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Mein Urlaub auf Bajor-ka – Ein galaktischer Reisebericht

Bajor-ka ist ein kleines Fleckchen Erde im Dingsda-Quadranten. Lange haben meine Kollegen versucht, mich zu IRGENDEINEM Urlaub zu überreden, doch meine abwehrende Haltung („Aber… woanders ist doch alles anders als hier!“) verlangte nach außergewöhnlichen Maßnahmen: Meine Kollegen berichteten mir somit vor Monaten von einem Planeten namens… na ja, halt „Bajor-ka“! Meine Zweifel daran, dass inzwischen intergalaktische Flüge für Touristen zu haben seien, zerstreuten sie mit einer alten P.M.-Ausgabe von 1995, wo die erste Landung deutscher Touristen auf Alpha Centauri für 1996 vorhergesagt worden war…

Da es sich hierbei sozusagen um eine Studienreise für SF-Nerds handelte, sagte ich zu und einer seltsam verwirrten Reisefachverkäuferin „Ja“. Blöde Kuh, noch dazu mit einem seltsamen Sprachfehler, der komischerweise nur die Aussprache meines Reiseortes betraf…

Die Anreise per TUI-Raumschiff (sieht aus wie eine Boeing 757, aber vermutlich sind hier Scientologen am Werk) verlief, nun, reibungslos, auch wenn ich im wortwörtlichen Sinne befürchtete, als Reibungswiederstand in der Atmosphäre des Planeten zu verglühen…

Bajor-ka ist ein Planet und gleichzeitig der Name des darauf liegenden Kontinents in einem Sonnensystem der Ypsilanti-Klasse. Der Himmelskörper besitzt einen Mond (Siehe dazu die DS9-Folge „Muliboks Mond“) und eine Sonne, der Erde ähnlich. (Bildmaterial: TUI-Katalog, wobei gerade diese Seite irgendwie merkwürdig reingeklebt wirkte)

Der Lichtsprung durch’s All startete direkt am NASA-Raumhafen in Paderborn, war aber dennoch intergalaktisch… uninteressant. Die Warpblase war durchgängig blau, hatte aber noch überall weiße Flauschefetzen von den Nachbardimensionen 4 bis 7 kleben. Aber da beim SG1-Team bekanntlich auch mittels explodiertem Pups in der Badewanne gereist wird (und bei „moderner SF“ zunehmend gar nicht) will ich mich nicht beschweren. Meine Sitznachbarin war schließlich schon schwer genug… Riecht es im Welttraum eigentlich nach Schweiß?

Nun gut. Die Präsentation der Schwimmwesten hat mich dann doch etwas gewundert, aber jemand, der bei Lexx fliegende Libellen als Produktpalette akzeptiert hat, braucht schon etwas mehr, um sein Weltbild-Bilderbuch bröckeln zu sehen!


Tag 1:

Da ein Bekannter mitflog, berichtete er mir bei der Ankunft von den Grunddaten des Planeten. Wenn ich diese richtig verstanden habe, besteht Bajor-ka zu 95% aus Strand, während die übrigen 905% aus Wasser sind. Das ist mathematisch zwar schwer zu begreifen, aber da die Bajor-kaner eh nicht rechnen können (es gibt eine sinnlose Art „additativen Aufschlag“ auf ALLES, der sich „Trinkgeld“ nennt), ist das ziemlich Schnuppe.

Ist man mal 5 Kilometer vom Wasser entfernt, kann man eine der reichhaltigen Rohstoffe sehen, die dort angebaut werden: Sie heißt „Braun“ und sieht auch so aus. Nur in den Touristengebieten gedeiht eine Pflanze, die sich Pal’me nennt und aussieht wie eine magersüchtige Ananas. Da Bajor-ka ein Planet ist, kann man selbstverständlich auch alle Strände ablaufen und ist irgendwann wieder am Ausgangspunkt. So weit muss man aber auch gar nicht gehen, da man alle 100 Meter in eine Raumverzerrung gerät, so dass man immer an der selben Kombination „Bar-Eisdiele-Restaurant-Hotel“ vorbei kommt.

Die Pal’men wachsen quasi überall auf Bajor-ka. Leider sind sie unglaublich wendig sowie gefährlich und springen einen Spaziergänger schon mal unvermittelt an! Vor allem, wenn dieser bereits einige alkoholische Getränke zu sich genommen hat. Möglicherweise reagiert die Pal’me auf den Geruch dieses Nervengiftes…

Die Bajor-kaner sind sehr nett und sprechen natürlich alle Deutsch, wie bereits in der Serie DS9 zu beobachten war. Nur müsste der Universaltranslator dort mal wieder generalüberholt (oder welche Dienstgrade die da haben) werden. Als mich der dritte Kellner frage, ob ich „einen Koller bekommen“ würde, schnappte ich mir kurzerhand ein Fischmesser zwecks Nachjustierung seines Implantats im Kopf. Siehe dazu die Folge „Kleine grüne Männchen“.

Erst im Gefängnis erfuhr ich, dass „Koller“ hier ein gängiges Erfrischungsgetränk ist und vermutlich ebenfalls aus dem hier angebauten „Braun“ hergestellt wird.

„Humanoide müssen draußen bleiben“ – Leider ist auch so ein schöner Planet wie Bajor-ka nicht gegen Rassenhass imun.


Tag 2.

Bin das erste Mal schwimmen gewesen. Das Wasser schmeckt hier ganz anders als in den Hallenbädern auf der Erde! Es ist fast unangenehm salzig (ist dies das sagenumwobene „Spice“, also „Gewürz“?) und macht ab drei Litern oraler Zuführung komische Sachen mit Körperöffnungen.

Ich bin heute auch zehn Kilometer gelaufen, um der Raumverzerrung zu entkommen. Diese verstärkte sich jedoch durch meinen Bekannten („Los, noch ein Sangria! Du hast doch erst 52!“), so dass sich die Umgebung nicht nur wiederholte, sondern sich auch in zwei identische Paralleluniversen aufspaltete, die einige Zentimeter nebeneinander her schwebten…

Der „Drehkörper der Prophezeiung“ war leider defekt. Je mehr man ihn drehte und schwenkte, umso undeutlicher wurden die Visionen. Was allerdings auch daran gelegen haben mag, dass alle anderen Gäste des Tempels mit spitzen Schreien („Iiiih! Pass doch auf, Du Sau!“) auf mich losgingen…


Tag 3.

Ich fand am Strand Schalentiere, die wie kleine Radkappen aussehen und gar keine Tiere waren, da allesamt tot und leer. Hier scheint sich also vor einiger Zeit eine globale Katastrophe abgespielt haben, die alles Leben ohne eigenbetriebliche Einrichtung vernichtet haben muss!

Ich glaube sogar, einige Zeugen gesehen zu haben! Diese sind alle pechschwarz (Atombombe?!) und müssen sich ihren postapokalyptischen Lebensunterhalt damit verdienen, am Strand Uhren zu verkaufen. Diese heißen meist „Roll-Ex“ und sollen vermutlich auf die damalige Katastrophe erinnern. Weist dies auf einen ehemaligen Rollvorgang hinweisen? Hat also die Rotation von Bajor-ka kurzzeitig ausgesetzt?

Um die Bestimmung der Tageszeit hat sich bei den primitiveren Bajor-kanern ein steinzeitlicher Kult entwickelt. In der lila Tüte verborgen befindet sich vermutlich sogar der Drehkörper der Zeit (Unverkäuflich, da Originalware… Es sei deeenn… Vielleicht für 50 Eurooo…?).


Tag 5.

Bei meinen Spaziergängen stieß ich auf diese steinerne Rampe. Einheimische erklärten mir, dass die alten Bajor-kaner hiermit Schiffe an den Start gebracht haben sollen. Endlich ist also das Geheimnis um den „bajoranischen Sonnensegler“ (Episode „Die Erforscher“) gelüftet! Dank dieser Rampe konnten die prähistorischen Raumschiffe vom Wasser aufwärts so beschleunigt werden, dass sie die Atmosphäre verließen.

Einziger Nachteil: Laut meinen Berechnungen müssten die Oberschenkel und Arme der Schiebenden mit der Energie von 2 Kohlekraftwerken gespeist werden. Und dieser Vorgang war sicher nicht schmerzfrei!

„Schiebuuung!“ – Die alten Bajor-kaner wussten sich gegenseitig wirklich noch zu helfen! Aber nur für ein kleines Trinkgeld, selbstverständlich…


Tag 7.

Ich entdecke am Strand eine Ruine, zweifellos Hinterlassenschaften der bösen Pah-Geister. Als ich mich dem Eingang nähere und um Einlass bitte, ertönt die machtvolle Stimme des mächtigen, außerkörperlichen Wesens: „Öj, such dir einen anderen Platz zum Ficken, Alter! Hier sind schon wir!“ – Ich entferne mich und versuche gleichzeitig den Sinn der prophetischen Worte zu verstehen.

Als ich später eine der Einheimischen nach dem „Ritual des Fickens“ frage, erklärt sie mir, dass dieses der Selbsterkennung dient. Man möge sich selber betrachten, um tiefe Weisheiten über die eigene Seele zu erlangen. Jedenfalls verstehe ich den Satz „Mit Dir? Guck dich doch mal an!“ exakt so…

Die Pah-Geister lieben Höhlen und alte Gemäuer. So verzichten diese konservativen Gesellen sogar auf die übliche Namensbezeichnung (z.B. „Wohngemeinschaft Pah“) auf dem Briefkastenschlitz, der links am Gebäude zu sehen ist.


Tag 10.

Doctor Who ist ebenfalls auf Bajor-ka! Ich entdecke seine leicht modifizierte Tardis in der Nähe meines Hotels. Als ich das Raumschiff öffne, wundere ich mich sehr, da dieses innen viel kleiner als von außen zu erwarten wirkt. Vermutlich liegt das auch am Volumen der zusammengesunkenen Hose, die zwischen den Beinen des Doctors(?) ruht. Der Geruch hier drin ist so erschreckend, dass ich gleich wieder gehe. Schade, dass dieser unappetitliche Aspekt der Regeneration uns im Fernsehen vorenthalten wird…

Ein brauner Klumpen, der mir von hinten in den Nacken geworfen wird (= biogene Masse zur Erhöhung der Leitfähigkeit der Schaltkreise?), erhöht meine Geschwindigkeit enorm.

Leider konnte ich mit Doctor Who nicht sehr lange sprechen. Immerhin: Er hat eine sehr sympathische und einnehmende Gröhlstimme!


Tag 11.

Ich entdecke einen Kieferwald! Und sofort erkenne ich ihn wieder! Kein Zweifel: Das SG1-Team war hier! Als ich nach dem dazugehörigen Stargate suche, entdecke ich stattdessen die Stadt Atlantis im Meer. Sie sieht exakt aus wie in der Fernsehserie, nur halt ganz anders und mit dem rätselhaften Schriftzug „Aida“ auf der Seite…

An einem der Bäume befinden sich rätselhafte Schriftzeichen, die Daniel Jackson das Leben erschweren, aber auf eine gewisse, „workoholische Weise“ auch bereichern könnten…


Tag 12.

Die kulturellen Einflüsse der Ferengi werden überdeutlich: Die schwarzen Brillen- und Uhrenverkäufer kommen nun alle 5 Minuten (= entspricht 5 Erdminuten) an der Strandbar vorbei. Neben dem ominösen „Roll-Ex“ werden nun auch primitive Ketten aus goldgepresstem Plastikiuum angeboten. Ich verscheuche einige der Verkäufer, nachdem man mich zum dritten Male mit dem Gruß „luckilucki“ begrüßt hat, jedoch kommen einige Zeit später vollkommen identisch aussehende Ersatzleute vorbei! Sozusagen Post-Postapokalyptische. Ich versuche den Replikator – oder die Klonfabrik – in den Dünen zu finden und bewaffne mich mit Schäufelchen und Eimerchen, um diese „auszuheben“. Leider erfolglos.


Tag 13.

In der TNG-Folge „Die jungen Greise“ hält Doktor Pulaski eine Krankheit auf, die für einen unglaublich schnellen Alterungsprozess sorgt. Dummerweise scheint sich diese auf Bajor-ka geflüchtet zu haben! Mir fällt heute auf, dass 90% aller irdischen Besucher (genauer: Deutschland. Noch genauer: Sachsen) deutlich über 60 sind. Ich bekomme Angst und betrachte mich im Spiegel.

Tatsächlich: Irgendwie sehe ich ganz anders aus! Ängstlicher irgendwie. Und nicht nur, dass das allgegenwärtige „Braun“ sich auf mein Gesicht gelegt hat, nein: Meine Augen liegen in ihren Höhlen (was bei Romanautoren stets was schlechtes ist, jawollja!) und überhaupt fühle ich mich gebrechlich, müde, ausgelaugter! Trotz meiner sich aufstauenden Sorge gehe ich jedoch ins Bett und schlafe meine üblichen vier Stunden von 2 Uhr nachts bis 6 Uhr morgens…

Warten auf Godot und/oder Picard: Der Alterungsprozess dieser bedauernswerten Unterhemdenmodelle (Man trägt die Halteriemen dieses Jahr wieder über den Schultern) ist leider nicht aufzuhalten. Wer sich die Bauchpartie anschaut, sieht auch sofort, dass diese ehemaligen Grundschüler bereits Unmengen an experimentellen Medikamenten gefuttert haben müssen…


Am 14. Tag reiste ich wieder zurück. Leider hat die Ferengimentalität inzwischen sogar auf die Besatzung meines Raumschiffes übergegriffen, so dass diese während des Fluges (kein Witz!) tatsächlich „Faltlautsprecher in Pyramidenform für 2,99 Euro“ feil boten.

Nun, wie hat es mir nun abschließend gefallen, dort draußen, in den Weiten des Alls? Hat mir das ganze mehr gebracht als Unmengen von Siliziumkristallen im Koffer, ausgegebenen Trinkgeldern in der Höhe des Bruttosozialprodukts der IKB-Bank und einer „Roll-Ex“-Uhr für 50 Euro?

JA! Denn nun weiß ich, welche Wunder uns dort draußen sehnlichst erwarten, dabei nervös auf die Uhr schauen und mit dem rechten Fuß „Taptaptap“ machen! Ich sah in das Antlitz einer fremden Sonne (und irrte danach geblendet in den Dünen herum), entdeckte eine Kultur, die so fremdartig ist, dass die dortigen Tempel schon fast wieder wie Eiscafès und Burgerbuden aussehen und lernte jede Menge Frauen kennen. Zum Beispiel Ilse, die in drei Wochen ihre Hüftoperation haben wird und unheimlich gerne spiegelverkehrte Kreuzworträtsel löst (für den höheren Schwierigkeitsgrad).

Aber, wenn es Euch nichts ausmacht, schaue ich mir den Rest des Alls jetzt erst mal wieder an meinem DVD-Player an. Das ist nicht nur 800 Euro billiger, sondern erspart einem auch das erzwungene Suchen nach Aktivitäten („Ich habe VIEL Geld ausgegeben, also MUSS ich dann auch noch 50 Quadratkilometer Steppe sehen, oder?“).

Die Bajor-kaner kennen in ihren Tempeln eine Vielzahl von Göttern. Als ich nach ihnen fragte, erhielt ich interessante Detailinformationen: Das ganz rechts ist eine Gottheit namens „Nichanfasse“, daneben steht der mächtige „Sonstmüssebezahle“, gleich gefolgt von „Fotoverbotten“.


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Artikel

von Klapowski am 29.09.08 in All-Gemeines

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Kommentare (5)

  1. Schadeschokolade sagt:

    Tja irgendwie… selbst schuld.

  2. DJ Doena sagt:

    Wenn du deinen Geek&Nerd-Kompass wieder eichen willst, damit er nach der Bajor-ka-Störung wieder ganz gerade auf Genes Umlaufbahn zeigt, würde ich dir empfehlen, mal einen Blick in die (englischsprachige) Serie „The Big Bang Theory“ zu werfen.

    http://de.youtube.com/watch?v=a8P0YmgQTbA

    http://de.youtube.com/user/thebigbangtheory

  3. Kuang sagt:

    Kann ich Dir auch empfehlen. Nerdismus vom feinsten. Du bekommst Die Folgen…ääh vom gleichen Cousin aus Amerika, der Dir auch die ENTEPRISE-Folgen immer so net auf VHS aufgenommen und zugeschickt hat.

  4. Raketenwurm sagt:

    Wenn schon Urlaub auf einem anderen Planeten, dann natürlich auf dem Vergnügungs- und Fickplaneten Riesa, auf dem schon Picard seine helle Freude hatte. Kann man sich hier: http://www.riesa.de angucken. Perfekt für den kleinen Geldbeutel, zumal man schon mit einem kleinen Shuttle(-Bus) hinkommt.

  5. Atlan sagt:

    Danke für den Tip mit Big Bang Theory! Hab mir grad‘ mal ein paar Folgen angeschaut – bin zwar kein Fan von Sitcoms, aber das was „hilarious“.

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