Das ernsthafte Medienmagazin

Computer? Es werde Licht!

In der Anfangszeit unserer Seite testeten wir noch fleißig ST-Produkte auf Herz und Nieren. Wegen eines Leberschadens mussten die Prüfungen, die allesamt im Vollrausch stattfinden müssen, jedoch für eine ganze Weile ausfallen. Doch nun sind sie wieder da! – Überteuerte Geldscheinsärge für jene Zielgruppe, die auch vor einer Mayweather-Charakterfolge zuverlässig auf die Knie sinkt…

LINK: Neues vom offiziellen ST-Shop

„Geil! Ab jetzt kannst du die Lichter deines Raumschiffes mit einem interaktiven Stimm-Modul kontrollieren! Dabei ist es ist in ein Standard-Design integriert, bestätigt die Lichtkommandos mit der Computerstimme der Föderation (Majel B. Roddenberry), beinhaltet die originalen Star-Trek-Soundeffekte UND nutzt das normale Stromnetz der Erde als Energiequelle!“

So etwas Praktisches hat unsere Redaktion schon lange gesucht! – Und damit meinen wir nicht nur einen funktionierenden Stromzugang in unserer Medienbaracke!

Gerade das Design, bestehend aus Raucherzimmer-Weiß mit blutroten, warpgondelähnlichen Verdickungen, denen man eine Krebsvorsorge-Untersuchung dringend ans Herz legen möchte, hatte uns auf Anhieb überzeugt! Mit TOS-Design kann man im Jahre 2003 ja auch nicht wirklich etwas falsch machen…

Auch Humor kommt hier nicht zu kurz! „Caution! Active Plasma Relay!“ brüllen einem die Seitenränder entgegen und stellen somit den durchaus legitimen Versuch dar, auch noch den letzten Tech-Krempel mittels herbeigeprügeltem Star Trek-Bezug zu verkaufen. Wir warten jedenfalls schon auf Luftbefeuchter mit „ACHTUNG! Lebenserhaltungssystem!“-Aufschrift. Denn jeder Trekkie weiß schließlich: Fällt die Lebenserhaltung (Luft, Wasser) aus, erstickt man innerhalb von Minuten. Für eingefleischter Wenig-Lüfter wie mich, der Fenstergriffe nur mit der Kneifzange anfasst, ist dies natürlich ein durchschaubares Ammenmärchen…

Jedenfalls ergibt hier der Warnhinweis, zusammen mit Plastikphaser und Latex-Klingonenmaske, ein atmosphärisches Puzzle, das zusammengesetzt durchaus als Verhütungsmittel in unserer Wohnung taugt. Sogar meine eigene Mutter würde sich hüten, eine Wohnung aufzusuchen, deren Fußboden mit Tretminen aus „Aktiven Plasma-Relais“ gespickt ist. Sie könnten schließlich Flecke geben.

So bestellten wir für läppische 79 $, was nach dem aktuellen Wechselkurs etwa 28 € sind, dieses praktische Trek-Spielzeug… Als wir das Paket dann endlich geliefert bekamen, wären Sparkiller und ich vor Freude dann auch fast zusammengestoßen! „Bist du das, Daniel?“ – „Ich habe keine Ahnung! Hier sieht man ja seine Hand vor Augen nicht!“

Jaaa! Endlich Licht! Nie mehr aufstehen, oder (fast genau so schlimm) sitzen bleiben beim Griff nach der Schreibtischlampe! Als Trekkie ist man ja schon ein bisschen faul und überlegt sich jede Richterskalaeinheit auf seinem anatomischen Fast-Food-Entlager dreimal! Mit speckigen Bäuchen und Bratfett in den Haaren saßen wir dann also schwitzend da, nachdem alles ordnungsgemäß verkabelt und programmiert war. – Das EKG des zwischenzeitlich herbeigerufenen Notarztes eingeschlossen.

Dank eines Handbuches „Visual Basic“ und einem sehr sympathischen Telefon-Support, irgendwo aus Nordchina (viele Grüße an deinen Mann, Ling! Sind die Hämorriden besser geworden?) sollten sich die 7 Überstunden schon bald auszahlen. Zumindest auf unserem Girokonto.

Als erstes nutzte Sparkiller die Gunst der – inzwischen nächtlichen – Stunde und forderte unverblümt: „Computer? Mach ma’ Licht, damit ich was sehen kann, ja?“.

Nur das andächtige Brummen des beigefügten 40-Dezibel-Netzteils antwortete in die Dunkelheit hinein.

„Versteh’ ich nicht! Bei Picard reicht das doch auch als Kommando!“

„Vielleicht liegt`s an den Haaren?“

Sogleich erinnerten wir uns, dass wir ja bereits feste Sprachkommandos einprogrammiert hatten… Eine demütigende Kleinarbeit, die in der beschönigenden Welt von Star Trek bisher einfach verschwiegen wurde. Oder hat schon mal jemand Sisko kniend, mit zwischen Heizkörper und Zimmerpalme eingeklemmten Kopf gesehen, wie er auf ein unschuldiges Stück Aluminium einbrüll… – programmiert, während überraschend hereintretende Besucher nur das vor Ungeduld bebende Hinterteil ihres Captains erspähen? – Wir auch nicht!

Wer seine Zimmerphotonen bequem per Verfluchungen steuern möchte, braucht viel elektronisches Geschick, Konzentration und somit eine ballststoffreiche Ernährung. Wer sich auskennt, kombiniert schon mal…

„COM-PUT-ER! LAM-PE AUF SCHREIB-TISCH EIN-UND-ZWAN-ZIG BIT-TE… AK… AK… TI – Sparkiller? Wie trennt man Ak-ti-vie-ren?“

Wir entschieden uns, die Kommandos noch einmal etwas kürzer einzuprogrammieren. Ab jetzt genügten so simple Worte wie „Lampe 1 ein!“ oder „Lampe 2 aus!“.

„So! Jetzt bin ja mal gespannt, wie zuverlässig diese Sprachsteuerung ist!“

Kaum hatte ich das gesagt, da fühlte sich die Deckenlampe auch schon angesprochen. Jedenfalls nur kurzzeitig. Als Sparkiller vor Freude auf eine Colaflasche, natürlich „light“, trommelte, ging das light auch schon wieder aus.

„Hey!“ – Licht wieder an.

„Stell mal die Wortähnlichkeits-Empfindlichkeit runter!“ befahl er in blitzender und blinkender Disco-Atmosphäre. Das hätte er besser nicht tun sollen! Denn als ich diensteifrig an das Gerät herantrat, musste ich wohl den Knopf auf der Oberseite berührt haben, der sinnigerweise auf der Oberseite angebracht ist („push to erase all data“).

Ein verwüstetes Nachbarbüro (G.G. Hoffmann) und 8 Rick-Berman-Scherzanrufe später, erhellten sich unsere Gesichter wieder auf bewährtes Schweinchenrosa. Nachdem alles wieder neu einprogrammiert war und wir eine großflächige Baustellenabsperrung um das Modul angebracht hatten (Die Blinklichter koppelten wir clevererweise an das laute Ticken der Redaktions-Standuhr), schien es tatsächlich zu funktionieren. „Licht 1 an!“ rief ich mehrere Dutzend Male, bis das vergnügte Kichern endlich aus meiner Stimme gewichen war und das diensteifrige Gerät diese auch als solche erkannte.

Die Situation drohte jedoch kurz darauf zu eskalieren, als sich herausstellte, dass das Gerät nur reagierte, wenn ich die Kommandos gab. Immerhin hatte ich sie auch einprogrammiert… In Folge dessen bekam Sparkiller plötzlich ein Glänzen in den Augen, das mit Angst machte…

„Harharhar! Danke, Mr. Klapowski, dass sie mich so weit geführt haben!“ Mit einem Male sah er für mich aus wie Klaas Klever. „Jetzt, wo wir es geschafft haben, werden ihre Dienste nicht mehr benötigt, HARHARHAR! – Nun ist alles MEIN! Los, Jungs! Kommt rein und werft ihn zu den anderen!“

Als eine halbe Minute später noch immer niemand eingetreten war, kämpfte sich Sparkiller zu einer verdrucksten Entschuldigung: „Ich weiß auch nicht. Es kam einfach so über mich! – Trotzdem will ich auch das Licht bedienen dürfen!“

Wir einigten uns auf Befehlskombinationen, die nur dann funktionierten, wenn wir beide die Worte abwechselnd sprachen…

Es fehlte nur noch der Stolz eines glücklichen Merchandising-Besitzers, der als Gegenleistung für seinen aufgenommenen Disopkredit zurecht auch etwas Aufmerksamkeit anderer Menschen erwarten kann! Der nächste Morgen im Redaktionsgebäude war dann auch wie im Paradies! Obwohl zwischen 6 und 21 Uhr die Sonne normalerweise so ausgiebig in unsere Büros brutzelt, dass unsere 22.-Jahrhundert-Plastikraumschiffe inzwischen fast wie Archer`s ENTERPRISE aussehen, brüllten wir so unauffällig wie möglich in den Flur hinaus:

„DU-HUUU? SPARKILLER??“

„JAAA? WAS KANN ICH FÜR DICH TU-HÄN?“

„ES IST ETWAS DUNKEL HIER, FINDEST DU NICHT AUCH?!?“

„JA, DAS STIMMT! LASS UNS DOCH MAL DAS LICHT ANMACHEN!“

Aus den Augenwinkeln sahen wir, dass tatsächlich zwei Kollegen hereinblickten und etwas murmelten, wie: „Ach, das sind wieder unsere Herren Satiriker!“, wobei sie bei dem Wort „Satiriker“ mit Zeige- und Mittelfinger kurz in der Luft auf- und abwedelten.

„Lampe“

„eins“

„an!“

Erst brannte ein Plasmarelais durch, dann die ganze Belegschaft. Das brennende Stück Technik ließ in seiner Todesangst noch einmal sein ganzes (Nacht)Leben an sich vorüberziehen und spuckte Dialoge aus, von denen wir Gestern Nacht glaubten, sie wieder gelöscht zu haben.

„Ich weiß, Sparkiller, ich sollte das hier nicht so offen sagen, aber mein ST-E.de-Admin-Passwort lautet: ‚wio7452’. Benutzername ‚Klapowski’!“

„Halt lieber die Klappe und such’ mit mir die Aufnahmetaste!“

Das zweite Plasmarelais brannte mit einer hellen Stichflamme durch. 79 $ gingen nun dorthin, wo sie noch nie ein Mensch zuvor haben wollte. Während die handschriftlich geschriebenen „Fight Club“-Folgen 83 bis 179 in Flammen aufgingen und der Alarmton des Redaktionsgebäudes anschwoll, lächelte in einer der noch weniger angesengten Zimmerecken ein stolzer Klingone von einer leeren Verpackung. Mit der Rechten eine Glühbirne einschraubend und sich mit der Linken an der Klappleiter festhaltend…

Star-Trek-Merchandising, wir werden dich immer lieben…


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Artikel

von Klapowski am 15.06.03 in Das Test-Labor

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Kommentare (16)

  1. Gast sagt:

    Die vulkanische-Gummiohren-Skala fehlt

  2. Klapowski sagt:

    "Ene-Mene-Miste… Die Ohren rappeln in der Kiste…"

    Aha! Es sind immerhin noch 3 geworden!

    – So besser?

  3. Gast sagt:

    Aber sowas von besser. Ich war schon ganz haltlos, verwirrt, alles woran ich glaubte ist über mir zusammengestürtzt, usw usf, aber jetzt ist wieder gut

  4. Gast sagt:

    das kleine männchen auf meiner schulter sagt, ich solle meinen sähnv dazu geben… also tue ich das.
    *sähnvdazugebundso*

  5. nakedtruth sagt:

    Betrug! Skandal!

    Ein Produkt das die ST-E.de Redaktion gleichmäßig und günstig niederbrennt, in die Luft jagt oder einfach nur eine bunte Verpackung hat verdient doch wohl 4 Ohren! Oder 5 Stirnknubbel! Oder einen Voy-Schuss (1 Million Tote intelligente Aliens)

  6. Gast sagt:

    Selten so gelacht, aber was macht Klapowski denn HIER:
    http://www.shoppark.de/cgi-bin/abrakadabra.cgi?id=27621

    Mfg
    Randy Martini

  7. Gast sagt:

    So langsam mach ich mir Sorgen um Klapowski.
    Ich meine:
    Er schaut sich Filme mit Dennis Quaid an.
    Er erzeugt sein eigenes Alter-Ego
    Und er kauft unnützes Zeug, wie ein Spracheingabegerät.

  8. Gast sagt:

    Warum verkaufen die eigentlich nicht Kosmetik mit dem Gesicht von Data ?

  9. Gast sagt:

    Nun. Männer die sich schminken.
    geschminkte Männer=schwul.
    Trekkis:schwul=Glashaus:Stein
    Es verträgt sich nicht.

  10. Ranma sagt:

    Da hat einer die Lehren der Stus-Väter aber gelernt…

  11. Klapowski sagt:

    Hey, psss! Um mal ein Geheimnis zu verraten:

    Der Gästebuchschreiber im alten Gästebuch war nicht ICH! Es handelte sich vielmehr um den Gewinner der ersten Bundesdeutschen Klapowski-Imitationsweltmeisterschaft.

    Tja! Da seid ihr aber mal wieder schön reingefallen.

    Da hat euch Reihmut Seppelstedt aus Birkenrode aber ganz schön verschaukelt, wie? Recht so!

    Jetzt können die Berufsnostalgiker und andere TOS-Gucker aber auch wieder in`s NEUE Gästebuch wechseln!

    – Können sie aber auch lassen…

  12. Gast sagt:

    Ach komm Klapowski, mal wieder im Vollrausch gewesen und das alte Gästebuch zugemült. Man fasst es nicht. :-)

  13. Gast sagt:

    ein neuer eintrag, war es diesmal der echte daniel k.???????

  14. Gast sagt:

    deutschland sucht den su… ähm, ich meine:
    klapowski?
    erhöre unsere rufe!

    dani

  15. Gast sagt:

    Daniel K. – Superstar!

  16. Gast sagt:

    zum glück heiss ich daniel h. ;-)
    auch, wenn es sich reimt…

    dani

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