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„Fist“ – Ein moralisch empörtes Buchreview

In letzter Zeit hört man auf Schulhöfen und in Studentenwohnheimen häufig den Namen einer zweiteiligen Mystery-Story, die nach „Harry Potter“ erneut unsere Jugend infiziert hat! Lehrer und Erziehungsberechtigte stehen der modernen Geschichte um „Fist“ mit berechtigten Ängsten gegenüber, denn Satanismus ist nur eines der vielen Themen, die in diesen Büchern angerissen und verherrlicht werden. Zukunftia wagte sich dennoch an ein Review…

Doc Fist ist eine „verdammt coole Sau“, wie es heutige Jugendliche vermutlich ausdrücken würden. – Zumindest hält er sich dafür, da er ein absoluter „Obernerd“ ist und quasi alles aus der modernen Popkultur gelesen hat. Von Mystery (Er selbst nennt sie jedoch blasphemisch „Theologie“) bis hin zur Medizin weiß der gute Mann so ziemlich alles, was in der Sachbuchabteilung der Stadtbibliothek Rang und Namen hat.

Doch schon zu diesem frühen Zeitpunkt in der Geschichte zeichnet sich ab, dass Fist eine eher unsympathische Figur des postmodernen Zeitalters ist: Depressiv, zum Selbstmord neigend, ständig nur „abchillend“. – Kein Vergleich zu anpackenden, gestaltenden und aktiven Vorbildfiguren wie der Soldat Nomad aus dem PC-Spiel „Crysis“ oder der für das Gute kämpfende Typ in „Far Cry 2“! Wahrlich, Doc Fist ist kein nachahmenswerter Charakter für unsere Jugend!

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Die Indoktrination von Kindern mit der Geschichte von „Fist“ hat schon jetzt bedrohliche Ausmaße angenommen: Der Teufel (links im Bild) versucht offenbar in dieser Szene, den Doc zu vorehelichem Geschlechtsverkehr zu animieren. Das inflationäre Vorhandensein von sinnlosen Stangen im Bild weist hier zusätzlich und unterschwellig auf männliche Erektionen hin… (Bild aus einer Vorführung in einem Kindergarten in Bielefeld-Heepen, Januar 2009)

Und obwohl Fist durchaus von sich selbst eingenommen ist (Er spricht sogar das ganze Buch über in Rap-Reimform, was ihm alle anderen Figuren sogleich unkritisch nachmachen!), spürt er, dass irgendetwas noch fehlt. „Bin so klug als wie zuvor“. Das sagt er zu Beginn im Selbstgespräch und geht daraufhin auf die Suche nach einem mystischeren Lebensansatz. Wie „gut“, dass er sich ganz Buffy-like bereits vor einiger Zeit mit Zauberbüchern beschäftigt hat. Im voll „krassen Depri-Wahn“ schnappt er sich nun also einen der Wälzer und kann tatsächlich einen Erdgeist beschwören!

Auch dies ist durchaus kritisch zu sehen: War bei Harry Potter das Beschwören von Geistwesen noch kindgerecht gelöst worden, so wird hier ohne Not(!) und schon auf den ersten(!) Buchseiten mit finsteren Mächten hantiert! Wer Kinderseelen so etwas antut, sollte sich nicht wundern, wenn diese Jahre später zu Selbstmördern, Amokläufern oder sogar Abmahnanwälten werden!

Doch selbst dieser Erdgeist beeindruckt unseren Doc Fist nicht sehr lange. Ja, Doc ist sogar etwas enttäuscht von seinem Ga(i)st, da diese Gestalt ihm ganz schnell „voll auf die Ketten“ geht. Und überhaupt sieht er sich selbst als nicht minder geheimnisvoll als Meister „Hans Dunst-in-die-Luft“ an:

„Soll ich Dir, Flammenbildung, weichen?
Ich bin’s, bin Fist, bin deinesgleichen!“

Der Geist verschwindet, Fist bleibt „deprimäßig“ zurück und ist noch immer kein Stückchen weiter. Er erzählt daraufhin seinem „Best Buddy“, einem Typ namens Wagner, beim gemeinsamen „Abchillen“ auf der Straße von seinen Problemen. Während dieser Runde entdeckt Fist einen Pudel, der ihn verfolgt und auch vor seiner Wohnung nicht halt macht. Dieser Hund verwandelt sich (in einem mehr als ordinären Morphing-Effekt!) in seiner Butze in den Teufel höchstpersönlich, der gerade eine Wette mit Gott am Laufen hat, deren Bestandteil natürlich der Doc ist…

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Brutalität, Einschüchterung, Satanismus: Das bereits gestartete Bühnenstück zu „Fist“ offenbart die ganze Palette menschlicher Unterdrückungsmöglichkeiten. Darunter – zum Vergleich – eine wunderschöne und erbauliche Landschaftsaufnahme aus dem PC-Spiel „Crysis“…

Der Teufel bietet Fist an, ihn auf eine Reise mitzunehmen und ihm total „crazy Stuff“ zu zeigen. Dieser ist aber noch immer nicht beeindruckt und glaubt nicht so recht an einen Erkenntnisgewinn… äh, an eine „brainfuckin‘ Experience“! Er wettet sogar mit dem Teufel um seine Seele, dass ihn nicht mal die geilste „Disse oder Mucke“ aus den Latschen werfen kann:

„Werd ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! Du bist so schön!
Dann magst Du mich in Fesseln schlagen,
Dann will ich gern zugrunde gehen!
Dann mag die Totenglocke läuten!
Dann bist du deines Dienstes frei,
Die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen,
Es sei die Zeit für mich vorbei.“

„Top, die Wette gilt!“ hört man hier fast schon Thomas Gottschalk sagen. Doch im Gegensatz zu der beliebten TV-Sendung wird hier zu Beginn noch nicht klar, dass Wetten und Glücksspiel äußerst schädlich sein können! Mehr noch: Es wird der Eindruck erweckt, dass eine Seele gefahrlos verspielt werden kann! Die letzten Hemmungen zu neuen Amokläufen oder jeder anderer Form von Jugendkriminalität fallen dadurch bei unserem Nachwuchs noch schneller weg, da selbst mit dem Leben nach dem Tod kein glaubwürdiges Drohszenario mehr aufgebaut werden kann!

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„Es leuchtet! seht! – Nun läßt sich wirklich hoffen,
Daß, wenn wir aus viel hundert Stoffen
Durch Mischung – denn auf Mischung kommt es an –
Den Menschenstoff gemächlich komponieren.“

In „Fist II“ erschafft Fists Freund Wagner sogar einen künstlichen Menschen, den er „Homunculus“ nennt! (Radierung aus einer gotteslästerlichen Schülerzeitung, Gelsenkirchen, Dezember 2008)

Sofort nach dem Kennenlernen zieht Mephisto – so nennt sich der Teufel – mit Doc Fist um die Häuser. Beide „verarschen“ ein paar Leute in einer Bar, indem sie Wein aus der Tischplatte erscheinen lassen (Verniedlichung des Alkoholismus!) und haben generell nur Unsinn im Sinn. – Bis Mephisto unserem Doc dabei hilft, eine Frau namens Gretchen „anzubaggern“…

Mehr will ich an dieser Stelle (auch aus Jugendschutzgründen) nicht verraten, denn das unzüchtige Abenteuer beginnt damit gerade erst…

Man hat es vielleicht schon herausgehört: Insgesamt bin ich sehr skeptisch, was diese beiden Fantasy-Romane angeht, von denen „Fist I“ nur einen kurzen Vorspann darstellt. An die Unsitte des Autors, nach jedem Satz einen Absatz zu lassen und generell auf die Reimform zu setzen, muss man sich – gelinde gesagt – erst einmal gewöhnen. Dass die Sprachmelodie so eingängig ist, dass man manche Sätze sogar laut mitlesen möchte, ist dabei so extrem gefährlich! Manche Zeilen graben sich durch diesen Wohlklang fast schon im Unterbewusstsein des Lesers ein, so dass man ohne Skrupel von einer modernen Gehirnwäsche sprechen kann! Gängige und allgemein verständliche Sprechweisen (wie zum Beispiel in den lobenswerten Zwischensequenzen von „Grand Theft Auto 4“) drohen durch dieses jugendkonforme Geschwurbel gar übertüncht zu werden!

Lassen wir die moralischen Aspekte einmal außen vor, so erscheint es auch schade, dass das Grundmotiv (magisch begabtes Wesen bereichert das Leben eines Normalos) ein wenig abgekupfert scheint, und zwar von den ganz Großen: Pumuckl, Beetlejuice und natürlich Q aus The Next Generation! Auch ist die Charakterentwicklung manchmal etwas zu langsam (Doc Fist jammert gerade zu Beginn sehr lange vor sich hin), während die spätere Liebesaffaire fast schon überstürzt etabliert wird. Aber hier musste man sich wohl ebenfalls dem jugendlichen Zeitgeist anpassen, der neben Gangbang-Partys natürlich keine langsame romantische Annäherung mehr kennt…

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Zersetzung der Sexualmoral: Auf diesem Buchcover versuchte man sogar den Eindruck zu erwecken, dass Doc Fist von Mephisto von hinten penetriert wird! Da Fist sich selbst im Spiegel als Frau sieht, ist dies wohl ein Hinweis darauf, dass dieser sich eher in einer homosexuell-weiblichen Rolle sieht. – Dass diese abartige sexuelle Spielart (erneut) verboten gehört, steht für die christlichen Leser unserer Webseite hoffentlich außer Frage!

Dass sich Fist allzu schnell auf den Teufel einlässt, beleidigt darüber hinaus auch noch den halbwegs intelligenten Menschen (schließlich weiß doch seit Goethe, dass man dabei nur verlieren kann!), so dass das Lesen zur reinen Qual wird…


Fazit: Ein jugendliches Fantasy-Buch, das mit zahlreichen erzählerischen Schwachstellen, unzulässigen sprachlichen Experimenten (Es heißt „zehntausend“ und nicht „zehentausend Mal“!) und moralischen Verfehlungen um die Ablehnung des mündigen Lesers wirbt. Schlimm nur, dass unsere Kinder naturgemäß eben nicht mündig genug sein werden, um den zersetzenden Einfluss dieser blasphemischen und h/k-etzerischen Schrift zu erkennen!

Es steht zu befürchten, dass leicht zugängliche Mystery-Bücher wie diese zu einem weiteren Werteverfall unserer Gesellschaft führen werden! Denn das ganze Niveau dieser beiden Bücher ist rundum flach und die Handlung gänzlich vorhersehbar, ganz anders als die preisgekrönten PC-Spiele „S.T.A.L.K.E.R.“, „The Witcher“ oder „Grand Theft Auto“, die eine realistische Graustufen- und alternative Handlungsvielfalt aufzeigen! Gegenteilige Meinungen bitte ich zu ignorieren, da es sich bei den Vorbringenden mit großer Wahrscheinlichkeit um Fist-Satanisten handeln wird!

Kurzum: „Fist“ I und II gehört damit ebenso auf den Scheiterhaufen der verabscheuungswürdigen Popkultur wie zuvor schon „The Robbers“ (ein beschönigendes Portrait von Dieben) und „The Wizards Flute“ (Ein „Birdcatcher“ verführt unschuldige Mädchen)…

Eine Gummiohrenwertung unterbleibt an dieser Stelle, weil diesem textlichen Schundstück die altehrwürdigen Institution des Gummiohres nicht ansatzweise angemessen ist!


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Artikel

von Klapowski am 05.04.09 in Das Test-Labor

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Kommentare (4)

  1. Pavel K. sagt:

    Kann es sein, daß du dir erst kürzlich „Total Krasse Helden“ reingezogen hast?
    http://www.amazon.de/Total-krasse-Helden-bockstarke-Nibelungen/dp/3453032896#

  2. Klapowski sagt:

    Ääh…?

    Nein.

    Aber schöne Idee, Klassiker einfach mal in Jugendsprache rüberzutalken. Sollte ich mal einen Artikel drüber machen…

  3. Marvin sagt:

    Hat Klapo hier seinen Abituraufsatz reingestellt?

    Von mir gäbe es 15 Punkte.

  4. potsmoke66 sagt:

    total krasse helden?
    gruss gernot
    EIN total krasser held!

    fist, faust, also auch nur ein remake?
    obwohl deal mit dem teufel find ich schon gut (als story natürlich) da gibts massenweise vorlagen aus der „guten alten zeit“.

    kommt die zwanghaft aufgesetzte jugendsprache wirklich an bei den jungen?
    oder ist es einfach weil alle empört darüber sind?
    eine typisch jugendliche reaktion, die mir übrigens gefällt
    lasst euch nichts vormachen!
    vergesst nie das ihr mal 16 (oder 10 oder 12 usw.) wart! versprochen?

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