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Star Trek Enterprise – 1.06 – „Terra Nova“ Review



Möglicherweise ist es nur meine bescheidene Meinung, aber ST-Episoden, die im Neandertal spielten, waren in der Regel nie sonderlich spannend…

Nein, generell habe ich nichts gegen ein paar Höhlenmenschen, die unsere Helden abwechselnd für Götter, Monstren und Faustkeil-Vertreter halten! – Und pragmatische Anführer mit Gesichtsbemalung haben spätestens seit „Braveheart“ bei mir einen Kalkstein im Brett…

Feuerstellen? Auch kein Problem! Nichts lässt sich schöner auspinkeln!

Aber wenn Fred Feuerstein die Hauptrolle in einer ST-Folge spielt, werde ich dann doch misstrauisch. Da haben wir nämlich ein so wunderschön hässliches Raumschiff mit der tollsten Technologie aus deutschen U-Booten, aber die Story versandet zwischen Buschtrommeln, Speerspitzen und Geröllhaufen. – Gegen Ende durchaus wörtlich zu verstehen! Da fühle ich mich stets an jemanden erinnert, der mir unglaublich viel bedeutet. Nämlich an MICH! Genauso gut kann man nämlich seine Zeit damit verplempern, seiner Omi von einer brandneuen Einrichtung namens „Nachkriegszeit“ zu berichten…

Ähnlich langwierig gestaltete sich die 6. „Enterprise“-Episode: Der Zuschauer hatte in der überraschungsentschlackten Story den völligen Durchblick und schaute mit Unverständnis auf die Höhlenbewohner, die den Staub aus ihrer Jutesack-Garderobe schütteln und auf der geistigen Standspur längere Pausen einlegen:

„Das hier ist unsere Heimat. Wir wollen hier nicht weg!“

„Aber euer Wasser wird vergiftet werden! Ihr werdet alle sterben!“

Ein verständnisloser Blick räkelt sich gemächlich unter den wulstigen Augenbrauen. Dann kommt der Schlammliebhaber mit vorgehaltener Hand näher und gibt flüsternd sein unfassbares Geheimnis preis:

„Hier Heimat. Nix weg.“

„Hallo? Ihr könnt hier nicht überleben! Entweder ihr verlasst den Planeten oder siedelt euch hier woanders an!“

„Nix hören auf fremdes Mann! Heimat! Hier! Basta sein! – Will noch jemand rohes Fleisch?“

Fesselnd! Atemberaubend! Nervenzerfetzend! Mit oder ohne Basilikum?

An dieser Stelle der vollkommen objektiven Kritik wollen wir kurz die Story zusammenfassen…

Wir schalten um zu unserem temporalen Auslands-Korrespondenten in der Bronzezeit:

Die Enterprise-Besatzung ist sauer! Seit Jahrzehnten lassen die Besiedler eines fernen Planeten kein Sterbenswörtchen von sich hören: Weder rufen sie an, noch schreiben sie an den Feiertagen. Da man ja nun die Enterprise besitzt, fliegt man mal gerade hin, um nach dem Rechten zu sehen.

Die Kolonie wirkt auch prompt wie ausgestorben, bis die Mannschaft auf ein Höhlensystem trifft, in dem die Nachfahren der eifrigen Siedler herumvegetieren.

Dort hat sich innerhalb von nur 3 Generationen bereits eine Art neue Kultur gebildet: Liebevoll aufgetragener Dreck im Gesicht ist genauso „In“ wie bunte Flecken am Kinn. Die modische Unversehrtheit wird jedoch vom Außenteam schwer gestört: Die Felsenmänner schwören Stein und Bein, von giftigem Regen in den Untergrund getrieben worden zu sein. Doch statt sich über Archers Besuch zu freuen und die Festtags-Felsendekoration aufzustellen, werden Maschinengewehre ausgepackt. Man vermutete seit langem einen menschlichen Angriff hinter dem damaligen Regen. Der logisch denkende Zuschauer weiß natürlich in diesem Moment, dass dies Blödsinn ist… Wie und warum sollte das am Arsch des Alls auch möglich gewesen sein?

Tatsächlich: Ein Meteoriteneinschlag war der Übeltäter und verseucht noch heute das Grundwasser.

Doch wie in der Einleitung schon ausgeführt, stößt man auf ebenso taube wie ungewaschene Ohren…

Der Fehler der Geschichte ist hierbei, dass man die Nachfahren der ersten Siedler (von denen vereinzelte noch leben) einfach nicht ernst nehmen kann: Glatt rasiert gehen sie in den Düsterhöhlen ihren nicht näher definierten Beschäftigungen nach. Die wenigen, die man sieht, haben das typische ST-Statisten-Alter und konzentrieren sich darauf, männlich zu sein und unglaubwürdig zu wirken…

Das Ende kann man ebenfalls nur als misslungen bezeichnen:

Wissend, dass es irgendeiner Katastrophe bedarf, um die halsstarrigen Schmutzfinken zu überzeugen, ließ man diesmal ein gelandetes Shuttle im Erdboden versinken. Plumps, natürlich mitten in die Wohngemeinschaft des lichtscheuen Gesindels, um als netten Nebeneffekt wenigstens noch ein bisschen dramatische Orchestermusik und Actionszenen verteilen zu dürfen…

So baumelt Archer für Sekunden am Felsvorsprung, da ein eingeklemmter Höhlenbewohner in Bedrängnis geraten ist. Das Ende ist absehbar: „Nun bist Du dran, mir zu vertrauen!“ ruft der Captain und rettet die Situation… Noch unter diesem Einfluss gelingt es Höhlen-Oma innerhalb von 2 Sätzen, den Anführer von einem Umzug zu überzeugen. Gerade rechtzeitig zur abschließenden Mampf-Orgie der Hauptcrew, die wirklich obligatorisch zu werden scheint…

Fazit:

Die 6. Folge darf als bisher schwächster „Enterprise“-Auftritt gelten. Die Idee ist, wie bereits schon bei den Folgen 3 und 4 nicht gerade neu. Ganz entfernt erinnert der Stoff an die TNG-Folge „Radioaktiv“, während wir unbeirrbare Felsenbeißer bereits schon in den letzten 4 Trekserien zur Genüge begähnen durften. Das Drehbuch lässt diesmal jene Frische vermissen, die bislang den Unterschied zwischen Voy-Massenware und Ent-Abwechslung ausmachte.

Gut: Ausstattung und Kulissen sind immer noch auf leicht gehobenem Niveau, wenn man denn bereit ist, staunend vor Höhlenkulissen niederzuknien, die man in „Strange New World“ schon schöner gesehen hat…

Note: 4

(dk)


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Artikel

von Klapowski am 01.01.03 in Star Trek - Enterprise

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Kommentare (1)

  1. Gast sagt:

    Jo, diese Folge hätten sie sich sparen können. Aber so freut man sich mehr auf die "Rosinen".

    Gruß

    Waldi

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