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DS9: Fight Club – Folge 07 – „e-mail für Dich“

Ein neuer Teil unserer großen Space-Saga: Eine versehentlich falsch adressierte e-mail stürzt DS9 in interplanetare diplomatische Verwicklungen.

Rumm erschrak so sehr, daß er auf seinem eigenen Speichel ausrutschte. Im selben Atemzug schlug er mit seinem Kopf gegen ein Tablett mit medizinischen Antiquitäten aus dem 20. Jahrhundert. (Der Doktor hatte das Gefühl, daß der Aufschlag doch schon sehr hohl klang) Eine der Spritzen flog im hohen Bogen auf Harak zu und traf ihm am Oberarm. Wenige Augenblicke später sackte er benommen zu Boden.

„Großartig Rumm, du hast ihm das stärkste Schlafmittel verpasst, das ich auf der Station hatte und hast durch blanken Zufall mein Leben gerettet! – Wie machst du das nur immer??“

Zusammen mit Torf, der zufällig um die Ecke kam, verfrachteten sie den bewußtlosen Harak/Morg in die Krankenstation und auf ein Krankenbett. Nachdem der Doktor ein Kraftfeld um den Morg gelegt hatte, trottete Torf wortlos von dannen. Auch Rumm und Kwork gingen wieder ihrer Wege…

Jedoch Kwork blieb bereits am nächsten Verkaufsstand für Sonnenbrillen stehen. Kwork betastete seinen neuen Verband und beschloss, dass er endgültig die Nase voll hatte (nicht nur vom Blut, das immer noch unter dem Verband durchquoll). Ja, er war jetzt so richtig sauer! „Rache ist Blutwurst, vom Friedhof der Kuscheltiere!“, kam es dumpf unter dem Verband hervor. Mit einem Funkeln in den Augen fuhr er fort: „Selbst der Captain wird einmal eine Abreibung erfahren müssen!“

Wenig später saß er schon am Computer und schrieb folgenden Brief:

Hallo liebes Gewürm,
ja euch meine ich. Ihr miesen Schlappschwänze, Schwachköpfe, Hinterwäldler und Volltrottel von Frohmutlanern und Blasiertianern. Ihr seid doch zu blöde zum Kacken, außerdem seht ihr scheiße aus. Bin für Kritik immer zu haben. Wenn ihr Scheißefresser was wollt, dann traut euch doch hierher, ihr Lappen. Ich warte nur auf euch.
Herzlichst

Captain Mondamin Fleischkopf-Müller
Kommandant der Raumstation DieÄßNein
Abgefuckter von Major

und Unterdrücker von kleinen, hilflosen Barbesitzern!!

P.S.: Ihr könnt mich alle mal. Und bringt ruhig eure Freunde mit, die kriegen auch gleich Saures!

Kwork sah sich sein Werk an, kicherte teuflisch, begann diabolisch zu lachen, verschluckte sich an einem Schleimklumpen in seinem Hals, würgte einige Minuten lang, lief blau an, knallte mit seinem überdimensionalen Schädel auf die Tastatur, schickte damit die Mail ab und bemerkte in seiner mißlichen Situation nicht, daß er einige Tasten mitgedrückt hatte, die ein wenig an dem Text geändert hatten. Zum Glück war es nur ganz wenig, aber dafür an einer zugegeben etwas wichtigeren Stelle…

Nicht nur, das er auf den medizinischen Notrufknopf gefallen war, nein, er betätigte auch noch die „Invert-Taste“. Nun schrieb der Computer die letzte Zeile des Textes folgendermaßen um:

„…Herzlichst,
Unterdrücker vom kleinen, hilflosen Kommandeuren der Raumstation DieÄßNein, der Barbesitzer Kwork.“

Das „P.S.“ blieb auch, wie es war. Wegen irgendeines programmiertechnischen Fehlers wurde grundsätzlich der Name des Absenders mit angefügt. Das Schicksal nahm also seinen Lauf, als die Nachricht in die unendlichen Weiten der Station gesandt wurde. Nämlich zur persönlichen Konsole des Captains, der jeden zur Versendung vorgemerkten Brief ungefragt las, umschrieb und sich über die seltsamen Endergebnisse dieser Einmischung oftmals scheckig lachte…

Kwork erholte sich von seinem Erstickungsanfall und verließ, ohne auf den Bildschirm zu sehen, leise kichernd das Quartier. Zur Feier des Tages würde er einen ausgeben und seinen Bruder Rumm eine aufs Maul hauen.

Währenddessen, am selben Ort, 20 Meter weiter links:

Cpt. Fleischkopf-Müller war in sein Quartier zurückgekehrt. Wie gewohnt übersah er die Putzkolonne, die aus seinen Räumlichkeiten gewankt kam. Wie gewohnt waren alle leicht blass oder grün im Gesicht und zogen, wie gewohnt, den Geruch von frisch Erbrochenem mit sich. Wie gewohnt trabten auch zwei majoranische Müllentsorger mit einer Bahre vorbei, auf der, wie gewohnt Leutnant Ramsch lag. Ungewohnt dabei war allerdings die Tatsache, daß Ramsch weder schrie noch weinte noch überhaupt einen Laut von sich gab.

Ungewohnt war auch die Verfassung, in der er abtransportiert wurde. Die Müllentsorger waren ebenfalls ungewohnt, denn normalerweise waren es Notfallsanis, die den verwüsteten Körper des Leutnants abholten.

Fleischkopf-Müller übersah den schwarzen Plastikbeutel auf der Bahre, der offensichtlich einen Klumpen 120 Pfund wiegendes Hackfleisch enthielt und betrat sein Quartier. Alles war frisch gewischt, wie jedes Mal, wenn er nach einem Wutanfall sein Zimmer verließ und kurze Zeit später wieder betrat. Mürrisch knurrte er in den Raum: „Licht, Du Scheißhaufen!“. Sofort erkannte der Computer die Stimme seines Herren und die Zimmerbeleuchtung schaltete sich ein.

„Sie haben Post, Captain.“ wußte das Elektronengehirn zu vermelden.

„Was? Wie? Wo?“ war die typische Antwort, während der Captain entsetzt mit der Hand über seine Schultern fuhr, um imaginäre Substanzen abzustreifen. Gleichzeitig suchte er dieselbe Lokalität seines Körpers mit den Augen nach verdächtigen Objekten und auffälligen Krankheitserregern ab.

„Nein Sir, nicht auf ihrem Rücken, auf Ihrem Bildschirm, Sir.“ meinte der Computer pflichtbewußt sagen zu müssen, als Fleischkopf-Müller damit begonnen hatte, sich um seine eigene Achse zu drehen, um seine Rückenpartie betrachten zu können.

„ScheißmistdreckskackapparatvoneinemSchrottding!“ kommentierte der Captain die Hilfestellung seines Computers und schaltete mit einem Faustschlag den Monitor an.

„Was will denn diese Kürbiskopp Kwork von mir? Hat der immer noch nicht genug?“. Die Nachricht Kworks tauchte auf dem Bildschirm auf und Fleischkopf-Müller las sie wider Erwarten, ohne den Finger von Wort zu Wort zu bewegen und laut wiederzugeben, was da stand, durch. Mit einer Engelsgeduld sah er sich den Text an und sagte sich:

„Mann, dieser Kwork ist ja ein ganz schön mutiger Kerl. Bescheuert und lebensmüde zwar, aber ganz schön mutig. Frage mich nur, warum er mir das zugeschickt hat. Ah! Ich hab`s, ich soll wohl nachprüfen, ob alles richtig geschrieben wurde und diplomatisch korrekt formuliert wurde. Das hätte ich ja nicht gedacht, daß der Kwork so ein guter Kerl ist. Na, dann will ich mal nicht so sein.“

Es war vielleicht das erste Mal in seinem Leben, daß Mondamin Fleischkopf-Müller so etwas wie Freundlichkeit und Zuvorkommenheit verspürte, während er dem Text noch diverse Beschimpfungen dazudichtete und Rechtschreibfehler einbaute (ungewollt), die bei jedem Germanistik-Dozenten einen Tränenausbruch und den nachfolgenden Suizid verursacht hätten. Mit einem wohlwollenden Grunzen schickte der Captain die Nachricht ab. „Wieder eine gute Tat getan. Ich weiß gar nicht, was die Proleten immer gegen mich haben.“

Die Nachricht ging ab und verließ unbarmherzig und unter einem leisen Knirschen die gigantische Sendeantenne der Station…

Währenddessen im weit entfernten Raum der Blasiertianer:

Der Piratencaptain Cont R`Gan, einer der übelsten Dreckskerle des bekannten Universums, stand mit weit aufgerissenen Augen vor dem Computerausdruck, der ihm von seinem Kommunikationsoffizier mit zitternden Händen überreicht worden war. „WAS?!! SO EINE FRECHHEIT!!! WER IST DIESER KWORK EIGENTLICH?!

NA, DER WIRD MICH KENNENLERNEN!! NEUER KURS AUF DIESE STATION! WIE HIESS DIE NOCH GLEICH?!“

„Ähm, DieÄßNein, Captain, Sir, äh, Boss…“ druckste der Navigator rum.

„FLENN HIER NICHT SO RUM DU LAHMARSCH!! KURS SETZEN UND VOLLGAS!! NOCH VORM ABENDESSEN WILL ICH DEN TYPEN TOT SEHEN!!“ mit einem brutalen Schlag auf die arg zerbeulten Armlehnen seines Sessel wurde Cpt. Cont R`Gan in denselben geschleudert, als das Schiff ohne Vorwarnung auf Höchstgeschwindigkeit ging. Flüche und Beschimpfungen wurden mit dem Raumer in die Unendlichkeit hinausbefördert, der Raumstation im Orbit Majors entgegen.

Es dauerte nur wenige Stunden, bis das Schiff die Station erreicht hatte… Mit einem wütendem Grunzen, das entfernt Assoziationen zu Schweinehaltung oder klingonischen Schlachtschreinen hervorrief, hämmerte der Captain auf den handtellergroßen Knopf für die Öffnung der Subraumkanäle – Die zierlichen Knöpfchen, die damals zur Grundausstattung des Schiffes gehört hatten, lagen schon länger zertrümmert unter dem Stuhl des Captains… Der Kanal öffnete sich… Eine computerisierte Stimme sprach stockend: „Verbindung wird aufgebaut… Bitte warten… Bitte warten…“

Das Surren der schiffsinternen Festplatte konnte das nervöse Knirschen der Zähne des Captains kaum übertönen. Mit einem lauten Knacken, gefolgt von einer üblen Rückkopplung, stand nun die Verbindung zum zuständigen Kommunikationsoffizier der Station…

„Raumstation DiÄßNein, Unterabteilung Kommunikation, Sektion C 3, Fähnrich Bullerbü am Apparat, einen schönen guten Tag, was kann ich für sie tun?“

Der Captain grunzte nur verächtlich und brauchte einen Moment, um sein ganzes rhetorisches Talent aufzubieten…

„Schnauze!“, brummte er also keine zwei Sekunden später und richtete sich, von sich selber beeindruckt, auf seinem Stuhl noch weiter auf… „Ich will das Arschloch sprechen, das es vor ein paar Stunden gewagt hat, mir diese erbärmliche Subraumnachricht zu schicken…“

Die geschulte Stimme des Fähnrichs blieb professionell und wirkte trotz des gelangweilten Untertons noch immer leidlich höflich: „Bitte nennen sie ein Aktenzeichen, ein Datum, den Namen des Sachbearbeiters, die Zimmernummer, seine IP oder Hutgröße…“

„Verdammte Hacke, ich will jetzt sofort den elenden…“

Der Fähnrich nahm die angehende verbale Attacke mit einem Aufatmer der Erleichterung zur Kenntnis. Bedeutete dies doch, dass er sich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr für die unangenehm polternde Raucherstimme verantwortlich fühlen musste.

„Einen Moment bitte, ich verbinde sie mit unserer Beschwerde-Abteilung…“

Und eine Sekunde später lauschte der fassungslose Captain schäumend den choralen und sphärischen Gesängen majoranischer Mönche, nur ab und an unterbrochen durch ein gelangweiltes „Bit-te war-ten“.

„Die sind ja alle doof! Die sollen jetzt mal checken, wie böse ich mal sein kann! – Schieß auf die!!“ Von seiner eigenen Fähigkeit, ganze Sätze in bisher unerreichten Rekordzeiten zu formulieren, beeindruckt, starrte der Captain nun auf den Hauptbildschirm, welcher nun den Einschlag eines Torpedos in die Hülle der Station zeigen sollte…

Das Gesicht des bösen Cont R‘ Gan verlor in Erwartung einer wunderschönen Serie gleißender Explosionen seine ganze Freude und den Rest seiner Farbe. Dieser proletenverdammte Torpedo prallte von der Hülle der Station ab, ohne irgendeinen Schaden anzurichten, taumelte leicht angebeult in die Unendlichkeit hinaus und schimmerte dabei herzerweichend im Lichte der majoranischen Sonne.

„Die sollen mich kennenlernen, so geht man nicht mit dem Schrecken der Galaxies um, dafür wird jemand dreifach, nein, vierfach, was sag ich doppelt büßen! ALLE MANN ZUM ÜBERSETZEN BEREIT HALTEN, WIR ENTERN DIESE AUSGEBURT AN HÄßLICHKEIT!“, schrie Conti in alle zur Verfügung stehenden Interkoms und mehrere Pizzaschachteln.

„KWORK’S BAR“ summte die windschiefe Neonreklame in speckigen Buchstaben der Welt entgegen, als ein Haufen ungewaschener Piraten hinter der Theke materialisierten. Selbst die beim Beamvorgang entstehenden Partikeleffekte machten einen seltsam schmutzigen und fleckigen Eindruck…

Doch als zwielichtigen Barbesitzer schreckte Kwork dieser Umstand nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Kaum jemand betrat normalerweise seine Bar, ohne vorher Passwörter und Insektenspray in Anschlag gebracht zu haben.

„Waren sie, meine Herrschaften, vielleicht gerade die Urheber dieser spaßigen Idee, ein Stück Altmetall gegen die Scheiben meiner Bar zu katapultieren? Mehrere meiner außerirdischen und hochgradig exotischen Weiblichen wurden für Sekunden verschreckt! Ganz zu Schweigen von Norm, der von dem subtilen „Plöng“ aus dem Schlummer gerissen wurde!“ Kwork atmete tief ein und hielt nun für einen Moment inne… Vermutlich wurde diese Tatsache auch dadurch begünstigt, daß er nun von einem Dutzend Piraten umstellt war, die alle wie auf Kommando stumm ihren Phaser auf ihn richteten… Kwork brauchte nur den Bruchteil einer Sekunde, um sein weiteres diplomatisches Vorgehen zu erarbeiten…

„Natürlich ist es ihnen jedoch freigestellt, nach ihrer herzlichen Anfrage bei mir, so viele Getränkedosen gegen mein Fenster zu werfen, wie sie wollen! Möchten sie vielleicht auch noch einen Drink? Eine Holosleep? Eine Runde am Labo-Rad? Ein Labo-Mädchen? Meinen Bruder Rumm für Zielübungen? – Bitte, bedienen sie sich!“

Langsam beugte sich eine der stinkenden Ausgeburten klischeeliebender Drehbuchautoren zu Kwork herunter. „Wissen sie… Was wir Piraten uns nach monatelanger Isolation in den Weiten des Raumes am meisten wünschen?“ lautete die durchaus unerwartet süßlich klingende Frage des immer näher Rückenden.

Kwork zog die Nasenflügel für einen Moment angewidert zusammen und riet vorsichtig: „M-Mundspray??“

„Nein, mein Süßer!“ Der Pirat kraulte Kwork lächelnd am Kinn und fuhr elegant durch sein fettiges Haar.

„Rate noch mal, du Dummerchen!“ – „Äh…Mbrl…Öh…“ antwortete Kwork in einem seltenen Moment geistiger Klarheit.

„Sexuelle Abwechslung! – Schafft ihn in die dunkle Ecke dort drüben!“

„Arrgggllll!“ rief Kwork, der nun von drei Piraten an Armen und Beinen weggeschliffen wurde…

„Neeeeein!! – Ich habe heuteeee füüür so etwas schoooon geschlosseeeeeeen!!!“


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Artikel

von Sparkiller am 01.01.02 in Fight Club

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