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Star Trek Voyager – Staffel 2, Teil 1: Ein Leben an der Leid-Planke

„Die waren sooo schlecht, dass ich einfach in den Weltraum fahren MUSSTE!“ – Okay, man kann qualitativ wirklich nicht alles haben. Zu Beginn der zweiten Staffel sogar leider nicht mal die HÄLFTE! Der Wertungsschnitt sackt hier erstmals jenseits von gu… schlecht und böse. Und eines darf ich euch jetzt schon verraten, liebe Zuleser und geliebte Zuleserinnen (blond und unter 30 Jahren): Die späteren Episoden werden auch nicht besser. Dafür aber die Vergleichsobjekte brauner und an der Körperchemie des Menschen ausgerichteter.

“Die 37’er“

Inhalt: Die Voyager trifft erst auf ein altes Kfz von der Erde, später dann sogar auf Erdenbewohner in Cryostase. Es handelt sich um niemanden geringeres als um Menschen, die im Jahre 1937 in den Deltaquadranten entführt worden sind. Schade: Aus dem Dritten Reich ist keiner dabei…

Review:

Heute mal als Stichwortsammlung:

– Irgendein spinnertes „Erwähnt uns später nicht mehr, wir sind komplett erfunden“-Volk hat sich 1937 die Mühe gemacht, Menschen als Sklaven in den Deltaquadranten zu bringen? Was war denn an den Wesen vor Ort so verkehrt? Zu viel Gummi am Kopp?

– Ein bisschen Eisenoxid im Weltraum ist sooo „selten“, dass die Voyager dieser Spur gleich hinterher fliegt? Gut, dass der Mars gerade nicht in der Nähe war. Der hätte sogleich die neuen Anti-Stalking-Gesetze der Bundesregierung zitieren müssen! Kein Wunder, dass die Crew nirgendwo ankommt, wenn man jedem Popel aus Rost hinterherfliegt!

– Von 8 erweckten 37ern stehen 4 als Wachsmumien im Hintergrund rum und machen dabei alles, nur keinen guten Eindruck. Aber klar: Wenn man in einer fremden Umgebung aufwacht, hält man natürlich 3 Meter Abstand, damit die NICHT Taubstummen unter den Entführten den seltsamen Vorfall aufklären können.

– Tricorder im Arsch? Paris nimmt dem Japaner vor dem Aufwecken zwar seine Knarre weg, vergisst aber den Schießprügel vom Quotenausfälligen, der Janeway natürlich kein Wort glaubt und den ganzen verdammten Drehbuchbetrieb aufhält. So ein Scheiß!

– Überhaupt: Was waren das denn für langweilige Figuren? Da habe ich mich mit besoffenen Bahnhofpunks schon interessanter unterhalten! A. Earheart kennt man natürlich aus dem (amerikanischen) Geschichtsunterricht, aber mehr als auf das reale und damals ziemlich verschollene Vorbild zu verweisen, tat man hier nicht. Natürliiich ist die Frau ein Vorbild und eine Entdeckerin. Aber wen juckte das woanders als in der Kimme, nachdem man sich bereits an eine Frau als Captain gewöhnt hatte?

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„Also ICH habe hier einen Japaner in meinem Überraschungs-Cryostase-Ei. Und sie, Kim?“ – „Verdammt! Nur so eine hübsche Tussi. Dabei wollte ICH doch mal wieder mit einem Japaner…“ – Stillgestanden: Als das Außenteam auf der Suche nach Fischstäbchen an die Kühlregale geriet, fanden sie nur Leute, die genau so gucken. Total passend war aber, dass in der Kapseln nebenan Doktor Oetker und sein Lebensgefährte Peter (von Frosta) höchstpersönlich herumstanden…

– Die weiterentwickelten Menschen kennen Energiegewehre, sind aber nie auf die Idee gekommen, dass die 37er eventuell nur schlafen könnten? Ja, wo sind wir denn hier?! Und kann ich von diesem Ort bitte ganz schnell wieder verschwinden??

– Was war denn jetzt die Hauptaussage der Episode? – Wenn Du Leute triffst, die am anderen Ende des Universums aus der Vergangenheit stammen, dann vergesse niemals, Deinen Laptop oder Klapphandy als Beweismittel mitzunehmen? Und wenn Du nicht erschossen werden willst, dann bitte den Alkoholikerdarsteller, dies eben nicht zu tun?

– Toll! Die 10.000 Menschen auf dem Planeten haben abgeschirmt von der Dingsbums-Strahlung (Haben diese Strahlen auch die optischen Teleskope der Voyager verhagelt, als diese im Anflug war? Auf der Oberfläche selbst war ja klarer Himmel!) total schöne Städte gebaut! Sogar sooo schön, dass man fast dort geblieben wäre. Da hätte man diese Städte natürlich gerne kurz gesehen. – Aber so weit geht es noch, Freundchen! Nix da mit billigem Matte Painting! Wir sind doch hier nicht auf TOS-Niveau! Dann lieber die Voyager beim Landeanflug zeigen, damit wir wissen, dass sie es KANN.

– Apropos Dableiben: Die letzten 7 Minuten (alle sind schon ziemlich glücklich und scherzen mit dem Talaxianer-Koch) spekuliert man darüber, ob man nicht einfach auf den Planeten übersiedelt. Praktisch die letzten Minuten der HdR-Trilogie in langweilig. Grausam auch das Ende, bei dem Chakotay irgendein amerikanisches Weizenfeld oder Stoppschild vermisst und deshalb natürlich immeeer weiter fliegen möchte…

– Was sollten die ganzen Figuren da überhaupt? Earhaerts angetrunkener Kumpel wedelt minutenlang mit der Knarre, lässt sie sich aber sofort von seiner Trulla abnehmen, weil sie als einzige an das Raumschiff glaubt und aus irgendwelchen Grund die Deutungshoheit über das Geschehen hat (macht das die Kurzhaarfrisur?)? Und der japanische(!) 37er-Soldat ist ruhiger und freundlicher als Sulu nach einem Kopfschuss. Der schwarze Laberaugust hingegen füllte die Stelle des schwarzen Laberaugusts aus. – Da gehe ich lieber mit einem Triebtäter ins Gebüsch, als mir DAS anzugucken. Ist spannender.

Fazit: Wenn das ganze SINN hätte, wäre der wohl der Fachbereich des sogenannten Schwachsinns anzusiedeln. Außer hohlen Andeutungen, die uns sagen sollen, wie außergewöhnlich spannend (siehe dazu auch das Sprichwort „an den Haaren herbeigezogen“) der ganze Schmonzes doch ist, passiert hier rein gar nichts und wenn doch, dann nach 10 Minuten wieder etwas vollkommen anderes. Den tieferen Sinn dieser Episode kann wohl nur ein Zen-Buddhist ausmachen. Denn die grübeln ja auch über Sätze wie „Wenn nur eine Hand klatscht, wie klingt das dann?“ nach, um himmlisch verwirrt zu sein.

Kurz: Diese Folge ist der letzte Scheiß. Klingt unlustig von mir, ist aber so.


“Der Namenlose“

Inhalt: Chakotay verlässt die Voyager unter einem fadenhirnigen Vorwand in einem Shuttle und wird von einem jugendlichen Kazon angegriffen. Der Commander zerstört zwar dessen Schiff, beamt den pubertierenden Phaserpupser aber aus Mitgefühl an Bord. Und damit fängt das ganze Elend an…

Review:

Was lernen wir schon zu Beginn der Folge? Seinen verstorbenen Vater zu betrauern geht anscheinend nur, wenn man sich alleine in ein Shuttle setzt und mehrere Lichtjahre von der Voyager entfernt, um auf dem Fußboden rumzulümmeln. Das mit dem Shuttle steht vermutlich auf alten indianischen Steinzeichnungen, gleich neben dem Bild mit den Büffeln im Fitnessstudio… Als Chakotay dann angegriffen wird, versucht der die Situation natürlich diplomatisch und respektvoll zu entspannen („Deaktiviere Deine Phaser, MEIN SOHN!“), was seltsamerweise nicht gelingt…

Tja, die Kazon also wieder. Sind sie nicht herzaller…piepst? – „Hoho! Wir sind die bösen BÖSEN! Wir sind die besten Kling… Krieger im ganzen nördlichen Planquadranten des Katasteramtes! Wir töten unsere Kinder, ehren unsere Toten (besonders schön FÜR die Kinder), betonieren unsere Haare und bei der Morgentoilette habe ich die längste Wurst von allen!“ – Tja, das sind sie, die Schwachfugverplomber vom Deltadings: Bis hin zur Innenarchitektur so klingonisch, dass man ihnen glatt noch einen Kahless-Aufkleber auf die Heckscheibe pappen möchte!

Der Mund dieser Wesen sagt „Nennt mich Satanas, Sterbliche!“, doch die Körpersprache berichtet „Ich bin ein Nebendarsteller, holt mich hier raaaus!“… Besonders dann, wenn halbwüchsige Nachwuchs-Kazon ihren Aufsichtspersonen das Schienbein(!) wegtreten oder der Obermufti unserem Chakotay höchstselbst eine Strahlenwaffe übergibt(!). Wahrscheinlich kannten die Deltaquadrantigen einfach das Prinzip der „Geiselnahme“ nicht und waren daher überrascht, als der Indianer dem Kazon-Cheffe plötzlich den Enthauptungsemitter an die Rübe hielt…

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„Hier! Nehmen sie diese Waffe, verwüsten sie damit ihre Frisur und schießen sie zuletzt ihre Hämorriden in rituelle Stückchen. Dann sind sie ein vollwertiger Kazon! Aber nicht auf MICH richten, ja? Dann kommen sie nämlich in die Hölle und müssen den ganzen Tag im Eierbecher Tango tanzen!“ – „Verdammt, da bringen Sie mich jetzt aber in einen Gewissenskonflikt! Ich respektiere ihre ehrenwerte Religion nämlich zu 100%, würde andererseits aber gerne ihre hässliche Hackfresse verdunsten lassen…“

Den psychologischen Hintergrund dieser Folge konnte man also getrost in Chakotays Friedenspfeife rauchen! Und die bekannte Konstellation „Feindseliges Alien und Sterneflotter werden zum Zusammenarbeiten gezwungen“ riecht durch die reine Entfernung zum Alphaquadranten auch nicht weniger ranzig.

Natürlich werden Chakotay und Klein-Kazon sich NICHT gegenseitig die Halsschlagader rausbeißen, um ihr Gegenüber (anatomisch) besser kennenzulernen. Nach einigem hin und her von wegen Ehre, Gefolgschaft, Vertrauen und Empfängnisverhütung hat der junge Mann tatsächlich einiges gelernt und würde in der NPD nur noch als „mäßig rassistisch“ eingestuft werden.

Zu blöd nur, dass Chakotay hier völlig unglaubwürdig daherkommt, wenn er großspurig erzählt, wie hart er sich seine Sternenflottenuniform erkämpfen musste (an der Kleiderausgabe?) und wie stolz er doch darauf sei. – Äh, hallooo?! Ist dem alten Kurzhaar-Silberrücken zu oft der Totempfahl auf das Großhirn gefallen? Was war denn jetzt von wegen „Maquis“ und „Sternenflotte den Rücken kehren“? Kleine Teenager-Rebellionsphase mit 40? Getreu dem Motto „Befehlsverweigerung und Beitritt einer Terrorgruppe: Da mussten wir halt alle mal durch“?

Okay, dass er diese Lebensepisode nicht gleich einem wankelmütigen Fast-Feind erzählt, kann man noch durchaus verstehen. Eine Entschuldigung für das aalglatte Gutmenschengelaber („Bring mich ruhig um, wenn es dein Volk verlangt. Unser Doktor belebt mich dann halt wieder. Deal or no deal?“) ist das aber wirklich nicht… Nichts gegen Diplomatie und Toleranz, bis der Brechreiz klingelt, aber ein kleiner Po-Klaps bei der Erziehung hat noch keinem Kazon-Kind in meiner Umgebung ernsthaft geschadet.

Fazit: Das einzig Gute an den „Kazon-Sekten“ ist, dass sie weder singen, noch in Fußgängerzonen minderbemittelte Missionierungszielscheiben suchen. Alle Angehörigen dieser Rasse sind jedoch arrogant, doof und moralisch auf dem Stand eines klingonischen Dreijährigen bei der Schmerzstab-Abschlussprüfung. Wer will DAS wirklich sehen? – Die Grundbotschaft der Episode geht aber in Ordnung, denn schließlich wissen viele Zeitgenossen ja noch immer nicht, dass „Krieg und Misstrauen böööse“ sind. Es sei denn, der Grund kann ausreichend mit Dollarnoten und/oder Pathos gerechtfertigt werden…


“Das Holosyndrom“

Inhalt: Der Doktor erscheint auf der Krankenstation, ohne aktiviert worden zu sein. Er glaubt erst an einen Kazon-Angriff, muss dann aber feststellen, dass die Crew um ihn herum aus Hologrammen besteht. Leutenant Barcley erscheint daraufhin und erklärt ihm, WARUM.

Review:

„Ich weiß, es ist ein wenig verwirrend, aber machen sie sich klar, dass sie das holografische Bilderzeugungssystem eines holografischen Schiffes zerstört haben!“ – Wenn solche Sätze fallen, dann ist es Zeit für mich, Euch das „Ab 18“-Schild in die Monitore zu hängen. Denn jetzt NERD-PORNO-ZEIT!

Und was für eine! Der Doktor ist angeblich ein realer Mensch, der nur auf einem Holodeck rumphantasiert, die Crew besteht aus Hologrammen, Barcley (aus TNG) ist auch da und per Datenbank-Zeitreise wird sogar ein Ausschnitt des Pilotfilms wiederholt. – Einen schmackhafteren „Realitäten-Eintopf“ hätte selbst meine Oma nicht kochen können (nein, kein Altersdemenz-Scherz an dieser Stelle)!

Da ich die Auflösung der Episode vergessen hatte, war auch ICH irgendwann fast davon überzeugt, dass die Serie „Voyager“ tatsächlich nur eine Holodecksimulation sein könnte. Äh, wobei ich natürlich weiß, dass die trotzdem nur fiktional im Fernsehen läuft. Na, ihr versteht mich schon!

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„Sie werfen MIR vor, eine Halluzination zu sein?! Meinen Sie, es ist schön, erst von ihnen erschaffen zu werden und dann zu verschwinden, weil sie plötzlich an was anderes denken?“ – „Oh, Verzeihung. Dann sollte ich jetzt wohl nicht darüber nachdenken, dass sie nackt oder entstellt sein könnt… – Ups. Sorry!“ – Alles Ho(h)lo, oder was: Die Bundesregierung warnt vor minderwertigen Realitäten-Anfertigungen aus Asien. Diese könnten jederzeit zusammenbrechen!

Allerdings – und dieser Wermutstropfen ist leider allzu real – nervte die Dampfplauderei zwischen Barcley und dem Doc irgendwann nur noch, da in jedem zweiten Satz irgendwas erklärt werden musste:

„Ich bin in einer Kabine außerhalb dieses Raums und werde daher nicht deaktiviert. Und sie benötigen keinen Holoprojektor, weil sie ein Mensch sind. Die Holofiguren werden natürlich glauben, dass sie ein holografischer Arzt sind, weil sie ja dessen Rolle angenommen haben und sich deswegen fragen, warum sie plötzlich außerhalb der Krankenstation…“

Und so weiter… Mal ehrlich: Sollte man entweder die Absicht haben,

A) Seiner Freundin/Frau/Bekannten die Faszination von Raumschiffserien beweisen zu wollen

oder

B) Von einer der holden Weibischkeit in die geschlossene Anstalt überwiesen werden,

so wird man mit einem Vorführen DIESER Episode wohl nur das zweite Ziel erreichen…

Den echten Kenner des Realitäteneintopfs sollte das allerdings nicht von dem Genuss dieses bewusstseinserweiternden Mattscheibentreibens abhalten. Nur durch das hochkonzentrierte Verfolgen solcher Episoden wird man mental in die Lage versetzt, morgens seinem Chef ein „Computer? Tobenden Giftzwerg bitte sofort löschen!“ entgegenzuraunzen. – Und auch, wenn das Ergebnis eher durchwachsen sein wird („Klapowski? Haben sie wieder Rezensionen schreiben wollen und beschissene DVDs geguckt, hä?“), so ist der Gedanke einer aufgesetzten Realität ja immer noch eine sehr verführerische. – Mat? Rix!

Am Ende verschwimmen die Realitäten (wie bei solchen Folgen üblich) im schnellen Stakkato. Und auch der übliche „Ätschbätsch, das ist IMMER noch nicht die Realität“ -Twist kurz vor Schluss wurde nicht vergessen. Nach diesem Review verwirrt? Also ICH auch ein bisschen! (*Äpfel auf Kleiderhaken befestig*)

Fazit: Auch, wenn sich die beiden Hauptfiguren fast in ihren Stimmbändern verhedderten: SOLCHE Episoden müssen einfach mehrmals in jeder modernen ST-Serie auftauchen. Daran führt genau so wenig ein Weg vorbei wie am Schweißsee in meinen Schuhen (Scheiß Hochsommer)! – Zwar war ich nach etlichen ähnlichen Episoden inzwischen total abgebrüht und teilweise sogar unterfordert („Nicht noch mal erklären, bitteeee!“), aber an einer 4er-Wertung kommt man hier trotzdem nur mit sehr viel krimineller Energie vorbei!


“Elogium“

Inhalt: Unter dem Einfluss von fortpflanzungswilligen Weltraumwesen dreht Kes durch und will schwanger werden. Neelix ist durchgedreht wie immer, will aber kein Vater werden. Großes Problem.

Review:

Stellt Euch vor, ihr werdet vor einem großen Publikum (z.B. bei der FedCon oder den Weightwatchern) nach euren liebsten Voyager-Folgen gefragt. Ihr verneigt Euch höflich, tretet an das Pult, stöpselt das Mikrofon an eure Borgmaske und berichtet freimütig:

„Also meine absolute Lieblingsfolge ist ‚Elogium‘. Und die geht so: Nachdem Neelix total eifersüchtig war, da er Tom Paris ein Interesse an Kes unterstellte, fängt Kes an, Käfer zu essen. Neelix dreht durch, geht erst dem Doktor, dann dem Captain und zuletzt dem Zuschauer auf die Nerven. – Haha, das fand ich schon mal sehr kultig, denn genervt habe ich meine Mutti mit dieser Folge auch immer, weil ich die VHS-Kassette nach dem Anschauen gleich NOCH MAL sehen wollte, hihi!

Nun ja: Kes dreht hormonell jedenfalls durch und rutscht mit den Knien auf einem Tisch herum, während Janeway versucht, spermaartige Wesen in dem nunmehr 4.(!) lebenden Nebel seit Serienbeginn nicht mit einem Warpsprung totzufahren.

Tja, und Kes hat jetzt eine Geschwulst auf dem Rücken und könnte nun das erste und einzige Mal in ihrem Leben schwanger werden, um EIN Kind zu bekommen. Hihi. Allein die Rechenspiele, ab wann eine Rasse wie die Ocampa mit diesem sparsamen Fortpflanzungsgebaren ausstirbt, hat mir SEHR viel Freunde bereitet. Das war nämlich eine lustige Fangfrage: Bei nur einem Kind pro Weibchen wären die Ocampa-Vorfahren nämlich noch nicht mal aus der Ursuppe gekrochen!

Ach ja: Total lustig fand ich die kultigen Dialoge! So sagt Chakotay (immerhin als Mann über 40) zum Beispiel an einer Stelle: ‚Ich habe noch nie darüber nachgedacht, mich fortzupflanzen!‘ – Ulkig, was? Wenn ich seine Schwiegermutter wäre, ich würde ihm die Wangen zerkneifen! DAS sind mal Geschichten, wie das Leben sie schreiben könnte, wenn der liebe Gott ausschließlich Star Trek gucken würde.

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„Ich bringe dich zum Doktor! Wenn Du Blumen isst statt meiner talaxianischen Durchfall-Pastete, dann MUSS irgendetwas falsch mit dir sein!“ – „Hey, das ist ein Vorspiel, du Idiot! Und jetzt lass mich runter und den Rest vom Fußbodenbelag abknabbern!“ – Da knattert Neelix lieber seinen warmen Apfelkuchen: Die Fortpflanzung bei den Ocampa ist eine sehr gefährliche Sache. 129% aller Frauen sterben noch vor dem Gebären, weil sie sich an einem leckeren Stück Felsbrocken oder Haus übernehmen…

Kes bekommt dann auch noch gelben Schleim an den Handflächen, praktisch als optisches und olfaktorisches(?) Knattersignal, da nur noch 50 Stunden bis zur Empfängnis bleiben. Neelix, der anscheinend noch nie Sex mit Kes hatte (Hihi, „Dawson’s Creek“ im Weltraum! Kuuult!), fühlt sich geehrt, schreckt aber vor den 6 Stunden Dauersex zurück, die auf ihn warten würden. Schade, wäre ein schöner Staffel’höhepunkt‘ geworden…

Neelix fragt dann also Tuvok, ob der seine 4 Kinder mag. Und der sagt in einem der größten Momente der Star-Trek-Geschichte, dass er ganz wild auf die kleine Scheißer ist. Natürlich auf eine emotionslose, vulkanische Art und Weise, versteht sich. So auf die Art, dass die Autoren durchblicken lassen, dass Vulkanier sehr wohl Gefühle haben, alle Welt das aber stillschweigend ignoriert. – Kurze Zeit später lässt sich Kes vom Doktor rituell die Füße massieren, damit das Liebesspiel bis zur Absetzung der Serie noch starten kann. Währenddessen überlegt sie sich hinter ihren draufgeschminkten Heroinaugen, dass sie jetzt doch kein Kind mehr will, weil ihre große Karriere als Schiffssärztin und/oder Scanneranreicherin darunter leiden könnte. – Ha, ist das nicht große (Schul)klasse, liebe Leute?

Derweil wird die Voyager von kleinen CGI-Wesen penetriert, die das Schiff für ein Weibchen halten. Tja, da haben die sich aber das falsche Schiff ausgesucht! „Don’t fuck the fans“ sage ich da nur, ha! Ach, am Ende, als Janeway dann noch ironiefrei über ‚die Fortpflanzung an Bord der Voyager‘ nachdenkt (‚Muss dabei das Bild von meinem Freund streicheln, höhö!‘), kommt auch gleich ein schwangeres Fähnrichblondchen reingeschneit. So ein süßer Zufaaall!“

Nachdem ihr also DIES alles Eurem Publikum gesagt hättet, um zu erklären, warum ihr diese Folge so grandios findet, werdet ihr vermutlich schweißgebadet aufwachen und feststellen, dass dieser ultimative Geschmacksverlust nur ein Alptraum war. Was dann auch erklären würde, warum ihr beim Erzählen keine Hose anhattet. Oder – noch schlimmer – die von Quarks Mutter in DS9.

Fazit: Wenn Drehbuchautoren zu eigentlich sehr sympathischen Figuren wie Kes keine bessere Charakterfolge einfällt als „Sie könnte ja schwanger werden WOLLEN, mal ganz kurz.“, ist das schon sehr bezeichnend. Mit diesem Menschen- und Alienbild wurden im Dritten Reich noch Mutterkreuze verliehen. Und DA war eine Auszeichnung sogar noch eher geboten als für dieses Fremdschäm-Special in Dolby Rektal. – Brrrr!


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von Klapowski am 06.07.09 in Star Trek - Voyager

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Kommentare (18)

  1. G.G.Hoffmann sagt:

    Die Serie konnte, ebenso wie ihr Nachfolgeclon ENT, nie wirklich verbergen, daß das All vor allem ein großer leerer Raum mit viel Langeweile drin ist. Nun gibt es viele spannende Serien, die ganz ohne Raumschiffe, Photonentorpedos oder Holodecks auskommen und ihren Schwerpunkt mehr auf die zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen legen. Viele erfolgreiche Serien spielen ganze Staffeln lang nur in einigen wenigen Räumen, ohne daß es langweilig wird. Bei Serien, die in Raumschiffen spielen, scheinen die Autoren jedoch irrtümlich der Auffassung zu sein, man müsse jede Woche einer anderen Lebensform begegnen, die von irgendwelchen uninteressanten Problemen geplagt wird. Alternativ werden allenfalls Probleme angeboten, die von uninteressanten Lebensformen belästigt werden.

    Ich könnte mich durchaus damit anfreunden, wenn einmal eine StarTrek-Serie konzipiert würde, die ein großes Raumschiff als das zeigt, was es wirklich ist: ein Ort banaler Arbeit und privaten Lebens. Auch wäre es nett, wenn man endlich einmal die Größe von Schiffen der Galaxyklasse erahnen könnte. Diese ermüdende Anordnung von piefigen kleinen Kabinen, Gängen und übersichtlichen Arbeitsräumen („Unser Maschinenraum / Krankenquartier / Besprechungszimmer: 40 qm mit Waschgelegenheit, beeindruckend, was?“) vermag das jedenfalls nicht.

    Wie wäre es einmal mit einer lebensnahen Darstellung?

    Lt. Mary Miller: „Susan und ihr Mann John aus der Materialverwaltung haben uns heute Abend zum Essen einladen.“

    Lt. James Miller: „Och nöö… Die wohnen doch am anderen Ende des Schiffes. Die Turbolifte 3+4 sind heute wegen der Party auf Deck 25 sicher total belegt. Da sind wir ja 30 Minuten unterwegs. Will lieber auf dem Sofa liegen und nen Film gucken.“

    Lt. Mary Miller: „Wie wär’s mit einem Spaziergang?“

    Lt. James Miller: „??? Geht’s Dir gut, oder was? Das Quartier von den Jamesons liegt 17 Decks tiefer und 600 Meter weiter hinten. Die wohnen am Arsch des Schiffs. Ich hatte einen harten Tag und habe echt keinen Bock auf Treppensteigen [Anmerkung: weshalb gibt es in ST-Raumschiffen eigentlich nur Schächte mit lebensgefährlichen Leitern und keine Treppenhäuser? Was sagt denn der Brandschutz dazu?].

    Lt. Mary Miller: „Du Stiesel hast ja nur Angst, daß wir auf dem Weg Karen treffen.“

    Lt. James Miller: „Ich ertrage diese Juristentussi mit ihrem dummen Geschwätz eben nicht. Außerdem ist sie gerade schwanger und wird uns sicher mit Geschichten über anschwellende Brüste und Heißhunger auf Gurken einen Blumenkohl ans Ohr labern. Vielleicht dürfen wir uns auch noch ein Hologramm ihres Embryos anschauen. KUCK MAL, MAN SIEHT SCHON DIE HÄNDCHEN! (würg!).“

    Ich bin sicher, ein solches Konzept hätte mehr Potential als Anomalie Nr. 45234, die dringend der persönlichen Bearbeitung durch das Führungspersonal bedarf. Deshalb haben mir auch der Anfang von ST:9 oder Folgen wie „Datas Tag“ so gut gefallen. Endlich wurden einmal die Banalitäten des Schiffsalltags beleuchtet, die 98% der Zeit auf einem Raumschiff belegen dürften. Wie wär’s einmal mit einem „Boston desperate legal Housewives“ in anspruchsvollen Raumschiff-Kulissen?

  2. Hiramas sagt:

    DS9 hatte damals schon viele gute Ansätze in diese Richtung zu gehen, auch wenn das einzige Familienleben das beleuchtet wurde das von dem werten schraubenschlüssel O’Brien war.
    Die Ansätze waren damals da, auch in vielen anderen Aspekten des menschlichen Zusammenlebens, was DS9 für mich zum Favoriten macht.

    Den ein oder anderen medizinischen Notfall, wenn B’lana mal wieder in Wutrausch den Maschinenraum kurz und klein haut und/oder Vorik zur Parung auffordert und nur mit einer Elefanten-Dosis Holzhammer beruhigt werden kann, wäre auch nicht schlecht gewesen.

  3. Raketenwurm sagt:

    Wollte ich auch gerade sagen; DS9 hat ja schon dieses „Family-Stuff“ drin gehabt, was viele Trekkies aber so stinkelangweilig fanden, daß sich die Macher genötigt sahen, in den späteren Staffeln gleich mal einen Welt(raum)krieg anzuzetteln. Und BSG ist ja im Grunde schon das geforderte Konzept in Perfektion; anstatt Aliens und Anomalien gibt es da fast nur zwischenmenschenliche Beziehungungen und Schiffsalltag – und ist spätestens seit Staffel 2 überall als „Soap im Weltraum“ verschrien. Die Mehrzahl der Scifi-Freunde möchte eben doch in einer Serie, nicht auf der Erde spielt, auch etwas sehen, was man nicht auf der Erde finden kann.

    Was den Artikel angeht; ich hatte die 37er eigentlich als sehr gute Episode in Erinnerung und bin S-C-H-O-C-K-I-E-R-T, daß sie nur ein Ohr bekommen hat. Werde ich mir irgendwann noch mal anschauen müssen.

  4. G.G.Hoffmann sagt:

    Weder DS9 noch BSG liefern das, was ich im Sinn hatte. BSG schon deshalb nicht, weil es kein Star Trek ist. DS9 hat zwar das Persönliche etwas stärker betont als die anderen Trekserien. Gleichwohl waren die persönlichen Handlungen zumeist die B-Story zu den üblichen Alien-der-Woche-Geschichten, später zum strunzlangweiligen Dominionkrieg.

    Der Kulissenbau trug in den Trekserien der letzten Jahren ebenfalls einen Gutteil zur Langeweile bei. Die Quartiere der Crewmitglieder haben nie den Eindruck vermittelt, dort wohne wirklich jemand. Keine schmutzige Socke beleidigte das Auge des Besuchers. Keine Kekse krümelten auf dem Tisch. Selbst außerhalb der Schicht lief man meistens in Uniform herum. Neonröhrenatmosphäre statt angemessener und gesundheitsfördernder tageslichtnaher Beleuchtung regierte die Architektur. Das Interieur von Alienschiffen ein kulissenbautechnischer Offenbarungseid! Niemand hatte nachvollziehbare Hobbys, mit denen sich der Zuschauer identifizieren konnte (Posaunespielen? Wasserball? Dr. Chaotica-Romane?). Die meisten Charaktere waren mehr oder weniger eigenschaftslos. Die Dialoge waren Lichtjahre vom Prädikat „cool“ entfernt. „Locker“ und „zeitgemäß“ bedeutete bei Star Trek in den letzten Jahren nur, daß man sinnlose Gewalt zeigte und diese mit fragwürdiger Moral rechtfertigte (Sisko, Janeway, Archer). Folter und Krieg waren erlaubt, nackte Körper allenfalls von hinten und oberhalb der Gürtellinie. Der bierernste Umgang mit ebenso lebensbedrohlichen wie lächerlichen Problemen, die jede Woche auftauchten („Das Schiff wird in spätestens 1 Stunde auseinanderbrechen!“) wirkte stets ebenso bemüht wie Versuche, den Figuren reihum abwechselnd eine „Charakterfolge“ aufzudrücken, statt sie kontinuierlich zu entwickeln oder es bei den holzschnittartigen Dummbatzen zu lassen, die sich immer zuverlässig eindimensional verhalten.

  5. Hiramas sagt:

    das mit den Kulissen liegt wohl daran, das es immer die selben waren….
    In Voyager hatten die sogar verschiebbare Wände um unterschiedlich große Quartiere darstellen zu können.
    Die Enterprise-E Krankenstation war sogar die aus Voyager.
    Die Observation Lounge ebenfalls (nur leicht verändert)…..

    Was gute Kulissen und Atmosphäre angeht: Dr. Who schafft es fast immer gute Kulissen zu bieten ohne das die BBC pleite gegangen ist.
    Und da waren es auch noch jede Woche ANDERE Kulissen.
    Warum es da so schwierig ist etwas Liebe in Kulissen zu stecken, die 7 Jahre überdauern….

  6. Jack sagt:

    Etwa um die Zeit herum hab ich Voyager den Rücken gekehrt…

  7. Donald D. sagt:

    @ G.G.H.: Absoluter Schwachsinn!!! „Strunzlangweiliger Dominionkrieg“. Das sah doch echt gut aus, wie die sich gekloppt haben. Sah z.T. sogar besser aus, als die Schlachten in den Star Wars Filmen. Und sooooooooo präsent war der Krieg nun auch nicht. Zwischendurch gab es auch tolle Humorfolgen.

  8. Sparkiller sagt:

    Ich frage mich sowieso, wie eine Serie mit dem offiziellen „GGH Gütesiegel“ aussehen würde. Unter Berücksichtigung der weiter oben genannten Vorstellungen vielleicht etwa sooo… ?

    (Außenaufnahme Weltraum. Kamera-Schwenk. Eine kleine vermoderte Raumstation kommt ins Bild, auf welcher so etwas wie Gravitation nur im Außenring vorhanden ist, welcher sich knirschend um einen durch Meteoriten verdellten Hauptbereich dreht.

    Zoom auf ein schmutziges Fenster des Außenrings. Wir sehen ein verlottertes Mitglied der Crew, mit 30-Tage-Bart und Siff-Flecken, in seiner ebenso heruntergekommenen Kabine sitzen. Eine düstere Neonröhre flackert unregelmässig.)

    Ing. Radscha: „Computer, Musik. Am längsten nicht mehr abgespielte Stücke.“

    Computer: „Befehl nicht verstanden. Bitte—KRRRZZZ— wiederholen.“

    Ing. Radscha (seufzt): „Computer… Musik! Die am längsten nicht mehr abgespielten Stücke…“

    Computer: „Befehl nicht—nicht—nicht… SSSSFFF— System-Fehler.“

    Ing. Radscha (tritt gegen eine Abdeckung): „Scheiss Gerät…“

    (Der Ingenieur steht auf und geht Richtung Touch-Screen, dieser ist natürlich total verfettet, als dort plötzlich das pixelige Bild einer Frau erscheint.)

    Lt. Narim (mit iranischem Akzent): „Radscha, pennst Du da unten? Wir haben einen stationsweiten Systemausfall! Der Lift ist steckengeblieben und selbst im Not-Treppenhaus gibt es kein Licht!“

    Ing. Radscha (streicht mit öligen Fingern über sein Gesicht): „Na, super. Ich setz‘ es auf meine Liste. Zusammen mit den anderen 500 Dingen, die ich noch reparieren muss. Wann kommt denn nun endlich die Ablösung?“

    Lt. Narim (lacht humorlos): „Ich fürchte, um 11 Monate wirst Du dies nicht hinausschieben können. Wenn wir denn solange überleben, wenn ich mir den Zustand dieses Rosteimers hier einmal ansehe. Du schaffst es ja anscheinend nicht einmal, Deine schmutzigen Socken in den Wäscheschacht zu schmeissen… wenn dieser denn nicht völlig verstopft wäre…“

  9. G.G.Hoffmann sagt:

    Hö? Sollte ich mich irrtümlich und ausnahmsweise einmal mißverständlich ausgedrückt haben? Ich will doch nicht DS9 in kaputt. Das hatten wir doch schon in der dortigen ersten Staffel. Nein, ich wünsche Star Trek 11, nur als Serie. Aber mit weniger Weltraum. Gerne würde ich mehr über Pilles Scheidung erfahren. Und über das Sexualleben der Orionmädchen. Aber mit mehr nackt. Ich will weniger Maschinenraum sehen, dafür mehr Offizierscasino. Aber nicht so steril wie „Zehn vorne“ oder Neelix‘ langweiliger Bahnhofswartesaal.

    Der Captain dürfte als „der da oben“ eine völlig untergeordnete Rolle spielen. Im realen Arbeitsleben sieht man den Chef praktisch auch nie und grüßt ihn nur, wenn ein elegantes Ausweichen absolut nicht mehr möglich ist. Eigentlich kennt man den Chef nur aus Geschichten des Vorgesetzten, die er von seinem Vorgesetzen erzählt bekommen hat. Warum nicht einen Raumschiffcaptain so darstellen? 98% der Crew auf einem Raumschiff bekommt die Brücke und die Führungsoffiziere so gut wie nie zu sehen. Diese große Mehrheit der Mannschaft wird aber stets nur als Hilfsdeppen dargestellt, die sagen dürfen: „Ja, Captain; nein, Captain; ich weiß nicht, Captain.“, und schweigend ein Notepad überreichen. So als wären das alles Vollidioten, die an der Gesellenprüfung für den Hilfselektriker gescheitert sind. Sie wohnen in unbekannten Quartieren und gehen irgendwelchen niederen Arbeiten in nie gesehenen Räumen nach. Ihren großen Auftritt haben sie nur, wenn sie an einer explodierenden Konsole verbruzzeln, in den Weltraum hinausgeblasen oder zu Alienfutter verarbeitet werden.

    Könnte man vielleicht zur Abwechslung normale, durchgeknallte, liebenswerte Leute in einer Trekserie zeigen, wie in anderen TV-Shows auch? Wo jeder auf seine Art einen veritablen Dachschaden hat? Die sich ganz normal unterhalten, mobben, lieben, hassen und sich in einer Umgebung bewegen, die nicht aussieht wie Pappkulissen in einem Paramount-Studio? Die zwar auf einem Raumschiff arbeiten, deren Alltag aber nicht darin besteht, Anomalien zu bekämpfen?

    So etwas hat es in Star Trek zwar auch immer mal wieder gegeben. Ohne Frage hatten alle fünf Serien auch unterhalsame Momente. Aber die meisten Charaktere waren irgendwie farblos und keine Identifikationsfiguren. Mir haben die B-Storys einer Folge zumeist viel besser gefallen als die A-Storys. Kurz zusammengefaßt: ich will eine Trekserie, die im wesentlichen aus solchen B-Storys besteht!

    Und was ich nie wieder sehen will sind die „Altstädte“ auf Romulus, Vulkan oder Q’onoS, die aus genau zwei Gassen bestehen und den Eindruck erwecken, man sei auf einem Mitmachabend der Theater AG einer Waldorfschule gelandet. Nie wieder „Gebäude“ oder „Höhlen“ oder „Planetenoberflächen“, die ganz offensichtlich in einem Studio aus Pappe gebaut wurden und nicht den Hauch von Realismus versprühen.

  10. Pavel K. sagt:

    @Sparkiller & GGH: Setzt Euch doch mal zusammen und schreibt ein Drehbuch. Ich glaub das Ergebnis könnte mir gefallen…

  11. Klapowski sagt:

    Ich glaube, ich habe langsam begriffen, was der Hoffmann eigentlich möchte! Nämlich so was wie „Scrubs – Die Anfänger“ in der Welt des Warps.

    Fähnriche, die sich nachts zu sexuellen Ausschweifungen auf dem Holodeck treffen und in bester Jugendherbergs-Tradition über die Gänge schleichen, um nicht vom Sicherheitschef erwischt zu werden. – Was allerdings schief geht, als Fähnrich Mueller bei einer spontanen Kraftfeldverengung im anantomischen Bereich eines weiblichen Hologramms verletzt wird. Werden sie den Verwundeten auf die Krankenstation bringen könne, ohne aufzufliegen? (Folge 1×05 „Bei Nacht und Nebel“)

    Oder aber die Folge „Elternsprechtag“ (1×09): Am „Tag der offenen Schiebetür“ können Freunde und Verwandte die Raumschiffbediensteten besuchen. Doch die Mutter von Fähnrich Castrup möchte ihren Sohn nur dazu überreden, sofort den Dienst zu quittieren: „Seitdem dein Vater gestorben ist, fühle ich mich so allein! Ich habe auch dein Kinderzimmer wieder zurecht gemacht!“ – „Waaas? Vater ist tot?!“

    Etwas mehr Action gibt es in der Episode „Das Experiment“ (1×20): Der Wissenschaftsoffizier ist einer neuen Modedroge verfallen, die einen andere Menschen nur so wahrnehmen lässt, wie man es selber gerne hätte. Wir sehen also aus seiner Perspektive, wie sich weibliche Crewmitglieder am Warpkern räkeln, der Captain mit einem Orden winkt und der Quotenklingone schmutzige Witze erzählt.

    Das ist aber noch nichts gegen die Folgen „Besuch des Föderationspräsidenten“ (der verliebt sich sofort in eine der Hauptfiguren), „Glaubet wie die Kinder“ (Versprengte Reste der katholischen Kirche besetzten alle öffentlichen Transportersysteme, weil sie glauben, die Seele werde nicht vollständige rematerialsiert.) und „Verräterische Photonen“ (Eifersüchtiges Crewmitglied überwacht seine Frau durch ein Raumschifffenster. Und zwar durch ein leistungsstarkes Teleskop auf der Erde.)…

  12. Dr.Best (der mit dem Schwingkopf) sagt:

    Irgendwie hab‘ ich das Gefühl, Klapo gefällt die Idee nicht…

  13. G.G.Hoffmann sagt:

    Sehr hübsch, Klapo. Aber das klingt alles noch zu sehr nach „Old Trek“. Nur in doof. Geschichten über spätpubertierende Fähnriche hatten wir schon zu Hauf, ohne daß mich auch nur eine angesprochen hätte. „Melrose Place NCC-1701F“ schwebt mir ebenfalls nicht vor. Die Figuren sollten mindestens so erwachsen, charismatisch und bekloppt sein wie beispielsweise in „Boston Legal“, „Dr. House“, „Desperate Housewives“, „Sex and the City“. Gleiches sollte für die Geschichten gelten.

    So verstehe ich zum Beispiel nicht, weshalb bei Star Trek allenfalls der Captain und die Führungsoffiziere über 50 sein dürfen, während alles, was sonst noch auf dem Schiff rumläuft und stirbt, höchstens 29 ist. Wieso sieht man nicht einmal den Abteilungsleiter des Archäologenstabs, Prof. Dr. Schulze-Eck, 58, in seinem kleinen aber feinen Institut, das mit seinen 31 Mitarbeitern das halbe Deck 23 einnimmt? Eifersüchtig wacht Schulze-Eck darüber, daß Abteilung 27.2 – ein strukturlos zusammengewürfelter Haufen aus Sozialpädagogen, Juristen und niederen Beamten, dessen Aufgabenbereich niemanden ganz klar ist, die sich aber selbst als „rechte Hand“ des Captains sehen – weniger Quadratmeter Bürofläche erhält als sein Team. Zankapfel ist seit jeher der Aufenthaltsraum, in dessen Mitte sich die Fachbereiche überschneiden. Seit 4 Jahren kämpft Schulze-Eck mit Eingaben an die zuständigen Fachreferate um den Einzug einer Zwischenwand und Genehmigung einer Kaffeemaschine, da der Replikatorkaffee „schlechterdings ungenießbar“ sei. Den Umzug seiner Abteilung auf das mehr Raum bietende Deck 24 torpediert er hartnäckig mit Beschwerden an alle möglichen unzuständigen Stellen. Ihm geht es ums Prinzip.

    Schulze-Eck ist mit Gabriele Eck, 47, der stellvertretenden Vizedirektorin des Technik-Lagers verheiratet. Gäbbi – wie ihre Freunde sie nennen – hat kein Verständnis für die Probleme ihres Gatten. Dafür hat sie selbst zu viele. Seit Monaten versucht sie dem Chefingenieur beizubringen, daß er außerhalb der Öffnungszeiten der Materialverwaltung nicht unangemeldet im Lager herumzuschleichen hat. Angeblich drohende Warpkernbrüche hält sie für vorgeschoben. Eine mit viel Leidenschaft aufgesetzte Dienstaufsichtsbeschwerde liegt seit Monaten unbearbeitet beim Captain, dem sie dafür ebenfalls mit Dienstaufsichtsbeschwerde gedroht hat. Gäbbi selbst hat einen hohen Verbrauch an Leitz-Ordnern. Als Urenkelin eines Oberamtsrates zieht sie es vor, auszudrucken und abzuheften, statt sich auf unzuverlässige Computerspeicher zu verlassen. Denn, so ihr Motto: „Was Du schwarz auf weiß besitzt, kannst Du getrost nach Hause tragen.“

    Die Probleme drücken Schulze-Eck auf die Potenz und Gäbbi Eck auf die Blase. Das Sexualleben gehört daher zu den unschönen Kapiteln der Beziehung. Abhilfe soll eine Paartherapie bei Schiffscounselor Carl-John McCloud (78, schwul, geschieden) schaffen, der zum Leidwesen seiner Umgebung für eine Dienstverlängerung bis zum 83. Lebensjahr optiert hat und sich entgegen mehrerer anderslautender medizinischer Gutachten geistig auf der Höhe der Zeit fühlt. Aufgrund eines Verfahrensfehlers der Abteilung 27.2 hatte sein Widerspruch gegen die Zwangspensionierung aufschiebende Wirkung.

    Versteht Ihr? Ich wünsche Erwachsenenunterhaltung mit ECHTEN Problemen und nicht diese lächerlichen „Der-Planet-droht-zu-explodieren“-Folgen.

  14. Dr.Best (der mit dem Schwingkopf) sagt:

    Aber Star Trek ist doch immer noch Science Fiction, oder?

    Warum soll ich den Fernseher einschalten, wenn ich das Selbe auch in jedem beliebigen Amt live geboten bekomme?

    Gruß Dr.Best

  15. G.G.Hoffmann sagt:

    Wieso? Meine brillianten Protagonisten leben doch auf einem Raumschiff. Ist Dir das nicht SciFi genug? Ich weiß nicht, weshalb es mehr sciencefictioniger sein soll, wenn man sich in jeder Folge mit rückständigen Aliens in die Haare kriegt oder der Transporter einmal mehr versagt.

    Abgesehen davon darf das ja auch gerne weiterhin passieren. Nur sollte man nicht die 700. Folge zum wiederholten Male maßgeblich auf solche Probleme aufbauen. Aus allen Föderationsschiffen kennt man im Prinzip immer nur die gleichen Räume: Brücke, Besprechungsraum, Maschinenraum, Krankenstation, Casino sowie gleichaussehende Flure und Quartiere. Und wenn man in das Casino eine Blume stellt, ist es plötzlich das Arboretum. Angeblich sind die Enterpriseseses und ihre Schwesterschiffe Forschungsschiffe. Aber wie die anderen Forschungsabteilungen aussehen, hat man nie oder nur in Ansätzen erfahren (leerer Raum mit einem Bildschirm: wahlweise Stellarkartographie, Biolabor, Kindergarten, etc.). Jede Führung durch ein drittklassiges Krankenhaus oder Verwaltungsgebäude – ist spannender als das in 43 Jahren gezeigte Innere von Föderationsraumschiffen. Jedes große Unternehmen hat spektakulärere Räumlichkeiten als die NCCs. Jedes AIDA-Kreuzfahrtschiff ist komplexer und abwechslungsreicher als eine Galaxy-Klasse.

    Wenn ein Problem auftritt, wird es von den Führungsoffizieren persönlich in den bekannten Räumlichkeiten gelöst. Die übrigen 400-1.000 Besatzungsmitglieder sind nur mit Ein- und Ausatmen oder Sterben beschäftigt.

    Obwohl die Schiffe mehrere hundert Meter lang sind, gibt es keine größeren Abteilungen oder mehrstöckige Räume (vgl. die Einkaufsmeilen in modernen Kreuzfahrtschiffen), sondern nur Aneinandereihungen von kleinen sterilen Kabinen, in denen maximal 2-3 Unterleutnants sinnlos auf bunten Bildschirmen rumtippen. Alle technischen Probleme löst der Chefingenieur, alle diplomatischen, historischen, archäologischen der Captain, alles was nur entfernt mit Bio oder Chemie zu tun hat, regelt der Schiffsarzt, usw. Nur in ganz wenigen Folgen, wie z.B. „Datas Tag“ wurde andeutungsweise darauf eingegangen, wie die Schiffe wirklich organsisiert sind und welche verwaltungstechnischen Probleme etwa bei der Zuteilung der Ressourcen auftreten.

    Die Beschränkung auf die bekannten Kostellationen (Captain, Nr. 1, Doktor, Chefingenieur, Sicherheitschef, Steuermann, usw.) ist mehr als öde, die Innenarchitektur der Schiffe Beleg für totale Einfallslosigkeit und mangelnde Kreativität.

  16. Jack sagt:

    Nunja, die räumlichen Beschränkungen sind dem Serienbudget geschuldet. Und eine mehrstöckige Einkaufspassage gabs z.B. auf DS9.

    Was diese eher ‚menschlichen‘ Stories angeht, ists prinzipiell ein sehr guter Ansatz, nur sollte (und wollte auch einst) Star Trek eine positive Zukunftsperspektive zeigen. Dazu gehört – finde ich – auch dazu, dass diese ganzen menschlichen Kleinkriege gefälligst in der Realität bleiben. Bitte nicht falsch verstehen: Glaubwürdige, lebendige Charaktere, die etwas schräg drauf sind, würde ich auch begrüßen. Aber einfach die Gegenwart hernehmen und so tun, als wäre es die Zukunft, würde dem Ganzen nur Glaubwürdigkeit rauben.
    Ich finde, Star Trek darf durchaus eine Space-Opera sein. Ganz ohne Soap. Es steht und fällt halt mit seinen Drehbüchern und vor allem den IDEEN, die die Macher einbringen.

  17. Donald D. sagt:

    G.G. Hoffmann ist einfach zu alt oder zu modern für das TV und insbesondere für Science Fiction. Ich gucke zwar auch gern „Desperate Housewives“, aber eine Star Trek Version davon… neeeeeeeeeeeee danke! Science Fiction soll Science Fiction bleiben. Irgendwelche Kleinkriege unter den Crewmitgliedern will ich nicht mehr sehen. Da bin ich bei „Battlestar Galactica“ schon mehr als ausreichend versorgt, weshalb ich mir den Spin-off „Caprica“ gar nicht erst anschauen werde. Scheint, nach Klapos Rezension zum Pilotfilm zu urteilen, auch nur „Dallas“ im All zu sein. Aber im All muß es krachen, rummsen und flotte Sprüche hallen!!! Ab und zu ein fieser Gangster und ein cooles Raumschiff und ich bin mehr als zufrieden. Was das angeht bieten „Star Trek“ und „Stargate“ aber auch „Torchwood“ (Wo bleiben die Rezensionen zu Staffel 2, Klapo?) und „Doctor Who“ mehr als genug Stoff. Zwischenmenschliche, hochtrabende, nie endende Keileren sollten bei einer Sci-Fi Show sofort ins Schwarze Loch geschmissen werden.

  18. Terek sagt:

    Hmm, sowas was Sparkiller als „GGH Gütesiegel“ Serie beschreibt, gab es schonmal. Allerdings als Film und nannte sich, glaub ich, Darkstar. Zwar ohne Toilettenpapier, aber dafür mit Weltraumtomate und existenzialistischer Bombe…

    P.S.: Mal wieder ein super Review. Ich sollte echt aufhören sowas in der Bibliothek zu lesen. Die Leute gucken immer so komisch, wenn man grenzdebil vor sich hinkichert…

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