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Star Trek Enterprise – 1.05 – „In guter Hoffnung“ („Unexpected“) Review



Wie machen die das nur?

Noch vor dem Vorspann der neuen Folge wird mit zwei meiner persönlichen ST-Ärgernisse aufgeräumt:

Da wäre einmal diese bescheuerten Schallduschen! Sie sind nämlich nicht da! Und das ist auch gut so! – Mag ja sein, dass diese Dinger normalerweise effizienter sind, vor allem, da die althergebrachte Reinigungsmethode bereits seit Jahrmillionen hoffnungslos veraltet ist. Seit „Wasser 0.98 Beta Ver.“ Waren ja auch keine nennenswerte Neuerungen mehr zu erwarten. Aber ist es wirklich befriedigend, in einer Duschkabine zu stehen, während surrend 15-Watt-Boxen aus den Wänden fahren und mittels „Modern Talking“ den Dreck in den Poren zur panischen Flucht animieren? – Schalldusche! So ein Quatsch! Fehlte ja nur noch, dass sie den Toast schreiend anschimpften, um ihn zu bräunen!

Doch nicht hier! Hier gibt es noch echtes Wasser, das den Körper des Captains zart streichelt und den ST-Zuschauer zu folgender Gedankenkette verleitet:

„Guck mal an. Sieht aus wie ich, wenn ich mich morgens auf die Hauptschule vorbereite. Damit kann ich mich identifizieren. Captain Archer ist wie ich. Da schalte ich doch nächste Woche wieder rein, um zu sehen, ob ihm das Marmeladenbrot auch immer mit der Oberseite auf die Hose fällt!“

Eine sehr gewiefte und noch dazu gelungene Taktik der Macher!

Und dann diese schöne Schwebeeinlage der Wasserkugeln, als plötzlich die Schwerkraft mal für kleine Naturgesetze geht! Bei TOS bis VOY immer mal erwünscht, und nie passiert! Herrlich! Da hatte wohl noch jemand Geld übrig, was?

Doch als Archer duftend und aprilfrisch aus dem Bad steigt, beginnt schon wieder der Ärger: Zahlreiche Fehlfunktionen berufen ihre Jahreshauptversammlung ein und „Warp“ bleibt ein Traum hemmungsloser Optimisten. Die Erklärung: Ein mysteriöses, getarntes Schiff lutscht hemmungslos am Plasmaausstoß der Enterprise herum. Die Aliens, nichts Böses im Schilde, wünschen sich jedoch nur eines sehnlich: Die Reparatur ihres Antriebs. Was tut unsere blauäugige Trümmercrew mit ihrer unterlegenen Technologie nun also dagegen? Genau! Man schickt den eigenen Chefbastler herüber, um bei der Reparatur behilflich zu sein. „Ist ja bekanntlich nichts leichter als das!“ ruft da der VW-Fließbandarbeiter und meldet sich bei der NASA, Spaceshuttles zusammenschrauben… Nachdem die üblichen Trek-Fehler nun schon seit 4 Folgen ein trauriges Dasein in der ST-Besenkammer fristeten, scheint hier bereits wieder eine Art Nostalgie zuzuschlagen…

Denn:

Hallo?

Das unbekannte Schiff (und das Wort „unbekannte“ ist nicht der Vorname des Vehikels, liebe Autoren) hat eine Tarntechnologie, an den Wänden wachsen Fruchtattrappen, von dem Holodeck ganz zu flüstern! Sind solche Wesen auf menschliche Schüler-Praktikanten angewiesen? Wie, „ja“?

Was soll das denn heißen?

Ungeheuerlich! Setzen! Wir schreiben jetzt einen Test!

Davon abgesehen, kann das Schiff der Fremden nämlich durchaus überzeugen: Noch immer wirken die Wesen mysteriöser und unheimlicher als die spießigen Krebswucherköpfe aus den Vorgängerserien. Dank sei da einem ganz bestimmten Stilmittel: Was Tucker nicht weiß, macht Trekkies heiß.

Als unser Schraubendreher beispielsweise auf dem Schiff ankommt und erst einmal eine kleine Ewigkeit in einer Kammer eingeräuchert wird, kann man den leicht panischen Unterton in seiner Stimme durchaus nachvollziehen. Als Ami-Nichtraucher rechnet man ja gleich mit dem Schlimmsten: Einer fetten Havanna. Anthrax. Paramount-Trockeneis aus Taiwan…

Bei Voyager (die beliebten „bei Voyager“-Einschübe in ENT-Kritiken sind eingetragenes Warenzeichen von ST-enterprise.de) hingegen wäre Torres mit ihrem Low-Budget-Grimmgesicht unbeeindruckt in dem „unbekannten“ Schiff herumgetrampelt und hätte sich ungefähr so fremd gefühlt wie ein Trekkie bei Burger King.

Nicht so hier: Erst einmal wird Tucker furchtbar schlecht und er kann sich nicht konzentrieren. – Unter Sat.1-Zuschauern auch das „Voyager-Syndrom“ genannt…

An dieser Stelle fällt auch wieder auf, dass die Enterprise-Kulissen einfach schöner wirken als alle vorhergehenden. Hier wurden nicht einfach vergilbte TNG-Spanplatten mit Tippex ausgebessert, sondern jede Konsole macht einen frühlingsfrischen Eindruck. Auch über Durchschnitt: Die Masken. Statt die Kronkorkensammlung des Maskenbildner-Sohnes mit Bürotackern großzügig auf alle Köpfe zu verteilen, gibt es Glatzenhauben für den ganzen Kopp…

Was für einige Diskussionen sorgen wird, ist natürlich das Holodeck an Bord des Schiffes. Einerseits kommen die Fremden von weit her und haben natürlich das verflixte Recht, mit Hilfe ihrer überlegenen Technologie so viele Holowände aufzubauen, wie man für eine passable Auflösung von 1024 x 768 halt braucht. Und da Tucker und seine braune Begleitung (nein, kein Gästebuchschreiber unserer Webseite) eigentlich nicht groß mit ihrer Umgebung interagieren (können?) und die Technologie keinerlei Lebewesen darstellen kann, wirkt die Holokammer noch etwas mehr wie ein 3-D-Kino. Ich neige also dazu, zu sagen: Drauf geschissen! Solange wir in den nächsten Staffeln davor verschont bleiben, dass die Technik auf die Sternenflotte übergreift und Archer als Captain Proton ein Loch in die Holomatrix prügelt, sei es den Autoren verziehen…

Doch das eigentliche Thema der Folge ist ja Tuckers Schwangerschaft. Bei einem telepathischen(!) Spiel, bei dem lediglich die Hände in eine Art futuristische Popkornschüssel getaucht werden müssen, ist es passiert! – Das klingt nicht nur haarsträubend, sondern ist es auch… Da die Idee aber dennoch ziemlich schräg ist und es sich hier ja um eine humorvolle (Pruust) Folge handeln soll, sei dies den Autoren ein weiteres Mal verziehen.

Die 2. Hälfte der Folge lässt mich jedoch zwiegespalten zurück: Als Tucker seine Schwangerschaft bemerkt, ist das fremde Schiff schon über alle Subraumberge und ein fremdes Alien wächst in den Eingeweiden heran. Keiner weiß, ob die Schwangerschaft nicht wahnsinnig gefährlich ist, von den Brustnippeln, die plötzlich im Raum der Pulsschlagader neugierig in die Welt hinausschauen, ganz zu schweigen. Ich empfehle an dieser Stelle auch das Studium des Logbuchs einer gewissen „Ripley“, Lieutenant…

Was machen jedoch Phlox, Archer und T`Pol?

Lachen sich einen Ast ab! Phlox grinst ebenso nuschelnd wie belustigt aus der Wäsche, Archer kann sich das Lachen kaum verkneifen und T`Pol bemerkt trocken (aber zugegebenermaßen humorvoll):

„Eines der ersten Dinge, die Diplomaten lernen, ist: Stecke deinen Finger nicht in etwas, wohin er nicht gehört!“

– Hahahaha! HUHUHU! GRAHAHA!

Ich hätte sie wohl umgebracht…
Lang und schmerzhaft.
Ja, das hätte ICH wohl gemacht…

Während der Suche nach dem fremden Schiff beginnt sich Tucker dann auch prompt, seltsam zu benehmen, trägt „Umstandskleidung“ (umherschlabberndes Stefan-Raab-Hemd), entdeckt in einem schwachen Moment sogar Gefahrenstellen für „kleine Außerirdische“ und beginnt hemmungslos zu fressen, während Archer zwischenzeitlich so aussieht, als wolle er jede Sekunde sein Essen gegen den Deckenstrahler prusten.

Durchaus spaßig, aber angesichts der Situation auch ziemlich doof und unkollegial… Mobbing gar!

Das Ende kann sich einigermaßen sehen lassen: Die konservativen Klingonen (Schlacht, Mord, Kaputt-tret) können nur durch ausgiebiges Taktieren („Was habe ich nicht alles für euch getan! Und was tut IHR für MICH? Ich zieh` zurück zu meiner Mutter!“) davon abgehalten werden, das fremde Schiff zu vernichten. Dafür werden sie denn auch mit der Holotechnologie belohnt, die sie hoffentlich verbrennen, frittieren oder durch einen Festplattenabsturz verlieren werden.

Fazit:

Halb doof, halb lustig. Die Ausstattung kann sich zum wiederholten Male sehen lassen und das ängstliche Herantasten an Trek-Faktoren, die wir schon seit Jahren kennen, ist noch immer die eigentliche Stärke der Serie. Nun wird es aber langsam auch einmal Zeit für eine NEUE Idee, die für richtig echte Spannung sorgt…

Note: 3+

(dk)


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Artikel

von Klapowski am 01.01.03 in Star Trek - Enterprise

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Kommentare (1)

  1. Gast sagt:

    "I can see my house from here"… Ganz großes Kino. :-D

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