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Star Trek Enterprise – 1.23 – „Gefallene Heldin“ („Fallen Hero“) Review



von Gert Günter Hoffmann

Judi Dench fand ich schon immer toll. Besonders als „M“ in den James-Bond-Filmen. Unvergessen auch als Queen Elizabeth in „Shakespeare in Love“ und jüngst in „Schiffs- meldungen“. Ab 28. März 2002 in allen 11 deutschen Programmkinos. Großartig! Aber als spitzbübische, spitzbrüstige, spitzohrige Vulkanierin hat sie sich einmal mehr selbst übertroffen.

Als Admiral Forrest auf dem Bildschirm erscheint wissen wir:

Gott sei Dank! – die Autoren haben das Problem der überlichtschnellen synchronen Bild- und Tonübertragung zugunsten der Dramaturgie ignoriert. Net-Meeting ohne Zeitverlust. Trotz 70 Lichtjahren Entfernung und einem akuten Mangel an Subraumrelaisstationen, aber dank geiler Webcam und UTMS-Standleitung null Problemo.

Hui! Gerad` noch `mal gut gegangen, bevor überkritische Nörgelfans etwas gemerkt haben. Von dieser Technik konnte Tante Käthe 200 Jahre später nur träumen, als es galt, der Sternenflotte mitzuteilen, dass man sich hoffnungslos hinter dem Jupiter verfranzt und es vermutlich nicht mehr rechtzeitig zum nächstem TÜV-Termin nach Hause schaffen werde.

Auftrag: Vulkanierin retten. Und da Archer der einzige Sternenflotten-Captain weit und ziemlich breit ist, gibt es keine Ausrede und der von T`Pol zwecks Abbaus überflockiger Säfte verordnete Ausflug nach Poppenhausen (Rhön), later known as Risa (Sachsen), muß vorläufig verschoben werden. Ein Running Gag, den wir in den weiteren Episoden noch öfter erleiden müssen.

V`Lar ist eine flotte und recht patente Oma (fantastisch: Judi Dench), die nicht nur einen feuchten Handschlag zu schätzen weiß, sondern auch den siebenjährigen Pon-Farr-Zyklus nur als unverbindliche Anregung zu verstehen scheint. Man blickt der Schelmin in die leuchtenden Augen und weiß: Madame hat alles vernascht, was nicht rechtzeitig den Orbit verlassen konnte.

Das irritiert nicht nur T`Pol, die als Quasi-Nachfolgerin von Lustbremse 7of9 in sexueller Hinsicht bisher ein erfrischender Totalausfall ist. Wer sich von ENTERPRISE erhofft hatte, dass es Star Trek endlich dahin führen würde, wo der DDR-Film schon vor 40 Jahren war, sollte den gammeligen „Playboy“ von 1994 lieber doch noch nicht wegwerfen.

Doch auch die strengen Sittenhüter vom Planeten Mazar haben kein Verständnis für grünblütige Promiskuität.

Statt sich also mit seinen Lümmeln und seinem Lümmel auf Risa`s grünem Rasen zu lümmeln, muß Archer im Maschinenraum ordentlich Dampf unterm Kessel machen lassen, um dem Mazda-Aufsichtsrat zu entkommen.

Apropos Rasen – dieser liebenswerte Kalauer aus der Steinzeit der STUS-Reviews muß an dieser Stelle noch einmal erlaubt sein – in dieser Episode geht es in erster Linie um wahnsinnig viel Geschwindigkeit, wie man es nicht mehr erlebt hat, seit Schumi beim großen Preis von Österreich vom Sieger des Rennens über die Ziellinie gejagt wurde.

Erstmals darf Mayweather (für Fans, die den Pilotfilm verpasst haben: der debil grinsende Steuermann mit dem dunklen Teint) das Baby auf Warp 5 bringen. Und wer sich bei diesen Worten gerne an Commander Riker erinnert, dem sei erläutert, dass wir ausnahmsweise von einem Raumschiff sprechen.

Diejenigen unter unseren Lesern, die schon einmal versucht haben, ihren alten Golf I auf der Sauerlandlinie auf 180 zu prügeln, haben eine Vorstellung davon, warum es auf Sternenflottenschiffen verboten ist, Kaffeetassen auf die Amaturen zu stellen.

Heißa! Hier waren Kameramänner mit akuter Parkinson gefragt! Seit Herbert Grönemeyer mit U-96 vor Gibraltar gesunken ist, hat man nicht mehr in solch panische Gesichter geschaut! Da knarren die Balken, da brechen die Schotten und köbeln die Iren, wenn Archer mit Bleifuss durch die Fußgängerzone des Quadranten kesselt und dem armen Tucker einer der wenigen Warpkerne des Schiffes um die Ohren zu fliegen droht. Lecko pfanni – war das lustig!

Doch zurück zum wenig überraschenden Teil der Geschichte. Wenn sich Kleinwagen-Piloten im Formel-1-Himmel wähnen, schalten Mercedes-Fahrer lässig in den dritten Gang. Wie der Titel der Serie schon andeutet, wird den Mazdariten von Captain Archer für das erfolgreiche Kapern des Schiffes zum wiederholten mal der interplanetar begehrte Enterpreis verliehen und peinlicherweise ein diplomatischer Ehrengast in Dr.Phlox` Krankenstube zu Hackfleisch verarbeitet.

Aber – Surprise, surprise! – welcher Trekki, der die letzten 600 Folgen nicht verpasst hat, hätte es vermutet? War natürlich alles nur ein Trick. Haha. Und die blöden bösen Space-Mohikaner sind wieder drauf reingefallen! Hihi! Lag ja gar nicht in der Röhre die Botschafterin! Nänä-nänä-näa-nääää!

Dolle Wurst! Spannend bis zur vorletzten Viertelstunde! Innovativ und kaum vorhersehbar. Star Trek wie wir es seit läppischen 36 Jahren schätzen und lieben! Denen fällt auch immer `was Neues ein!

Aber für die sympathische Vulkanierin (klasse: Judi Dench) und Archer`s kirkigen Umgang mit öffentlichem Eigentum gibt eine redlich verdiente:

Note: 2

(ggh)


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Artikel

von Hoffmann am 01.01.03 in Star Trek - Enterprise

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Kommentare (3)

  1. Gast sagt:

    Was haben sie Euch denn in den Kaffee getan?
    Das war nicht Judi Dench!

  2. Gast sagt:

    Stimmt i` Ich zittiere, ähh kopiere aus "dailytrek.de": "…mit der mit einem Emmy ausgezeichneten Gastdarstellerin Fionnula Flanagan als V'Lar, …"

    Hype

  3. Gast sagt:

    Ach was, "Fakten" wen interessieren denn die? Ist halt 'ne Omma mit Pottschnitt, ist doch ganz egal wie die heißt…

    (Achtung, das eben war nur Spaß)

    Steff

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