Film- und Serienkritiken

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Star Trek XI – Neues vom Ballermann (REVIEW)

“Der Weltraum, unendliche Explosionen. Dies sind die Abenteuer von… irgendeinem bewaffneten Bumm-Bumm-Kahn vor einer schwarzen Sternentapete. – Kann ich jetzt bitte mit dem intellektuellen Intro-Gelaber aufhören und irgendjemanden verprügeln oder erschießen? Danke!“ – Keine Zeit mehr zu verlieren. Keine Kompromisse. Kein anderes Review. Kein anderes Bier!

Vorspann:

Misshandelte Kinder zeigen häufig ein und das selbe Verhalten: Sie schreien, spucken und reißen sich die Haare aus (und stecken sie sich gleich wieder rein – aufmüpfig halt!), sobald das Jugendamt sie von ihren Eltern trennen will. Und genau so reagierten wir auch auf unsere Zwangstrennung von Papa Berman und Mama Braga! – Damals in der schockierten Presse auch bekanntgeworden als der „NEMESIS-Zwischenfall“.

Obwohl diese asozialen Erziehungsverdächtigen jedem von uns brennende Zigaretten und Warpstäbe auf dem Arm ausgedrückt und uns wochenlang im (abgeschalteten!) Holodeck eingesperrt hatten, wollten wir nicht so recht gehen! Vielleicht, weil wir es vor gramgebeugter Scham auch gar nicht mehr konnten… Okay, zugegeben, wir waren verwahrlost, rochen wir ein Klingone nach dem rituellen K’ot im M’aul und hatten panische Angst, wenn in den Abendnachrichten die Worte „Voyager-Mission“ fielen, aber dennoch waren Berman/Braga alles, was wir kannten! Wir wollten partout nicht in die Pflegefamilie von Herrn Abrams, wo alle den ganzen Tag lächelten, als hätten sie Blockflötenunterricht mit einer gehörigen Portion Crack und einer Schlaganfallslähmung gemischt…

Doch nach 3 Jahren Dauerstreit in Internetforen und sogar zwischen meinen eigenen Hirnzellen („Ich will altes Trek!“ – „Ich will neues Trek“ – „Ruhe, ihr beiden! Ich will Firefly gucken!“) ist mir inzwischen alles egal. Irgendwann gibt man halt auf und die letzten Widerstände ab. Man kann nicht jahrelang den ganzen Tag „Sequels sind doof und Scheiße und Hausaufgaben stinken“ rufen, während die Abram’sche Pflegefamilie andere (dankbarere) Fans adoptiert, die daraufhin von Papa Grinsebrille viel lieber als wir gehabt werden! – Und außerdem kommen wir ja auch langsam in das Alter, in dem wir wehrdienstpflichtig werden, wie man den ersten Actiontrailern zu „Star Trek 11“ unverkennbar entnehmen konnte. Zeit also, um endlich erwachsenen zu werden und den Tat- und Todsachen gelangweilt bis vorsichtig interessiert ins Auge zu starren…

Von daher: Hinfort mit allem, was zuvor geschrieben wurde, hinweg mit Gerüchten, Vorabmeinungen und dubiosen Internetmeldungen („Letzte Drehbuchseite im Kaffeesatz von Daniel Räbiger gefunden!“). Ab dem Trennstrich zählt nur noch eines: Der Abend des 6. Mai 2009. Klapowski sitzt entspannt und (inzwischen) fast vorurteilsfrei in der deutschen Vorpremiere.

Vorhang auf, Review ab!

– Äh… Möchte vorher vielleicht noch jemand ein Eis?


Besprechung (einige Spoiler enthalten!):

Die erneute Zusammenfassung der Story erspare ich mir mal. Es geht um einen irren Romulaner mit Megaschiff, der Kirks Vatter kaputtgemacht hat. Als dieser Jahre später wieder auftaucht (Der Romulaner, nicht der Vatter), droht sich die Geschichte zu wiederholen. Und zwar just, als Spock, Kirk und die anderen Hottentotten zu ihrem ersten großen Weltraumabenteuer aufbrechen. Natürlich geht es auch um Zeitreisen und um die Rettung von ganzen Planeten… Und darum, einen gebrechlichen Leonard Nimoy (allein die Synchronstimme klingt wie knisterndes Altpapier, vermischt mit dem Pfeifen einer Herzlungenmaschine) für ein paar Minuten im Film zu zeigen.

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„Irgendwo hier muss es sein! Spock? Sie können jetzt anhalten und ihre Motorradverkleidung ablegen!“ – Auf der Suche nach der nächsten Explosion: Kirk jagt eine fast schon kriminell unterhaltsame Bande, bestehend aus einer Großfamilie von TNT-Fässern und ein paar angeheirateten Antimaterie-Knallbonbons. Aber der neue Film bietet natürlich nicht NUR Action! Gerüchten zufolge sollen sogar 236 einsekündige Kameraeinstellungen in den „Director’s Cut“ einfließen, in denen sich lediglich 50% der Umgebung hektisch bewegen!

Fassen wir gleich das Wichtigste zusammen! Was tut ein Film, liebe Gemeinde? – Rrrrichtig! Er steht und fällt!

Und mit was?

Wieder rrrrrichtig: Mit dem Bösewicht oder der Hauptbedrohung im Plot. Und genau HIER scheißt die Story auch schon die Wand an:

Nero ist (wie einst Shinzon) der hochbegabte Sonderschüler, der es nie verwunden hat, dass er von seinen Schulfreunden stets ausgelacht wurde, weil er sich die Schuhe manchmal richtig herum anziehen konnte. Er ist diese Art von lachhaftem Bösewicht, der beim Festnageln seiner Grundmotivation den Nagel nur auf seinen eigenen Kopf trifft und sich dann über das ganze Blut wundert. Ein Nobrainer, bei dem die Stirntätowierung versehentlich aufs Hirn durchgepiekt wurde und der seitdem Ursache und Wirkung so sehr vertauscht, dass man schon Absicht unterstellen muss. Und zwar vom lieben Gott!

Somit ist Nero verdammt, für Dinge Rache zu nehmen, die niemand verursacht hat und genau die selbe Person verhindern könnte. Nämlich niemand. Ja, dieser tranige Typ würde sogar Jörg Kachelmann in die Sonne werfen, wenn er ihm die Schuld an einem Wirbelsturm im Jahre 1827 auf der Venus geben könnte!

Und natürlich hat Nero auch einen Haufen stummer Leibeigene, die mit der Eleganz eines pseudo-beschäftigten Media-Markt-Verkäufers in den Ecken herumlungern und auf ihr Stichwort warten. Nur das dies hier nicht „Ich hätte da mal eine Frage“ lautet, sondern „Könnten sie sich gerade vor meinen Phaser stellen, bis der Strahl sich abgekühlt hat? Danke!“. Niemand widerspricht hier oder denkt selbstständig (mangelnde Vorbilder auf der Leitungsebene?), alles ist zudem visuell chaotisch und es sieht aus wie bei Hempels (oder den Remanern) unterm Sofa! Von den 150 Millionen Dollar Budget müssen 50 in die durchaus netten (aber auch nicht überdurchschnittlichen) CGI-Effekte geflossen sein, während der Rest in die Entwicklung eines Computerprogrammes gegangen sein muss, das die Actionsequenzen sinnlos schneidet und zerhäckselt. Aber dazu kommen wir später noch…

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„Verdammt, Captain! Mein Tipp-Ex ist schon wieder alle! Kann ich die restlichen Flugdaten bitte wieder mit einem schwarzen Edding auf unseren ‚Quick-View 4.000‘ schreiben?“ – Schon abgeschrieben: Chekov berechnet schon mal die Flugbahn seines Beerdigungs-Torpedos (Siehe das Ende von „Der Zorn des Khan“). Wem das etwas albern vorkommt, der möge sich in Erinnerung rufen, dass Councellar Troi ihre Psycho-Analysen oft ebenfalls auf eine Glasscheibe krakeln musste. Auf der Innenseite eines mit Wasser gefüllten Haifischbeckens…

Das alles wäre nicht mal besonders schlimm, wenn es wenigstens zu einer großen Abschiedsszene von Big Bad -„Wer hat da wieder einen Reifenabdruck auf meiner Stirn hinterlassen?“-Nero gekommen wäre. Fast möchte man hier im Nachhinein „NEMESIS“ loben (dass ich DAS mal sag… hervorwürgen würde!), der sich immerhin BEMÜHT hat, das alte Sprichwort vom „Aug um Aug“ wortwörtlich umzusetzen. So eine große Abschiedstournee kommt hingegen meist nicht so gut, wenn der Abservierte bis zum Schluss(!) un- und leichtgläubig vom Hauptbildschirm runterglotzt. – Der aus irgendeinem Grund die ganzer Zeit verrauschter daherkommt als mein alter Schwarz-Weiß-Fernseher, wenn man die Zimmerantenne abgeknickt…

Sprich: Der Böse stirbt mit dem Elan einer korrigierten Vorhautverengung oder dem Entfernen eines Blinddarms. Nicht mal ein kluger Spruch („Kirk! Ich hasse sieeeee… äh… auf anspruchsvolle und irgendwie klassisch-griechische Weise!“), ein bisschen Zeitlupe oder ein letzter hasserfüllter Blick sind ihm und uns vergönnt! Ein persönliches Treffen, das ich übrigens schon bei „Der Zorn des Khan“ schmerzlich vermisste, bleibt ebenfalls ein Wunschtraum. Okay: Vielleicht nicht von mir, aber eventuell von Leuten, die diesen Film total knorke fanden…

Die Geschichte ist in ihrer infantilen Einfachheit kaum zu überbieten. Auch wenn man DAS immerhin ständig versucht hat. Eine kritische Auseinandersetzung verbietet sich daher eigentlich, wenn man sich nicht in Floskeln wie „Das waren aber 37 kooomische Zufälle“ oder „Aus welcher Baureihe ist eigentlich das romulanische Superschiff mit der Nummer 192?“ verlieren möchte. Hier gibt es mit der breiten Maurerkelle einen Spritzer Planeten-Untergang (erhoffte Zuschauerreaktion: „Huuui! Hoffentlich passiert DAS der Erde nicht!“), einen eher klischeehaften Alt-Altspock (Bitte hier 3 bekanntere Zitate und etwas Altersheimgeruch denken), die übliche Zeitreise (wobei diesmal alles Paradoxe fehlt, das normalerweise eine Zeitreise spannend macht) und alle paar Minuten ein bisschen Bumm-Fallera. – Mainstream-Star Trek at it’s bermanst!

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„Möge Mach 1 mit Dir sein!“ – „Das ist der blödeste ‚Ich schmeiß Dich gleich den Abgrund runter‘-Oneliner, den ich je gehört habe!“ – Kampf um Mitt… Schüttelerde: Da die Zinsen gerade im Keller sind, spart der Film seine Action nicht. Ich bin mir sogar relativ sicher, dass auf der RÜCKSEITE dieser Plattform ebenfalls mit magnetischen Stiefeln aufeinander ein- und ausgedroschen wird…

Wobei ich gegen einen GUTEN doofen Film gar nichts gehabt hätte. Schauwert statt Schlauwerte sind da bei mir durchaus zugelassen… Aber dafür ist mir hier der Mainstream-Hauptstrom ein bisschen zu schlammig an der Zuleitung. So hätte ich mir beispielsweise einiges mehr an Außenmissionen erhofft! Ganze 3 (Draußen-)Minuten auf einem Eisplaneten sind nicht unbedingt etwas, was ich mir 2009 – oder 1979 – von einem SF-Film erwarte! Und Vulcan sah ja diesmal auch nicht übel aus (wobei sich das storybedingt später ein wenig ändert – Hüstel), erschöpfte sich aber in meist verwackelten Husch-Husch-Aufnahmen für Diaschauliebhaber.

Tatsächlich ertappte ich mich sogar dabei, dass ich mir die schöne Berglandschaft von Star Trek 9 zurückwünschte, Zefrem Cochranes Waldlichtung mit angeschlossener Kneipe in Star Trek 8 oder die grobporigen Pappfelsen aus Star Trek 3! Da lasse ich dann auch gerne mal zwei Eismonster gerade sein, wenn sich ein Film die Zeit nimmt, den eigenen Namen in den Schnee zu pinkeln…

Visuell NOCH schlimmer ist aber die Eigenart moderner Kinofilme, alle Schnitte mit der Eleganz eines medialen Maschinengewehrs rauszuballern. Ob Prügelszenen oder Weltraumaction: Das Ganze wirkt, als hätte der Cutter von „Ein Quantum Trost“ wieder mal einen epileptischen Anfall bekommen und das Material kurz- und klein geraspelt! Ich konnte der Action fast nie folgen („Wer liegt denn da gerade am Boden? Altkleidersack oder Sternenflottenoffizier?“) und empfand eigentlich alle rasanten Sequenzen so spannend wie ein Achterbahnvideo, bei dem alle 10 Sekunden ein Bild geknipst wurde.

Warum nicht im Weltall mal 3 harmlose Sekündchen einen herannahenden Torpedo zeigen, während sich die Musik dramaturgisch aufbaut wie ein guter Schichtkuchen? Was soll denn immer dieser unerträgliche Brei mit Beta-Carotin-farbenden Explosionen, bei denen in einer halben Sekunde 7 Phaser und 3 Torpedos ihr Ziel finden? Das findet doch nicht mal ein Spanner spannend, von einem Zuschauer mit der theoretischen Aufmerksamkeitsspanne von „Kann sogar lesen!“ ganz zu schweigen! Note für die Action daher: 5- (Mit Sternchen)…

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„Tut mir leid, Uhura. Ich als Vulkanier kann Sie einfach nicht lieben… Zumindest nicht im Moment, doch sobald der Captain wegschaut, krempel ich mir wieder die Hose runter und verpasse Dir 30 Zentimeter Grünspan, die sich nicht gewaschen haben, harrharr!“ – Liebgewonnene Charaktereigenschaften entlaufen. Belohnung für den Finder: Alle drei TOS-Staffeln mit dem kompletten psychologischen Schulungsmaterial!

Die Musik ist mir ebenfalls nicht positiv aufgefallen. Alles nur lahmes Gegrummel aus dem Kehlkopf der Orchestersoundtracks. Ungefähr SO könnte es sich anhören, wenn die Altmeister Jerry Goldsmith oder John Williams ihr eigenes Schnarchen aufnehmen würden… Noch trauriger stimmt einen der Abspann, wenn Bild und Ton plötzlich wieder an alte Trek-Zeiten erinnern: Erst jetzt gibt es fremde Welten, bunte Weltraumnebel, Spock spricht den alten Serienvorspann und die altbekannten Fun-Fanfaren blasen zum stellaren Zapfenstreich! – Im Film fühlte ich hingegen nur den Entdeckergeist von Studenten, die primär an der Erforschung ihrer sexuellen und nierentechnischen Leistungsfähigkeit interessiert waren. Kein Wunder, wenn der Film da schon zu Beginn klarstellt, dass es zukünftig noch immer Nokia, Budweiser und Jack Daniels geben wird…

Die Figuren sind trotzdem soweit Okay geworden. Am besten (in Wort UND Bild) gefiel mir Pille als ewig mosernder Armverschränker, dicht gefolgt von Scotty, der allerdings fast schon ZU lustig war und natürlich Chekov als wandelnder Akzentwitz. Kirk ging als überheblicher Schönling ganz gut durch, hätte aber auch von einem anderen der geschätzten 3.000 Nachwuchsschauspieler verkörpert werden können, die meist mit Ende 20 in schlechten Teeniekomödien einen fiesen Highschool-Footballstar um die 16 spielen. Spock war auch Okay, stank mit seiner austauschbaren Milchgesicht-Mundpartie aber mächtig gegen TOP ab (= „The Original Pferdefresse“). Uhura war so sexy, dass es fast schon weh tat (*auf gespannte Hose zeig*) und Sulu war der lobenswerte Quotenjapaner mit der Nahkampfausbildung. Solche Leute muss es ja schließlich auch geben…

Ein GANZ großes Lob muss ich auch für die Verwendung all dieser unterschiedlichen Figuren aussprechen: Jeder einzelne bekommt mindestens eine große Szene oder besitzt ein Fachwissen, ohne das die Mission (Nero totmachen) nicht zu meistern gewesen wäre. Uhura ist beispielsweise nicht mehr länger die Callcentertussi mit der Ausbildung zum Zuhören und Antwort geben, sondern eine multilinguale Kommunikationsexpertin! Auch, wenn die Story in eine leere Banane gepasst hätte: Dieser Aspekt hat mir zwischendurch doch recht viel Freude gemacht!

Ebenso wie der Humor! Genau genommen ist er sogar das einzige Element, das diese flutschige Mainstream-Sturzgeburt vor dem totalen Wertungsabsturz bewahrt: Wenn Pille unserem Kirk alle paar Sekunden eine Spritze in den Nacken jagt („Au! Lass das!“), Scotti sich in einer von mir vermuteten Lebenspartnerschaft mit einem gnomigen Hutzelalien befindet („Geh da runter!“) oder Kirk während des Kobayashi-Maru-Tests herzhaft in seinen Apfel beißt, so zeigt das sehr schön auf, was mit dem neuen Team alles möglich wäre! Nämlich eine 2-Stunden-Studentenparty mit anschließendem Leersaugen der Lachgas- und Heliumballons! (Aufgedunsene Gummihände müssen von zu Hause mitgebracht werden)

Für die Fortsetzung hätte ich daher gerne meeeeehr davon, am liebsten im Stil von „Star Trek 4“. Von mir aus dürfen die dann auch Riesenkraken aus dem Jahre 2009 in die Zukunft schaffen, um eine rumheulende Tintenfisch-Sonde ruhigzustellen!

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„Shinzon? Nein, ich habe keinen Ururururenkel mit diesem Namen. Aber… HALT! Ich besitze einen antiken Klonkessel, der auf diesen Begriff hört! Den gebe ich aber an meine Nachfahren weiter, hört ihr?“ – Gibt sichtbar ein schlechtes Bild ab: Nero. Unser Vulkanier Spock findet den Gegenspieler allerdings höchst „faszinierend“. Das letzte Mal, als er jemanden gesehen hat, dessen Kopf breiter als hoch war, war es William Shatner…

Logiklöcher (und Schusslöcher allgemein) gibt es natürlich auch, auch wenn mir nur wenige erwähnenswert erscheinen: Die blöde Bohrerei in den Planetenkern hätte man sich doch beispielsweise sparen können, oder? Schwarzes Loch irgendwo auf die Oberfläche klatschen und gut ist! – Man operiert ja auch nicht erst unter Vollnarkose am Brustkorb herum, wenn man jemanden ins Herz schießen will! – Und warum hat Spock unseren Kirk bei der ersten Meinungsverschiedenheit gleich auf einem Eisplaneten ausgesetzt? Waren alle Arrestzellen mit nörgelnden Alttrekkies besetzt? Oder handelte es sich um eine Arbeits- und Kulissenbeschäftigungsmaßnahme für Liebhaber der sibirischen Landschaftsgestaltung…?

Etwas kurz kommt auch Opa Pike! Dabei war das Potenzial so groß: Entführt auf das gegnerische Schiff, gefoltert(?) und mit Wurm im Hirn. – Er und Nero hätten sich die moralische Hucke volldiskutieren können, immer wieder unterbrochen durch kleine Nierenschläge und spontane Beinamputationen, die die Hierarchie untereinander festlegen. Doch nix da! Rumliegen und geistig tief fliegen ist angesagt.

Dass Spock ausgerechnet mit Uhura anbändelt, war zwar schwer zu schlucken (und wir wissen nicht mal, was SIE schlucken musste), war aber eventuell unvermeidlich. Als einzige Frau MUSSTE sie sich natürlich für einen der Jungs interessieren, um den üblichen Love- und Knatterfaktor zu besitzen, der für Ami-Filme anscheinend Pflicht ist. Und, ganz ehrlich: Hätte sie es mit Pille getrieben („Ich bin Arzt, kein verdammter Deckhengst!“) oder sogar gleich mit Kirk („Ihre männlich-überhebliche Art hat mich schwach gemacht!“ *Schmacht*), wäre das wohl auch nicht unbedingt besser gewesen.

Alles andere wurde eigentlich recht moderat modernisiert: Von dem Warpgashebel der Marke „Welche Heißwasserstufe hätten sie denn gern?“ vielleicht mal abgesehen, ist das Brückendesign auch nicht kontroverser als damals das von ENTERPRISE. Und da selbst bei ruhigen Gesprächen die Kamera schon mal den Flug eines Kolibris imitiert, sieht man eh nicht viel mehr als grob einen futuristischen Badezimmerlook („Verwaschene Edition“©). Gebeamt wird natürlich immer noch (jetzt halt in kreisenden Bewegungen – besser für das Zahnfleisch), Phaser machen immer noch „Zisch“ und Torpedos Witwen.

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„Captain, wir sollten die moralischen Konsequenzen unseres Handelns kurz besprechen, um…“ – „Sind sie jetzt voll schwul oder sind ihnen die letzten 30 Quadratkilometer Vakuum zu leise explodiert?“ – Tiefgang nur für Unterseetorpedos: Würde Immanuel Kant einen Kinofilm konzipieren, er sähe garantiert GANZ anders aus als dieser hier! Aber etwaige inhaltliche Defizite wurden von J.J. Abramas sehr gekonnt dadurch kaschiert, dass Spock spitze Ohren und Augenbrauen besitzt…

Der alte Spock wirkt so gebrechlich, dass man sich beim Anschauen fast nicht zu zwinkern traut, um ihn nicht von der Leinwand zu fegen. Ein klein wenig erzwungen kommt sein Auftritt sowieso daher, zumal er selber nicht sonderlich aktiv in die Handlung eingreift („Das und das ist geschehen. So, jetzt seid IHR dran, alles heile zu machen! Tschüss!“). Lieber verarscht er das Raum-Zeit-Kontinuum, dessen Rettung und Wiederherstellung hier nicht mal in Betracht gezogen wird. Klar, denn nur so konnte man diesen Film und die neue Zeitlinie überhaupt erklären…


Fazit: Je länger ich über den Film nachdachte, desto mehr ärgerte ich mich! Die Grundrezeptur (Witze, Action) mundete ja sogar recht gut. Leider hat der Koch am Schluss aber noch einen Haufen Salz (Doofe Schnitte, Hirnlos-Story) drübergekippt, weil er den vermutlich mit dem Zuckerguss verwechselte. Das (phantom)schmerzt vor dem Hintergrund so mancher Trekfilm-Klassiker dann umso mehr. – Noch nie hatte ich in diesem Franchise das Gefühl, so sehr von den Actionsequenzen abgekoppelt zu sein!

Daher: Die selbe Story in klug, einen Gegenspieler, der mehr als ein Türsteher mit fliegender Bohrinsel ist und noch ein paar mehr Charaktermomente, schon wäre der Weg offen für eine total durchschnittliche 08/15-Breitwandunterhaltung. – Womit „STAR TREK – Der nächste Versuch“ dann genau so wie 80% der klassischen ST-Filme auch wäre…

DAS hier ist jedoch nur ein netter Versuch, drei Jahre des völlig schwachsinnigen und unangebrachten Hypes endlich enden zu lassen! Wer auf doofe Story und „In 20 Jahren garantiert kein Klassiker“-Inszenierung steht, mag sogar gerne zuschlag… -schauen. Ich hingegen bin eher enttäuscht und erwarte innerhalb der nächsten 4 Wochen mindestens drei Shatner-Interviews, in denen der Altstar verspricht, den verhunzten Auftakt genau so zu reparieren, wie es in seinen Büchern steht…


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Artikel

von Klapowski am 07.05.09 in Star Trek - Filme

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Kommentare (56)

  1. dröhn sagt:

    Kann ihm zum großen Teil nur zustimmen und finde den Haufen blasierter ST Fans die gegen jede Veränderung wettern einfach nur peinlich.

    Noch peinlicher finde ich einen Film zu verreissen den ich noch nicht einmal gesehen habe. Gerade zu Beginn der Kommentare mehr als deutlich was für Flitzpiepen da ihre sogenannte „Meinung“ schreiben, aber hauptsache ich muß und kann an allem rummeckern.

    Mir hat der Film Spaß gemacht, ich brauche keine ST Fannieten die mir erzählen was nicht alles in das Universum passt und hoffe auf den nächsten Film in in ähnlichem Gewand. Ich werde dann 2 Stunden gutes Popcorn und hoffentlich noch besseres Popcornkino genießen während sich der Großteil der hier anwesenden inklusive der beiden Betreiber der Seite sich ein Loch in den Arsch ärgern.

    Macht mir schon bei den meisten SGU Folgen die gleiche Freude.

    Danke, bitte.

  2. Klapowski sagt:

    Man sollte wohl aufhören, immer so verkrampft auf denjenigen herumzuhacken, die etwas schlechter/besser als man selbst fanden. Jedenfalls nicht so unironisch-sinnlos wie bei der Webseite in dem Link da.

    „Du gammeliger Alt-Trekkie! Geh doch wieder Scheiße replizieren, als hier rumzumeckern! Warum müssen manche immer ALLES miesmachen (Okay, mache ich bei Scheißserien auch, aber die finde ICH dann ja auch Scheiße, da ist das erlaubt!)“

    Auch wenn es bei UNS auf den ersten Blick genau so aussieht, so finde ich schon, dass die meisten sich HIER mit ironischer Distanz zoffen, mit Blick auf die handwerklichen Details und das auch mit der Gewissheit, dass letztendlich alles nur Geschmackssache ist. Selbst solch verblödeten Hirnis wie G. G. Hoffmann (ehemaliger Voyager-Fan, by the way!) sei dies gelegentlich zugebilligt.

    Aber SGU-Fans kapieren das wohl nicht, weil sie als Kind zu heiß gebadet wurden (als Kind zu heiß… hihi… Mann, war das gemein, gleich aufschreiben!).

    • Exverlobter sagt:

      Auf Zukunftia mit Ironischer Distanz zoffen.
      Lol, da ist was dran.
      Immerhin muss ich mich hier vom Wortvogel persönlich nicht als „Pfeiffe“ beschimpfen lassen, nur weil ich Abrams-Trek nicht ganz so dolle finde, und dann auch noch als Fundi-Trekker diffamiert werde, lol.
      Und ich hab dem Kerl auch vor ein paar Jährchen noch 30DM in den Hals geworfen, und sein olles B5-Buch gekauft, grr.
      BTW, dieses Rating dürfte für Klappo recht interessant sein.
      Man beachte das relativ gute Abschneiden von ENT, lol.
      Na immerhin sieht er bei „Voyager“ ein, dass die Serie MÜll ist.
      http://wortvogel.de/2010/04/random-charts-13-die-star-trek-serien/

  3. dröhn sagt:

    Es sieht nicht nur genauso aus, es ist auch genauso. Und das Bad gebe ich gerne zurück du Klappser (boah hihi superlustig gleich notier, Klappser harhar).

  4. flyan sagt:

    Von dem Wortvogel-Typen:

    „“Star Trek” war in meinen Augen eine scheintote Franchise, erstickt an der eigenen Nostalgie, vollgestopft mit Figuren, die vor lauter Heiligkeit kein Leben mehr in sich tragen, und einer Mythologie, die jeden Versuch eines Neuanfangs zum Scheitern verurteilt. Ein Museum respektierter Ideen, ein Schrein, aber längst keine Quelle von Kick Ass Entertainment mehr. Zuviele Produzenten und vor allem zu viele Darsteller, die neben ihren Gehaltsschecks auch noch Mitspracherecht verlangen, weil sie natürlich alle am Besten wissen, was zu tun ist. Mühsam als Geldkuh am Leben gehalten, schwerfällig den aktuellen Trends nachhumpelnd. Ideologisch und dramaturgisch irgendwann in den frühen 90ern stehen geblieben, ohne dass die Produzenten es bemerkt hätten. Eine Legende im Wachkoma.“

    Jaaa, herrlich, besser kann man es kaum ausdrücken. Ich war lange Jahre Trek-Fan. Die letzten Jahre des alten Trek-Universums hatte ich aber gar nicht mehr mitbekommen. Die letzte aufkeimende Hoffnung in den 4. TNG-Film erstarb dann im fast leeren Kinosaal…

    …Aber die Lobeshymnen auf den neuesten Trek-Spross verstehe ich hier gar nicht. Ein Neuanfang war dringend notwendig, da kann man nicht drum rum reden, aber dieser Film ist einfach nicht gut. Es kommt mir eher so vor, als wollte man alles, was Star Trek jemals ausmachte, komplett umkrempeln. Dabei wurden aber auch viele positive Aspekte des alten Universums über Bord geworfen und gegen Effekthascherei, überflüssige Gewalt und Soapdialoge eingetauscht. Gerade die zurecht beanstandete schwerfällige Nostalgie der „alten“ Ära wurde hier leidlich erfolgreich kopiert. Die Wackelkamera in Verbindung mit schnellen Schnitten kann einen halt leicht vergessen lassen, dass die Handlung träge und nichtssagend ist. Es bleibt zu hoffen, dass die vielversprechenden Schauspieler im nächsten Film mit einem besseren Drehbuch gepaart werden. Vielleicht wird doch noch mal ein Schuh draus.

    Als ich mit einigen Freunden (m UND w) den Film gesehen hatte, waren wir uns danach ziemlich einig, dass der Film nichts taugte. Umso erstaunter mussten wir feststellen, dass er sich zu einem finanziellen Erfolg mauserte! Noch die einzigen beiden positiven Aussagen zu dem Film, die ich im Bekanntenkreis hören konnte:

    „Der Spock ist sooo süß!“

    „Die Torpedo-Abwehr ist voll cool, daran haben die in den alten Filmen nie gedacht, dabei ist das doch so logisch!“ (von jemandem, dessen Lieblingsfilme Transformers 1+2 heißen)

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