - Voyager

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Kommentare (8)

  1. G.G.Hoffmann sagt:

    Was ist eigentlich bei der Menschheit evolutionstechnisch schief gelaufen, daß wir als einzige Spezies des Quadranten über mehr als zwei Rassen und Sprachen verfügen, aber nicht über den kleinsten Nasengnubbel? Während sich 90% aller Star Trek Alienvölker aus Mitteleuropäern mit Nasengnubbeln und maximal zwei „Dialekten“ (vom südlichen und vom nördlichen Kontinent) zusammensetzen? Warum gibt es bei Alienvölkern – mit Ausnahme von Worf und Tuvok (die Ärmsten sind offenbar Mutationen) – keine Farbigen, geschweige denn Schlitzaugen oder bläulich gefärbte Vertreter der jeweiligen Spezies? Nein, nein, nein. Die Andorianer sind kein Gegenbeispiel. Die sind ja alle blau. Und obwohl mir dazu jetzt noch 2-3 drittklassige Wortspiele einfielen, möchte ich doch lieber beim Thema bleiben. Die Alienvariationen bei Star Trek sind erschreckend eindimensional.

    Während wir auf der Erde schon die Bewohner des Nachbarkreises für abnorm halten, alle 20 Kilometer andere Landschaften, Mundarten, Sitten, Gebräuche und Baustile erkennbar werden, 7.000 Sprachen und zehntausende Dialekte die Bestellung in einem Restaurant zu einem echten Abenteuer machen (bitte mal in verschiedenen deutschsprachigen Regionen einen „Schoppen“ bestellen und staunen, was man da alles serviert bekommt), kommen in Star Trek ganze Planeten mit einer Sprache, einem Baustil, einer Landschaft, usw. aus.

  2. BigBadBorg sagt:

    @ G.G. Hoffmann

    Der letzte Satz ist super, erinnert mich an Stargate, nur daß dort nicht ein Planet mit dem ganzen Kram auskommt, sondern alle!

  3. LeSmurf sagt:

    GGH, was hast du denn, das machen doch alle so. Mein Lieblingsbeispiel ist auch Stargate: Team tritt aus dem Stargate, ringsherum Wüstenlandschaft, kein Mensch zu sehen. Der Wissenschaftler sagt: „Dieser Planet ist unbewohnt.“

    Ganz normale eindimensionale TV Science Fiction innerhalb ihres Budgets…

  4. Hiramas sagt:

    Budget ist das zauberwort..
    Aber ansonsten gibts da auf Ex Astris interessante Theorien.
    Aber erstmal finde ich sind alle Klingonen ziemlich dunkelhäutig, unabhängig vom Schauspieler und was Vulkanier angeht, würde ich eher sagen das Tuvok eine Canonische Fehlbesetzung „wäre“
    Der Punkt aber ist: Was sehen wir denn von einem Volk in den meisten Fällen?
    Die Hauptstadt, ein paar Staatsdiner und eine (oft militärische) Raumfahrcrew sind doch das Maximum.
    Da ist „Uniformität“ schon recht wahrscheinlich

  5. LeSmurf sagt:

    Hiramas, aber bei aller plausiblen Uniformität sollte schon ab und zu eine abweichende Hautfarbe drin sein. Und ich kann mich durchaus an eine Reihe von Begegnungen mit Zivilisten erinnern, die alle praktisch den gleichen Geschmack hatten, was Kleidung, Schmuck und Frisur betrifft.

    Abweichungen im Erscheinungsbild sind selten etwas, was einfach so im Hintergrund eingearbeitet wird. Wenn sie vorkommen, dann wird man gleich mit dem Zaunpfahl drauf gestoßen, weil die entsprechende Abweichung eine storytechnische Rolle spielt. Ich möchte hier mal auf diese weißen Andorianer aus Enterprise hinweisen, oder auf die Xindi (wenn man die überhaupt zählen will).

    Ein gutes Beispiel für Abweichung ohne großes Aufhebens drumherum fand ich den (die?) dunkelhäutigen Vulkanier in „Take me out to the holosuite“, aber zu diesem Zeitpunkt gabs ja schon den Präzedenzfall Tuvok. Ansonsten lassen die Variationen aber echt zu wünschen übrig.

  6. G.G.Hoffmann sagt:

    Wann hat man beispielsweise jemals einen klingonischen Punker, einen blonden cardassianischen Buchhalter, ein romulanisches „Blumenkind“, usw., gesehen? Und was zwingt die vorgenannten Rassen dazu, nicht nur alle die gleiche beknackte Kleidung zu tragen, sondern auch frisurentechnisch einheitlich herumzulaufen?

    Ähnlich steril wie die Rassen selbst sind ihre Ortschaften. Man sieht in Star Trek grundsätzlich keine Landfahrzeuge bei fortgeschrittenen Kulturen. Städte mit prallem Leben, breiten Straßen, bunten Geschäften und Fortbewegungsmitteln gibt es in Star Trek nicht zu sehen. Alles wirkt ebenso langweilig wie düster. Natürlich ist das eine Budgetfrage. Außenaufnahmen sind per se teurer als Studiokulissen. Und eine pulsierende Stadt darzustellen, sprengt schon den Rahmen vieler Spielfilme. Aber man könnte ja zumindest mal versuchen, Q’onos nicht wie die Kulisse der Freilichtbühne Detmold aussehen zu lassen.

    Statt dessen: „Willkommen auf Vulkan! Den Standardpanoramablick auf unsere Hauptstadt kennen Sie schon aus vielen anderen Folgen, gerne auch als Hauptstadt anderer Planeten. Wir Vulkanier (Klingonen/Romulaner, etc.) überspannen gerne alle unsere Straßen, die im übrigen nicht breiter sein dürfen als 2,40 Meter, mit schwarzen Tüchern. Fahrzeuge wurden bei uns schon vor 200 Jahren abgeschafft bzw. nie erfunden. Denn selbst der durchgeknallteste Hauptschulabbrecher verspürt bei uns nicht den Ansatz von Lust, mal mit einem Motorrad durch die Gegend zu brettern. Wir spazieren alle gemessenen Schrittes und leise murmelnd durch die Gegend und beamen uns leise von Gemüsebar zu Gemüsebar. Unsere total verrückten Geschäfte und Kneipen sehen allesamt aus wie DDR-Werkskantinen drei Jahre nach der Wende. Aus übergeordneten verfassungsrechtlichen Gründen sind bei uns nur Einheitsfrisuren mit schwarzen Haaren und hochgeschlossene Uniformen erlaubt, da vor 520 Jahren eine blonde 16-jährige mit tiefem Ausschnitt einen Atomkrieg ausgelöst hat. Wenn wir etwas besonders lässig finden, benutzen wir Wörter wie `dufte`, `knorke` oder `stark`. Abends erzählen wir uns gerne den Inhalt von Peter-Alexander-Filmen.“

  7. DJ Doena sagt:

    Jupp, ein typisches Dilemma, dass die Planeten und deren Bewohner immer so furchtbar homogen sind, bis auf den einen Abweichler, der wegen der Story da sein muss.

    Wobei ich da schon finde, dass die Klingonen mal wieder am diversifiziertesten dargestellt wurden, wo es dann auch mal den Anwalt gab, oder den Koch – wobei auch den Spaltköpfen die Bevölkerung zu 99,999998472% aus Kriegern zu bestehen scheint.

  8. Jack sagt:

    Vielleicht war das Gene Roddenberrys wahre Vision? Die Zukunft als faschistischer Uniformitätsstaat^^

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