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„Zukunftia besteigt den Schuldenberg“ – Eine Weihnachtsgeschichte

Als Verantwortlicher für die finanzielle Verwaltung unserer Seite sind mir Angst und Schrecken nicht fremd. Sei es aufgrund der monatlichen Rechnung des Weinguts „Zum billigen Fusel“ für fünfhundert Kartons Erdbeerwein (mein Kollege hat seinen Verbrauch dankenswerterweise stark reduziert) oder auch die gelegentliche Mahnung einer Bielefelder Kunstgalerie aufgrund der neuesten Anschaffung eines geschmackvollen Paintbrush-Gemäldes mit Delfin-Motiv. Doch passend zum Weihnachtsfest landete nun eine Zahlungsaufforderung in unserem Briefkasten, welche die Redaktionskasse endgültig sprengen sollte…

(Basierend auf einer wahren Begebenheit.)

Unheilvoll wirkte schon der Umschlag, war dieser offensichtlich bis zum Rand gefüllt mit unangenehmem Schreibwerk. Richtig, drei hochoffiziell wirkende Seiten mit einem passenderweise in Blutrot gehaltenen Briefkopf der Firma Versatel erwarteten mich. Und es sollte schlimmer kommen: Sogar ein Überweisungsvordruck war dabei! Kurz überlegte ich, ob ich meinen ohnehin wenig erfüllenden Posten bei Zukunftia aufgeben und mich mit der Kasse nach Acapulco absetzen sollte.

Doch Dinge wie Pflichtbewußtsein und Loyalität überkamen mich. (Wo hatte ich diese nur gelernt? HIER sicher nicht!) Mit Schweiß auf der Stirn und zittrigen Händen began ich zu lesen. Sätze wie „Informationen zu dieser Rechnung“ und „… bis zum 12.01.09 zu überweisen.“ ließen neuen Schrecken und auch Fragen in mir erwachen. Was, wenn ich den geforderten Betrag bis dahin nicht zahlen kann? Wie sollte ich diese Summe bis dahin auftreiben? Und wieviel kriegt man wohl bei eBay für heruntergetrunkene Satire-Autoren?

Doch wie hoch WAR eigentlich dieser, wahrscheinlich kaum vorstellbare, Geldbetrag? Werde ich zur Abendschule gehen müssen, um Zahlen dieser Größenordnung überhaupt mit meinem Verstand verarbeiten zu können? Mutig blätterte ich weiter zur Abrechnung, mich im Geiste bereits als verzweifelter Dauer-Blutspender, oder gar Praktikant bei TrekNews.de, sehend…

39 Cent.

39 Cent?

39 Cent!

Panik ergriff mich, als ich verzweifelt meine Hosentaschen nach dieser gigantischen Summe abtastete. Doch die Chancen dafür waren gleich Null, schon alleine aufgrund meines aktuellen Gehalts.

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„Waah! Eine Telefonrechnung über 39 Cent! Wir sind ruiniert!“ – „Ach, was! Wir verkaufen das Ding einfach als Altpapier!“ – „Stimmt! Und was machen wir mit dem restlichen Geld?“ – Feste zahlen wie sie fallen. Auch vor uns macht der Bürokratismus keinen Halt. Wir haben nämlich das dafür zuständige Formular nicht in dreifacher Ausfertigung unterschrieben.

Der Safe! Mit neuem Mut verließ ich meinen Arbeitsraum, eine ehemalige Besenkammer, und rannte in Klapowskis 200qm Großraum-Büro. Da dieser gerade seine übliche Pause von 08.00 bis 18.00 Uhr machte, war es verlassen. Ein gequälter Blick überflog mein Gesicht, als ich die Kombination „1-2-3-4-5“ eingab. Irgendwann werde ich Klapo davon überzeugen können, daß diese zu unsicher ist. Ich fühlte aber bereits eine gewisse Erleichterung, als ich in den Tresor griff und…

… nur einen gefalteten und vergilbten Zettel fand! Ein wenig verwirrt öffnete ich diesen und erkannte sofort die, durch jahrenlangen Alkoholkonsum zittrig gewordene, Schrift meines Kollegen:

Lieber Sparki,

ich habe mir das von Dir zurückgelegte Geld für schlechte Zeiten nur kurz ausgeliehen. Im Puff gibt es nämlich Heute einen Mengenrabatt!

Natürlich werde ich es so schnell wie möglich zurückzahlen. Du wirst wahrscheinlich gar nicht merken, daß es überhaupt weg ist, ha-ha!

Gruß,
der Klapo
(am 11.05.1986)

Traurigerweise überraschte mich dies nur wenig. Doch gleichzeitig kam mir ein schrecklicher Verdacht. Erneut griff ich nach dem Rechnungsschreiben, um nach der eigentlichen Ursache zu suchen. „…genutzte Telekommunikationsleistungen“ hieß es dort. Sollte Klapo etwa wieder… ?

Ein Eintrag von vor sieben Monaten in Daniels Nummernbuch bestätigte es. Genau! Die flotte Lola! Dabei erschien er so einsichtig, als wir an dem einen Abend über seine Gewohnheit gesprochen haben, pausenlos beim Telefon-Fickel-Service anzurufen. Doch mir war klar, daß er nicht für seine Sucht verantwortlich ist. Irgendwann bricht schließlich jeder Online-Autor zusammen. Trotzdem regte sich Schamgefühl in mir. Immerhin war ich, wenn auch indirekt, dafür mit verantwortlich, daß die armen Leute von Versatel diese stolze Summe von 39 Cent von uns verlangen mußten. (Und daß per Post und über drei Seiten. DAS nenne ich mal auf den Cent genau kalkulieren!)

Die weitere Tatsache, daß seit dem unheilvollen Anruf nur sieben Monaten vergangen sind, weckte zudem einiges an Ehrfurcht vor der offensichtlich blitzschnellen Rechnungsstelle von Versatel in mir. Diese Firma läßt sich von einer Finanzkrise ganz offensichtlich nicht einschüchtern und denkt an all ihre Mitarbeiter, welche sonst wahrscheinlich auf ihr Weihnachtsgeld (abzüglich Kosten für die Eintreibung?) hätten verzichten müssen!

Aus diesem Grund und vom Geist der Feiertage überwältigt, fasste ich in diesem Moment den festen Entschluß, Versatel sein Geld so schnell wie möglich zurück zu zahlen. Und wenn ich dafür einen Kredit aufnehmen muß! Hoch erhobenen Hauptes rannte ich daher aus dem Büro, mich nur kurz über ein leises Hecheln und Stöhnen aus dem eigentlich leerstehenden Nachbarraum wundernd…


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von Sparkiller am 23.12.08 in Intern

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Kommentare (3)

  1. Corny (genau der!) ;-) sagt:

    Muahahahaha! Wie geil!

  2. gff sagt:

    Leute:nutz den Paypal Knopf!Unterstützt die mutigen Schreiberlinge!^^

  3. gucky sagt:

    Echt super – und das schreib ich nicht oft :P

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