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„1 1/2 Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde“

„Til Schweigers Filme sind alle Scheiße!“ Mit diesem bewährten Satz könnte man diese Filmrezension eigentlich auch schon beenden, aber was soll ich machen? Da sind schließlich noch ein paar restliche Brocken in meiner Speiseröhre und mein Waschbecken hat Überlänge. So schaute ich mir aus cineastischer Neugierde den neuen „Ritterfilm“ von und mit Til Schweiger an. Und, was soll ich danach noch sagen? Vielleicht das hier: „Til Schweigers Filme sind alle Scheiße! Vol. 2“

Mal ehrlich: Selbst für eine Gesichtsmatratze wie Bud Spencer kann man Filme finden, die zu ihm passen! Und in denen die „Gesichtsmatratze“ dann sogar als kultiger Spruch am Rande auftauchen darf. – Doch Til Schweiger?! König Nuschelbart? Frankensteins Gesichtsmonster, das aus 10 inszestuösen Dorfdeppen zusammen geschnippelt wurde? Der ach-so-schöne Frauenflüsterer mit der Mimik der Trauergäste auf einem Elefantenfriedhof? Forget it! – Oder, wie Königsnuschler Til es sagen würde: „Pfogt t-t!“

Hier führte er also Regie UND den Zuschauer als Hauptdarsteller an der Nase herum. Ein metallischer Ritterfilm sollte es also diesmal sein, obwohl Til sicherlich schon in „Far Cry“ genug Blech reden durfte. Was an dem Streifen allerdings eine Komödie sein soll, müsste mir mal jemand erklären, der am Set gewesen ist. Vielleicht wurden ja in den Drehpausen uralte Blondinenwitze vom (Holz)Stapel gelassen? Die hätte ich dann schon ganz gerne vorgelesen bekommen, denn im Film selbst gibt es nur Humor for Beginners. Vermutlich für Menschen, die nach einer operierten Schusswunde nicht lachen dürfen, damit die Nähte nicht aufgehen. Fein, dafür musste aber mal wieder der Draht aus meiner Mütze springen…

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„Herr Schweiger, wie schaffen sie es immer nur, so glaubwürdig einen Deppen zu spielen?“ – „Alles Method-Acting. Früher habe ich meine Zeilen auch oft vor den Spiegel geübt, aber irgendwann ging es mir auf die Nerven, das Drehbuch spiegelverkehrt zu lesen…“ – Frauenpower beim Pflaumenbauer: Ritter Lanzes Frisör wurde soeben ohne Verhandlung zum Scheiterhaufen verurteilt! Der Haufen ist sogar schon vorbereitet, wird jedoch noch im Moment auf Tils Kopf balanciert…

Aus diesen – oder anderen – Gründen gibt es bei dieser „Klomödie“ daher nur fein eingestreute, amüsant gemeinte Sprüchlein. Alles nicht der Rede oder der nötigen Text-Bytes auf unserer Seite wert. Und sie wären wohl witziger, wenn ich (oder ihr) SPONTAN einen Spruch aus der Backentasche hätte fallen lassen…

Wozu braucht man beispielsweise einen (bezahlten!) Drehbuchautor, wenn die bemerkenswertesten Poesiealbensprüche in der ersten Viertelstunde lauten:

„Das mit dem Konzert könnt ihr euch von der Backe putzen, das sage ich dir!“

„Meine Krone juckt vielleicht!“

„Passt bitte beim Tanzen auf, dass ihr euch euren Knöchel nicht verknackst.“ – „Warum?“ – „Weil so ein Knöchel… schnell verknackst ist.“

Zum Thema Mittelalter ist dem Chefschreiberling dann sogar GAR nichts Bemerkenswertes eingefallen. Der einzige Gag lautet „Guck maaal, das gehört da gaaar nicht hiiin, wir machen hier quasi alle nur „Modern Talking“, also halt auf moderne Ausdrucksweise, hihihi!“. Das wirkt sich dann so aus, dass Til erst mal auf ein „New Kids on the Rock“-Konzert geht. Oder die Figuren solche Sachen wie „Geil“ sagen. Oder nur „Felsquellwasser“ trinken, weil sie ja mit dem Pferd da sind. – HAHAA! Lustig! Solche Antischoten schreibe ich Euch innerhalb von 30 Minuten auf, ebenso wie der Filmkurs der Rütli-Schule in einer Doppelstunde für geistig Minderbematschte.

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„Ja, ich dachte erst, die erzählen mir das nur nach dem Motto ‚Ein bisschen Spaß muss sein‘, aber dann habe ich kapiert, dass die mir für diesen lächerlichen Gastauftritt tatsächlich ECHTES Geld geben wollten!“ – An dieser Stelle berichte ich mal von der Story: Ritter Lanze möchte seine geliebte Prinzessin Herzelinde(!) vor einem bösen Ritter befreien, trifft aber zuerst nur auf einen betrügerischen Immobilienhändler (rechts), der im nächstbesten Puff… – Erwähnte ich schon, dass ich erst damit aufhöre, wenn ihr eine dreistellige Summe an uns gespendet habt?

Aber das scheint neuerdings der Trend bei schlechten Vergangenheits-Komödien zu sein, siehe auch die „300“-Verarsche namens „Meine Frau, die Spartaner und ich“. Nämlich moderne Gags für eine herrlich zeitlose Tiefstnote. Was gibt es als nächstes? Ein Steinzeitepos mit integriertem „Rockin Williams“-Konzert? Nur weil in „Das Leben des Brian“ ganz kurz Außerirdische auftauchten, müssen wir wahrscheinlich demnächst mit einem Römerfilm rechnen, in dem der Zenturio den ganzen Tag Handyklingeltöne mitsummt? – Als kleiner Gag am Rand (des Arschs der Welt) ist das ja durchaus mal lustig, aber wenn Ritter Til in der Steinbruchdisco versehentlich ein Extasy-Pendant zu sich nimmt, wiehern nicht mal mehr die Pferde…

Immerhin: Als Til in dieser Szene „Mit ist schlecht“ stammelt, hat das auch die schauspielerischen Qualitäten von „Mir ist schlecht“. Allerdings nur auf Seiten der Zuschauer, die schon mal nach dem zweiten Popkorneimer verlangen dürften, da der erste schon vollgereiert ist. Mal ehrlich: Welchen Zaubertrank oder Trickschamanen musste unser Herr Bitte-sei-ein-Schweiger einkaufen, um in internationalen Produktionen stets seinen auf dem Hals festgewachsenen Hackepeter zur Schau stellen zu dürfen? Und wer zum Geier (hihi, ein Geier statt eines Adlers als Wappen. Wäre DER Knallergag des Films gewesen, hihi!) hat ihm die Regiearbeit in dieser schlecht getimeten Ego-Monotonie zugewiesen? Da schaue ich mir lieber weiterhin irgendwelche Fanfilme rückwärts an, als in dieser Reihenfolge zu essen!

Und dann diese Nebendarsteller: Thomas Gottschalk spielt erst mal sich selbst, dann erst mal eine Weile gar nichts, dann eine Mischung aus Pudel und König. Der unvermeidliche Rick Kanavian darf erneut mit griechischem (spielt aber einen Türken?!) Akzent durch die Handlung latschen, dabei aber immerhin ein gewisses Talent durchschauen lassen. Vielleicht hätte man ihm mal EINEN Witz schreiben sollen, um mal die Probe auf’s Extrem-pel zu machen? Oder nicht? Oder was?

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„Oh, Ritter Lanze! Was ist das nur für ein fürchterlich wütender Mann, der uns da verfolgt?“ – „Das ist nur der Typ, der diese Produktion finanziert hat und heute zum ersten Mal am Set ist.“ – The Power of Doof: Zum Glück halten ihn Dieter Hallervorden, Roberto Blanco und ein dämlich grinsender Komparse bislang noch mit Plastikschwertern und dem radioaktiven Drehbuch zurück…

Jopie Heesters muss übrigens für ein paar Sekunden einen akustisch unverständlichen Tattergreis spielen. Blöd für den netten jungen Herrn. Dabei hatte ich gerade DEM noch eine große Karriere vorhergesagt! Ich hoffe nur, er nennt den Schweiger nach den Dreharbeiten nicht einen „guten Mann“, denn im Gegensatz zu Heesters Hitlerlob würde ich ihm DAS nicht mehr verzeihen. Wer noch? Ach ja, Dieter Hallervorden kann mal kurz seine Mundwinkel bis zum Marktplatzpflaster runterziehen. Das Niveau liegt übrigens direkt daneben, bitte also nicht drauf treten. Das mache ich dann schon.

Der einzige Grund zum Weiterschauen ist tatsächlich nur die Neugier darauf, wer denn noch sinnfrei verbraten werden könnte. Und um diese Neugier an dieser Stelle zu stillen: Helmut Markwort (Focus) darf „Fakten, Fakten, Fakten“ rufen, Roberto Blanco mit den Augen rollen (warum konnte Til das eigentlich nicht?) und dann bin ich auch schon eingeschlafen…

Das ist auch der Grund, warum dieses Review ungewöhnlich kurz ist: Nach einer halben Stunde weiß man einfach, wie der Hase läuft. Nämlich fluchtartig. Und erneut müssen wir uns in unserem Vorurteil bestätigt sehen, dass deutsche Komödien völlig unlustig sind. Genau so wenig habe ich eigentlich zuletzt nur in „Scary Movie 2“ gelach… gegrin… einen leichten Humoranflug verspürt. Und das auch schon nur mit vorgehaltener Waffe… Ein Debakel!


Fazit: Wie die humorfreie Prinzessinnenrettung ausgeht, von meiner vagen Erinnerung an total unpassende Musik mal abgesehen, kann ich euch nicht sagen. Der ganze Rotz ist langweilig gefilmt, schlecht gespielt und peinlich unromantisch. Einziger Lichtblick für Onanier-Phantasten wie unseren User BergH: Die Prinzessin wirkt sehr sympathisch und schnuckelig. Der Rest… ist Screentest. Und somit schließe ich mit den grandiosen Worten:

„Wieso tragt ihr einen Hodenschutz?“
„Nun… Für den Hoden.“

Selten war die Schulnote SECHS also besser angelegt als hier. – Könnte ich bitte meinen Anteil dieser Filmfördergelder wieder haben?



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Artikel

von Klapowski am 04.01.09 in Film-Review

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Kommentare (8)

  1. BigBadBorg sagt:

    Das war nochmal ein richtig schöner Verriss! Danke!

    Ich durfte vor dem letzten 007 den Trailer genießen. Und der war schon nicht witzig, sondern einfach peinlich.

    Aber: Deutsche Komödien sind nicht lustig? Was ist mit dem Wixxer? Teil 1 + 2 waren echt gut.

  2. DJ Doena sagt:

    Ich war kurz nach Weihnachten drin, weil ich drum gebeten wurde. Nen paar Lächler hatte ich schon auf der Wange, aber so richtig lustig war er in der Tat nicht, vor allem weil er auch den ältesten Gag neu aufköchelte, wie zum Beispiel den erst 8472mal verwendeten vom-Ast-getroffen-vom-Pferd-gefallen-Gag.

    Ich muss sagen, da gefallen mir seine deutschen Jetztzeitkomödien deutlich besser.

    Guckt euch mal „Barfuss“ oder „Was tun, wenns brennt“ an, die sind dann doch schon eine andere Klasse. Ich find aber auch „Keinohrhasen“, „Wo ist Fred?“ oder „Der Eisbär“ gar net so schlecht.

  3. Klapowski sagt:

    Dieser Hammer folgt in den nächsten Tagen, versprochen!

  4. Der Jo sagt:

    Till Schweiger hin oder her, gibts auch mal etwas über das Remake von „Der Tag an dem die Erde stillstand“? Ich bin zwar kein so fachlich und sprach- (oder schrift-) lich versierter Kritiker wie der Betreiber dieser Webseite, aber der Film gibt genügend Stoff für einen schönen Kino-Hammer.

  5. Donald D. sagt:

    Am besten hat mir Schweiger noch bei „King Arthur“ als Sohn des Sachsenkönigs gefallen. Grandios war vor allem das Ende, als er von Lancelot mit dem Schwert durchbohrt wird.

  6. Darkk sagt:

    Hey Klapo, kannst Du mal was über keinohrhasen schreiben? Ich würd gern darüber lachen ohne mir den Film antun zu müssen ;)

  7. G.G. Hoffmann sagt:

    Mal ehrlich: dieser Film ist doch nicht an herkömmlichen Maßstäben zu messen. Dafür eine „6“ zu geben, ist schlichtweg unfair. Fraglos ist „1 1/2 Ritter“ als Trash angelegt und mit großen europäischen Komödien wie „Die Besucher“ (F 1993), „Bingo Bongo“ (I 1982), „Alles im Eimer“ (D 1981) oder „Otto – Der Katastrofenfilm“ (D 2000) zu vergleichen. Unter diesen und ähnlichen Werken wird „1 1/2 Ritter“ sicher langfristig einen Platz im unteren Mittelfeld einnehmen können. Ich könnte mir gut vorstellen, daß in 25 Jahren die Fans danach gieren, der Film möge endlich auf dem technischen Nach-Nach-Nachfolger der Blue-Ray-Disc in den Handel kommen, um ihn in noch brillianterer Qualität genießen zu können.

  8. F.Hainich sagt:

    Was den Film zur absoluten Katastrophe macht ist der Schnitt. So etwas habe ich noch gar nie erlebt. War da ein wildgewordener Schimpanse am Schneidepult? Das tut direkt weh!

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